Auszeichnung 1843 Johann Smidt (1773-1857)

Johann Smidt (1773-1857)

Auszeichnung 1843

Senatsbeschluss vom 15. Juli 1843, Verleihung am 15. Juli 1843.

Begründung von 1843

Anerkennung der besonderen Hilfe nach dem großen Hamburger Brand“ 1842.

Hintergrund

Johann Smidt war ein Theologe und herausragender hanseatischer Politiker. Der langjährige Bremer Bürgermeister vertrat auch Hamburgs Interessen nach dem Ende der französischen Fremdherrschaft und im Deutschen Bund; nach dem Großen Hamburger Brand initiierte er außergewöhnliche Hilfsmaßnahmen.

Der 1773 in Bremen geborene Pastorensohn Smidt studierte nach dem Abitur ab 1792 Theologie in Jena. Er gründete dort die literarische „Gesellschaft der freien Männer“, ein Studentenbund, der stark von den Ideen der Französischen Revolution geprägt war. Nach seiner Ordination wurde Smidt Professor für Philosophie und Geschichte in Bremen. 1800 zum Senator auf Lebenszeit gewählt, knüpfte er in der Folgezeit politische Kontakte nach Hamburg und Lübeck. Er übernahm eine führende Rolle bei der Neuordnung des bremischen Staates nach dem Ende der französischen Fremdherrschaft 1813. Ein Schwerpunkt seiner weiteren politischen Tätigkeit lag in der Außenpolitik.

Eine zentrale Bedeutung für Hamburg gewann er erstmals als Vertreter der vier freien Städte beim Wiener Kongress 1814/15, wo er deren Selbstständigkeit aushandelte. Bereits zuvor hatte er intensive Kontakte vor allem nach Hamburg und Lübeck geknüpft, um die Politik der Hansestädte gegenüber Frankreich abzustimmen. Von 1815 bis 1848 wirkte er als führender hanseatischer Repräsentant im Bundestag in Frankfurt am Main. 1821 wurde Smidt zum Bürgermeister Bremens auf Lebenszeit gewählt, ein Amt, das er sich mit drei Kollegen teilte und im Wechsel mit ihnen ausübte. Wichtige hafenpolitische Entscheidungen gehen auf Smidt zurück. Mit seinem Namen ist die Gründung Bremerhavens 1827 verbunden. Zudem war er ein entschiedener Förderer des hanseatischen Handels mit den USA.

Als Bremen im Zuge der Revolution von 1848 ein neues Wahlrecht und eine neue Verfassung erhielt, betrieb der konservative Politiker Smidt erfolgreich eine „Gegenrevolution“, in der er die Bundesversammlung involvierte. An der konservativen und teilweise reaktionären bremischen Verfassung 1854 war er maßgeblich beteiligt. Smidt blieb der letzte auf Lebenszeit gewählte Senator und Bürgermeister. Er starb 1857 in Bremen.
Smidts eigentliche Bedeutung für Hamburg lag in seinen politischen Leistungen für die Unabhängigkeit und weitgehende Selbstbestimmung der Hansestädte sowie in der Förderung des norddeutschen Handels. Er erhielt dafür zahlreiche Ehrungen, auch seitens der Hansestadt Lübeck. In Hamburg wurde eine Straße im Stadtteil Hamm nach ihm benannt.

Die Hilfsleistungen nach dem Großen Hamburger Brand 1842 bestanden vor allem in der Übersendung von Zimmerleuten und mit außergewöhnlichen solidarischen Gesten unterlegten finanziellen Unterstützungen. So verzichteten etwa sämtliche Zigarrenarbeiter Bremens auf einen Tageslohn zugunsten des Wiederaufbaus Hamburgs. Diese von Smidt initiierten beziehungsweise koordinierten Maßnahmen waren der Anlass, den verdienten Staatsmann mit dem hamburgischen Ehrenbürgerrecht auszuzeichnen.

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