Senatskanzlei

Auszeichnung 1843 Heinrich Christoph Gottfried von Struve (1772-1851)

Heinrich Christoph Gottfried von Struve (1772-1851)

Auszeichnung 1843

Senatsbeschluss vom 3. Juli 1843, Verleihung am 10. August 1843.

Begründung von 1843

Anlässlich seines 50-jährigen Dienstjubiläums und für seine Bemühungen um die Förderung der Naturwissenschaften.

Hintergrund

Heinrich von Struve war ein handelspolitischer Diplomat in russischen Diensten und Mineraloge. Er war Geschäftsträger des russischen Kaiserreichs für die Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck und erster Präsident des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg.

Struve wurde als Sohn eines russischen Agenten und späteren Gesandten 1772 in Regensburg geboren. Nach dem Besuch des örtlichen Gymnasiums studierte er in Erlangen Staatswissenschaften. 1789 kam er nach Bonn, wo er sich mit dem Komponisten Ludwig van Beethoven anfreundete. 1793 begann er seine Karriere im Dienste der russischen Handelsdiplomatie. Ab 1796 war Struve zwei Jahre als Sekretär der russischen Gesandtschaft in Hamburg tätig. Von 1813 bis 1850 agierte er von der Stadt an der Elbe aus als Geschäftsträger Russlands für die Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck. In Hamburg trat er der Freimaurerloge „Absalom zu den drei Nesseln“ bei.

Neben seiner diplomatischen Arbeit betätigte sich Struve als leidenschaftlicher und sachkundiger Mineraliensammler. Über die Mineralogie verfasste er mehrere Fachbücher. Seine Sammlung wurde 1820 vom Naturwissenschaftlichen Verein in Bremen erworben, ihr Gros gehört heute zu den Beständen der Universität Bremen. Weitere Teile besitzt das Fersmann Museum in Moskau. In Hamburg gehörte Struve zu den Männern der ersten Stunde des 1837 von einflussreichen Persönlichkeiten gegründeten Naturwissenschaftlichen Vereins und wurde dessen erster Präsident. 1839 regte er ein naturwissenschaftliches Vereinsmuseum an, dessen naturkundliche Sammlungen sich durch Spenden und Schenkungen rasch vergrößerten. Wenige Jahre später zeichnete Struve mitverantwortlich für die Übergabe der Sammlungen an Hamburg, was 1843 zur Gründung des städtischen Naturhistorischen Museums am damaligen Schweinemarkt führte. Struve starb 1851 in seiner Wahlheimat Hamburg.

Struves Leidenschaft für die Mineralogie war weit mehr als ein Hobby. Er genoss bald eine überregionale Reputation auf diesem Gebiet. Der Chemiker Georg Ludwig Ulex benannte das Mineral Struvit nach Struve. Auch in Hamburg dachte man früh über eine Würdigung des handelspolitisch und naturwissenschaftlich engagierten Struve nach. Ab Herbst 1840 konkretisierten sich die Überlegungen. Als willkommener Anlass der Verleihung des Ehrenbürgerrechts diente dann das 50-jährige Dienstjubiläum Struves im Sommer 1843. Der von Struve mit begründete Naturwissenschaftliche Verein Hamburg erwarb sich in der Folgezeit zahlreiche Verdienste um die naturwissenschaftliche Forschung. Er ist heute als einer der ältesten derartigen Vereine in Deutschland an vielen Stellen aktiv.