Vogelhotels in bester Uferlage

Nisthilfen eröffnen dem Eisvogel neue Lebensräume entlang von Wandse und Alster

Vogelhotels in bester Uferlage

Die Störungen der Tier- und Pflanzenwelt durch die Verlegung der Fernwärmeleitung vom Ortsteil Hohenhorst in Rahlstedt zum Fuchsbergredder in Billstedt sollen über Ausgleichsmittel der E.ON Hanse Wärme GmbH durch verschiedene Naturschutzmaßnahmen kompensiert werden.

Eine dieser Maßnahmen ist die Bereitstellung von Nistkästen für Eisvögel. Die schillernd bunten Vögel leben an langsam fließenden oder auch stehenden Gewässern, sofern es dort genügend Kleinfische und Insekten gibt. Außerdem brauchen die Vögel geschützte, überhängende Äste, von denen sie das Geschehen im Wasser beobachten können. An Wandse und Alster finden sie beides, so dass an ihren Oberläufen bereits Eisvögel  leben: Hier jagen, baden und werben sie um ihre Partner. Ob sie allerdings auch brüten, hängt davon ab, ob es im näheren Umkreis Steilwände gibt.

Eisvogel Der Eisvogel (Alcedo atthis L.) ist der einzige europäische Vertreter seiner Gattung in Mitteleuropa. In den Tropen Afrikas und Amerikas kommen bis zu 90 Arten vor.

In Steilwände, zum Beispiel an Ufern, Abgrabungskanten oder auch Hohlwegen picken und graben sich Eisvögel 50 – 90 cm lange Röhren. Sie sind der Zugang zu den so genannten „Nestkesseln“, in denen die Eier abgelegt und bebrütet werden. Später sind die Kessel dann für circa drei bis vier Wochen das Zuhause von meist sechs bis sieben Nestlingen. Oft werden die Brutkessel sogar für eine zweite, manchmal auch eine dritte Brut genutzt.

Im Stadtrandbereich Hamburgs gibt es noch natürliche Steilwände, die für den Eisvogel als Brutplatz nutzbar sind. Je weiter sich allerdings Wandse und Alster in die Innenstadt schlängeln, desto weniger natürliche Steilwände finden sich in der Umgebung. Die meisten Ufer sind befestigt und die natürlichen Abschnitte oft so niedrig, dass der Fuchs leichte Beute an den Vogeljungen machen könnte. Die künstlichen Nisthilfen sollen diesem Mangel an natürlichen Brutplätzen nun abhelfen: Sie imitieren die fehlenden Steilwände und liefern die Brutröhren gleich mit.

 

Brutcontainer für Eisvögel Brutcontainer mit zwei Brutkesseln. Eisvögel können bei guter Nahrungslage „Schachtelbruten“ anlegen. Dabei werden bereits neue Eier gelegt und vom Weibchen bebrütet, während die Jungen der vorherigen Brut noch vom Männchen gefüttert werden.

Die grauen Brutcontainer wirken zunächst etwas massiv, in der Vegetation fallen sie dank ihrer  Außengestaltung aber kaum auf.  Sie sind Ergebnis langjähriger Beobachtungen des Brutverhaltens der Eisvögel durch die Firma „Eisvogel – Naturprojekte“ und tragen den speziellen Ansprüchen der Vögel Rechnung. So wurde durch Vermessung verlassener, von Eisvögeln selbst gegrabener Brutkessel eine optimale Vorlage für die künstlich geformten, mit speziellem Lehm ausgekleideten Brutkessel geschaffen. Ein Lüftungssystem verhindert Feuchtigkeitsstau und durch die Röhren zum Brutkesseln können Kot und Speisereste optimal ablaufen. Dem Vergleich zu selbst gebauten Nisthilfen halten sie in jedem Fall Stand, sie sind außerdem haltbarer und pflegeleichter.

Eisvogel Eisvögel können eine Geschwindigkeit von bis zu 70 Stundenkilometer erreichen

Insgesamt fünf Container ließ die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt  in Zusammenarbeit mit dem Bezirk Wandsbek an Wandse und Alster errichten. Vermutlich werden in diesem Jahr keine Eisvögel mehr dort brüten, aber als Schlafplatz werden die Nisthilfen auch außerhalb der Brutzeit genutzt.

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