Senatskanzlei

Auszeichnung 1871 Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke (1800-1891)

Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke (1800-1891)

Auszeichnung 1871

Senatsantrag vom 30. Januar 1871 (SVorl. 7), Bürgerschaftsbeschluss vom 1. Februar 1871, Übersendung des Ehrenbürgerbriefs am 21. Dezember 1871.

Begründung von 1871

Verdienste um die „Wiederherstellung des Friedens“ und die „Einheit des Vaterlandes“.

Hintergrund

Helmuth von Moltke war Offizier in der preußischen Armee. Als Generalfeldmarschall und Chef des Generalstabes hatte er wesentlichen Anteil an den Siegen in den deutschen Einigungskriegen und insofern am Zustandekommen des Deutschen Reiches, in das auch Hamburg integriert wurde.

Der 1800 in Parchim in Mecklenburg geborene Moltke genoss eine harte Ausbildung in der dänischen Kadettenakademie in Kopenhagen. 1822 trat er als Leutnant in preußische Dienste über, besuchte mehrere Jahre die Preußische Kriegsakademie und wurde 1828 in den Generalstab berufen. Dort war der Militärtheoretiker Carl von Clausewitz sein Mentor, auf dessen strategischen Überlegungen Moltke später seine Aufrüstungsmaßnahmen und Plädoyers für einen Primat des Militärischen gegenüber der Politik im Kriegsfall aufbaute.

Moltke galt früh als militärisches „Genie“. Von 1835 bis 1840 war er als militärischer Berater in der Türkei, danach leistete er als Major einige Jahre Stabs- und Adjutantendienste in Preußen. 1857 rückte er zum Chef des Generalstabs auf, dann schon im Range eines Generalmajors. Er prägte das Gremium, dem er bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden 1888 vorstand, durch eine grundlegende Neuorganisation. Dies steigerte den politischen Einfluss des nunmehr als militärisches Zentrum fungierenden Großen Generalstabs. Ab 1866 war es Moltke möglich, im Namen des preußischen Königs direkt und ohne Vermittlung des Kriegsministers Befehle zu erteilen.

Die Siege Preußens 1864 über Dänemark, 1866 über Österreich und 1870/71 über Frankreich gelten als „Werk“ des Militärstrategen Moltke. Gemeinsam mit Bismarck wird er als „Schmied“ der nationalstaatlichen Einheit Deutschlands betrachtet, wobei Moltkes Namen mit dem militärischen und Bismarcks mit dem politischen Part verbunden wird. Obwohl mit außergewöhnlichen politischen Rechten wie der direkten Vorsprache beim Kaiser ausgestattet, unterwarf sich Moltke in der Folgezeit nach konträren Diskussionen dem von Bismarck geforderten Primat des Politischen. Der 1871 zum Generalfeldmarschall beförderte Moltke warnte wiederholt vor einem möglichen neuen Krieg in Europa. Er war Fürsprecher einer umfassenden Kriegsvorbereitung unter Einbezug aller zur Verfügung stehenden technischen Mittel. Seine strategischen Überlegungen wurden zum Vorbild in der Führung moderner Massenheere. Vor allem plädierte er für den Präventivkrieg, sofern dieser militärisch geboten sei. Diese Positionen entwickelten Mitglieder des Generalstabs weiter, auf ihnen basierten zentrale Planungen und Strategien deutscher Militärs, die im Ersten Weltkrieg zum Tragen kamen. Moltke erscheint deshalb heute als ein „Wegbereiter des industrialisierten Volkskrieges“.

Parallel war Moltke seit 1867 für die Konservative Partei Mitglied des Norddeutschen bzw. Deutschen Reichstages, dessen Alterspräsident er 1881 wurde. Ab 1872 war er zugleich Mitglied des Preußischen Herrenhauses, das zusammen mit dem Abgeordnetenhaus die Legislative Preußens bildete. Moltke erhielt bereits zu Lebzeiten zahlreiche Ehrungen, unter anderem 1870 den erblichen Titel eines Grafen. Er starb 1891 in Berlin.

Wie in Berlin, Dresden, Bremen, Lübeck und einigen weiteren Städten wurde Moltke im Zuge der Reichseinigung 1871 auch in Hamburg gemeinsam mit Bismarck zum Ehrenbürger ernannt. Politische Dissonanzen, wie sie die Auszeichnung Bismarcks in der Hansestadt auslösten, gab es um die Ehrung Moltkes nicht. Sein militärstrategisches Erbe wird in der neueren Forschung allerdings sehr kritisch gesehen.