Auszeichnung 1889 Dr. phil. h.c. Johannes Brahms (1833-1897)

Ehrenbürger Johannes Brahms. Ehrenbürger Johannes Brahms, aufgenommen 1889.

Dr. phil. h.c. Johannes Brahms (1833-1897)

Auszeichnung 1889

Senatsantrag vom 26. April 1889 (SVorl. 62), Bürgerschaftsbeschluss vom 23. Mai 1889, Verleihung am 14. Juni 1889.

Begründung von 1889

Für „seine hervorragenden Werke, die seiner Vaterstadt Ehre und Ruhm bereiteten“, und „in Anerkennung seiner der Heimat vielfach bewiesenen Anhänglichkeit“

Hintergrund

Johannes Brahms war einer der bedeutendsten Komponisten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seiner Heimatstadt Hamburg blieb er zeitlebens emotional stark verbunden.

Brahms wurde 1833 im Hamburger Gängeviertel geboren. Sein Vater verdiente sich mit Musizieren den Lebensunterhalt, zunächst als Straßenmusiker und später als Kontrabassist am Städtischen Orchester Hamburg. Brahms erhielt mit sieben Jahren Klavierunterricht und machte früh durch sein außergewöhnliches Talent auf sich aufmerksam. Als Jugendlicher trug er zum Familienunterhalt bei, u.a. als Tanzmusiker und als Theaterpianist. Er veröffentlichte bereits damals unter Pseudonym Kompositionen für das Klavier wie die „Phantasien über einen beliebten Walzer“. 1853 lernte Brahms auf einer Konzertreise in die niedersächsische Provinz den Geigenvirtuosen Joseph Joachim kennen, mit dem er sich anfreundete und der ihn in Kontakt mit dem Komponisten Robert Schumann und dessen Frau Clara in Düsseldorf brachte. Schumann setzte sich sehr für Brahms ein, der Zwanzigjährige wurde sozusagen über Nacht in Deutschland bekannt. In Düsseldorf, wo Brahms eine Zeitlang im Haus der Schumanns wohnte, entstanden frühe Werke. Robert Schumann starb 1854. Brahms hielt weiterhin Kontakt zu dessen Witwe, in die er sich verliebt hatte. Sie siedelte allerdings wenig später nach Berlin über. Brahms zog 1857 nach Detmold. Dort leitete er einen Chor und gab Klavierunterricht.

Ab 1859 lebte Brahms wieder in Hamburg, wo er seine kompositorischen und Karrierepläne vorantrieb. In dieser Zeit bezog er auch Position im damals eskalierenden Musikerstreit für die Traditionalisten und gegen die Anhänger der von Franz Liszt gegründeten „Neudeutschen Musik“. Brahms spekulierte auf die Leitung der Hamburger Philharmonischen Konzerte, die aber Julius Stockhausen bekam. 1862 reiste Brahms enttäuscht nach Wien, wo er ein Jahr später die Leitung der Wiener Singakademie übernahm. Diese gab er zwar bald wieder auf, da ihm die damit verbundenen Verwaltungsaufgaben nicht zusagten, aber er schaffte in der Folgezeit den Durchbruch. Die Uraufführung des „Deutschen Requiems“ im Bremer Dom 1868 wurde enthusiastisch gefeiert. Die „Ungarischen Tänze“ und weitere Werke begründeten seinen Weltruhm. 1871 siedelt Brahms endgültig nach Wien über, wo er zurückgezogen lebte und als freischaffender Künstler weitere Kompositionen wie seine Erste Sinfonie begann, die er 1876 auf der Insel Rügen vollendete. Spätestens damit trat er aus dem großen Schatten seines „Vorgängers“ Ludwig van Beethoven heraus. Brahms starb 1897 in Wien.

Mitte der 1870er Jahre trat Brahms in den Zenit seines Ruhms. Er war jetzt eine führende Persönlichkeit der internationalen Musikszene. Ihm wurden in der Folgezeit zahlreiche Ehrungen im In- und Ausland zuteil, darunter die Ehrendoktorwürde der Universität Breslau 1879. Einige Jahre später erinnerten sich auch Hamburger an ihren „großen Sohn“ und verliehen ihm das Ehrenbürgerrecht. Allerdings bedurfte es der Überzeugungsarbeit einiger einflussreicher Fürsprecher, um den Senat zu diesem Schritt zu bewegen. Danach zeigte die Hansestadt stets Stolz, mit Brahms erstmals einen großen Künstler unter ihren Ehrenbürgern zu haben. Posthum erfuhr er auch in seiner Heimatstadt noch weitere Ehrungen.

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