Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Förderprogramme & mehr Ausblick auf das Bauen im Jahr 2022

Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Interview mit Peter-M. Friemert, ZEBAU GmbH und Kristian Hentzschel, IFB Hamburg

B_Foerderung_Geld

Interview zu Förderprogrammen & mehr: Ausblick auf das Bauen im Jahr 2022

Seit der Gründung der Hamburger Energielotsen im Jahr 2019 haben sich das Ordnungsrecht und die Förderlandschaft auf Länder- und Bundesebene im Hinblick auf das energieeffiziente Bauen immer wieder verändert. Auch das neue Jahr bringt eine ganze Reihe von Änderungen mit sich, die sich erheblich auf das Bauen in Hamburg und Deutschland auswirken.

Die Hamburger Energielotsen haben deshalb Peter-M. Friemert, Koordinator der Hamburger Energielotsen und Geschäftsführer der ZEBAU GmbH und Kristian Hentzschel, Leiter Energie & Qualität bei der IFB Hamburg, gefragt, womit Hamburger Hauseigentümer:innen im Jahr 2022 rechnen müssen.

 

Redaktion: Das neue Jahr beginnt ja sehr rasant: Ende Januar läuft die Neubauförderung des Bundes für das „Effizienzhaus 55“ aus. Was steckt hinter dem Ende des Förderprogramms?

Friemert: Die neue Bundesregierung beabsichtigt, im Zuge der verstärkten Klimaschutzanstrengungen die Neubaustandards in nächster Zeit anzuheben. Da kann man die Einstellung der bisherigen Neubauförderung für das Effizienzhaus 55 als Vorboten sehen. Die jedoch so kurzfristige Einstellung hat uns alle überrascht und kam für Bauwillige unerwartet.

 

Redaktion: Und was bedeutet dies nun für Privatpersonen, die einen Neubau planen?

Hentzschel: Wer künftig Förderung für einen Neubau in Anspruch nehmen möchte, der wird ein Effizienzhaus 40 bauen müssen, erhält im Gegenzug aber auch einen Zuschuss bzw. Tilgungszuschuss in Höhe von derzeit 20%. Aus eigener Erfahrung eine gute Sache, wenngleich immer noch nicht ganz CO2-neutral. Zudem kann auch hier die IFB ggf. mit weiteren Zuschüssen für Geothermie oder Dachbegrünung unterstützen.

 

Redaktion: Wie ist denn die seit 01.07.2021 in Hamburg eingeführte Nutzungspflicht von erneuerbaren Energien beim Heizungsaustausch angekommen?

Friemert: Diese sinnvolle Maßnahme war ja seit Einführung des Hamburgischen Klimaschutzgesetzes Ende Februar 2020 bekannt und traf die Hauseigentümer:innen nicht unvorbereitet. Auch deswegen sind die Beratungsanfragen bei den Hamburger Energielotsen enorm angestiegen.

Hentzschel: Das Interesse an Solarthermieanlagen war auch vorher schon gut, hat aber nochmal deutlich zugenommen. Aber auch die Nachfrage nach Wärmepumpen ist sprunghaft angestiegen. Immerhin können Hauseigentümer:innen durch die Kombination von Bundes- und Landesfördermitteln mit Zuschüssen von mehr als 50% rechnen, weshalb die Mehrkosten in den meisten Fällen durch die Fördermittel gedeckt sind. Durch die Fördermittel der IFB Hamburg und der KfW bzw. BAFA, wird man mit den Kosten der Umrüstung nicht alleine gelassen. 

 

Redaktion: Welchen Rat geben Sie Bauherrinnen und -herren sowie Immobilienbesitzerinnen und -besitzern mit Blick auf die sich in 2022 verändernde Gesetzeslage?

Friemert: Was die neue Bundesregierung noch in 2022 verabschieden wird, bleibt abzuwarten. Wir rechnen mit einer Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) als nationale Rahmengesetzgebung und einer zeitnahen Verpflichtung zur solaren Nutzung von Dächern. Aber dieses Bundesgesetz würde dann die schon ab 01.01.2023 für Neubauten in Hamburg geltende Verpflichtung zum Vorhalten einer Anlage zur Stromerzeugung durch Nutzung einer solaren Strahlungsanlage (§ 16 HmbKliSchG) unterstützen. Die Solardachpflicht kommt auch in anderen Bundesländern und ist unausweichlicher Bestandteil der Energiewende. Nach dem Willen der Ampelkoalition soll der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) als Beratungsinstrument bundesweit kostenfrei gestellt werden. Das würde allen für eine Beratung helfen...

Hentzschel: Außerdem wird zum 31.12.2021 der Hamburger Energiepass zu Gunsten des iSFP eingestellt. Das vereinfacht die Beantragung von Fördermitteln.

 

Redaktion: Werden denn die gesetzlichen Veränderungen nicht teuer für den Einzelnen? Gibt es dann noch Förderungen dafür?

Hentzschel: Zunächst gibt es in Ausnahmefällen auch noch die Möglichkeit von Befreiungen bzw. Kompensationsmöglichkeiten. Grundsätzlich brauchen wir aber dringend eine höhere Sanierungsquote, welche auch angesichts der gestiegenen Kosten ohne Förderanreize und freiwillige Maßnahmen kaum zu erreichen ist. Daneben würden die Klimafolgenkosten viel schwerer ins Gewicht fallen als die Investitionen heute. Modernisieren lohnt sich also!

 

Redaktion: Was sollten denn Hamburger Bauherrinnen und -herren aber auch Immobilienbesitzerinnen und -besitzer in 2022 tun, wenn Modernisierungen anstehen?

Friemert: Die Hamburger Energielotsen informieren stets zu den anstehenden Gesetzesveränderungen und Förderprogrammen und verbinden das mit der kundengerechten Energieberatung. Das kostenfreie Angebot bleibt bestehen und sollten alle nutzen, die Modernisierungen an ihrem Haus vorhaben. 

Hentzschel: Bau- und Modernisierungswillige werden auch in Zukunft nicht mit den Investitionen alleine gelassen. Um die Energiewende zu schaffen, brauchen wir Kontinuität in der Fördermittellandschaft. Die Bundesförderung hat sich bereits neu geordnet und die Weichen gestellt. Hamburg wird auch weiterhin mit seinen landeseigenen und vielseitigen Förderprogrammen Klimaschutzmaßnahmen flankieren und die Bauherrinnen und -herren bei ihren Vorhaben unterstützen.    

 

Redaktion: Vielen Dank für Ihre Hinweise und Tipps!

Beratung

Themenübersicht auf hamburg.de