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FAQ Fragen zur Fernwärme

Fragen zur Fernwärme

Fragen zur Fernwärme

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Was ist Fernwärme?

Unter Fernwärme ist die zentrale Versorgung von Gebäuden und Wohnquartieren mit Energie für Raumwärme (Heizung) und Warmwasser zu verstehen. Die Wärme wird vor allem in zentralen Erzeugungsanlagen erzeugt und als heißes Wasser über ein zumeist unterirdisches Rohrleitungssystem zu den Verbrauchern transportiert.

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Wer bietet Fernwärme in Hamburg an?

Größter Versorger ist bisher die Vattenfall Wärme Hamburg GmbH (VWH). Über das VWH-Wärmenetz wird etwa 80 Prozent der Fernwärme(Energie) in Hamburg verteilt. Der Rest entfällt auf andere Energieversorger wie zum Beispiel Hansewerk Natur GmbH, Innogy SE  (ehemals RWE), enercity AG  oder den städtischen Energieversorger Hamburg Energie.

Hamburger Fernwärme

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Wie wird die Fernwärme bisher für Hamburg erzeugt?

Die Wärmeerzeugung  für das Vattenfall-Netz wird von Steinkohle dominiert. Rund zwei Drittel der Wärme wird aus dem klimaschädlichen Brennstoff gewonnen. Erneuerbare Energien, in diesem Falle biogener Müll und Altholz, tragen zu rund 14 Prozent zu Wärmeerzeugung bei. Ähnlich hoch ist der Beitrag des nicht biogenen Mülls. Die Lücke schließt Erdgas. Der hohe Steinkohleanteil führt dazu, dass die Vattenfall-Fernwärme jährlich 1,0 bis 1,2 Millionen Tonnen CO2-Emissionen verursacht (die Emissionen schwanken von Jahr zu Jahr). Das sind rund sechs bis sieben Prozent aller CO2-Emissionen, die in Hamburg  verursacht werden.

Die Wärmeerzeugung der restlichen Hamburger Wärmenetze wird im Gegensatz dazu eher von Erdgas dominiert, hat aber ähnlich hohe Anteile an Erneuerbaren Energien. Steinkohle spielt dort keine Rolle.

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Bis wann soll das Kraftwerk Wedel vom Netz?

Die bisherigen Planungen sehen vor, dass Heizkraftwerk in Wedel nach der Heizperiode 2021/2022 vom Netz zu nehmen.

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Wie soll das Kraftwerk Wedel ersetzt werden?

Vereinfacht gesagt: durch Wärme, die bisher zu einem großen Teil überhaupt noch gar nicht oder nicht effizient genutzt wird – insbesondere aus dem industriellen Umfeld des Hafens. So fällt in Hamburgs Industriebetriebe wie die Metallhütten Abwärme an, die normalerweise herunterkühlt werden muss. Auch das geklärte Wasser der Kläranlage enthält große Mengen Wärmeenergie, die künftig mit Wärmepumpen genutzt werden soll. Der größte Teil der Wärme soll aus effizienterer Nutzung der bestehenden Hamburger Müllverbrennungsanlagen und dem neuen Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) der Stadtreinigung stammen. Um überschüssige Wärme im Sommer für den Winter vorzuhalten, wird Hamburg in der Tiefe unter dem Klärwerk der Dradenau einen Aquiferspeicher für heißes Wasser bauen. Weil die meisten dieser Wärmequellen und -speicher südlich der Elbe liegen werden, heißt diese Lösung Süd-Variante. Für den Anschluss der neuen Wärmequellen muss eine Wärmeleitung unter der Elbe gebaut werden.

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Was ist die Süd-Variante?

Der Großteil der klimafreundlichen Wärme, die künftig die Kohle im Fernwärme-Mix ersetzen soll, wird an Standorten erzeugt werden, die südlich der Elbe ansässig sind.

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Wie verändert sich die CO2-Bilanz?

Durch Umsetzung der Süd-Variante, also der Einbindung industrieller Abwärme, der Wärmepumpe am Klärwerk, des Aquiferspeichers, der Müllverbrennung und des neuen Zentrums für Ressourcen und Energie (ZRE) kann vollständig auf das Kohlekraftwerk Wedel verzichtet werden. Die CO2-Emissionen der Fernwärme reduzieren sich durch die Süd-Variante um rd. 350.000 t.

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Wieso ist die Fernwärme so wichtig für den Klimaschutz?

Die Wärmeerzeugung (für Raumwärme, Warmwasser und Prozesswärme) macht mit 45 Prozent einen großen Teil der Energie aus, die Hamburg verbraucht. Weil fossile Energien immer noch die Wärmeversorgung dominieren, ist hier das Einsparpotenzial unter Klimaschutzgesichtspunkten besonders hoch.

Klimaschutz im Wärmesektor muss sowohl bei der Erzeugung als auch beim Verbrauch stattfinden, sei es durch Energieeinsparung im Rahmen der Gebäudemodernisierung oder durch klimafreundliche Heizungsanlagen. Bei einer Fernwärmeversorgung kann durch die Veränderung einer einzelnen Wärmeerzeugungsanlage (wie Wedel) ein großer Klimaschutzeffekt für alle Verbraucher erzielt werden. Das heißt: Einsparungen bei der Erzeugung sind dabei deutlich effizienter, schneller und günstiger zu realisieren als Einsparungen beim Verbrauch durch zum Beispiel Wärmedämmung der Gebäude.

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Warum ist das Kohlekraftwerk in Moorburg kein guter Ersatz?

Zwar ist das HKW Moorburg im Vergleich zum HKW in Wedel effizienter, trotzdem ist eine Einbindung Moorburgs in die Fernwärme als  Ersatz Wedels und oder auch nur als Teil der Süd-Variante keine Option. Mehrere Gründe sprechen eindeutig dagegen:

  • Der Ersatz des HKW Wedel ist ohne Wärme aus Moorburg möglich. Durch die Umsetzung der Süd-Variante wäre Hamburg ein Vorreiter der Wärmewende in Deutschland.
  • Die Auskopplung von Wärme aus dem HKW Moorburg führt zu einem zusätzlichen Einsatz von Kohle.
  • Kohle würde durch die Einbindung Moorburg möglicherweise auf Jahrzehnte in der Fernwärme der Stadt zementiert und dass, wo ab 2025 die Chance bestünde auch im anderen Kohlekraftwerk Tiefstack auf Kohle zu verzichten.
  • Die Preisentwicklung für fossile Brennstoffe und CO2 ist nicht vorhersehbar und stellt somit ein wirtschaftliches Risiko dar. Die zu Beginn günstige Kohlewärme könnte sich am Ende negativ auf die Wärmepreise auswirken. Wärme aus Erneuerbaren Energien hingegen ist unabhängig von der Entwicklung fossiler Energiepreise und damit preisstabil.
  • Kohle für die Kraftwerke in Deutschland stammt teils aus Staaten, in denen nur geringe Sozial- und Umweltstandards gelten. Ein zusätzlicher Kohleeinsatz zur Wärmeerzeugung ist somit im Sinne der Nachhaltigkeit nicht vertretbar.
  • Es besteht die Möglichkeit, dass eine Einbindung Mooburgs in die Fernwärme dem Kohlekraftwerk zusätzliche Einsatzstunden für die Stromproduktion verschaffen könnte, die auf Kosten der erneuerbaren Stromerzeugung gehen würden („Einspeisevorrang von KWK-Strom“).

Zusammengefasst: Die Energiegewinnung aus fossilen Energien, insbesondere Kohle, gehört der Vergangenheit an. Wir sind in der Lage, ein Kohlekraftwerk zu ersetzen, ohne neue Kohle einzusetzen, und können so Versorgungssicherheit und Preisstabilität für die Hamburger Bürgerinnen und Bürger schaffen. Hamburg nimmt damit eine Vorreiterrolle in Deutschland ein.

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Wird die Fernwärme auf Basis erneuerbarer Energien für Verbraucher teurer?

Das muss nicht sein. Mögliche Preissteigerungen werden sich im Rahmen der in der Vergangenheit üblichen Größenordnungen bewegen. Damit wird die Wärme für die Verbraucher im Vergleich zur kohlebasierten Fernwärme nicht zwingend teurer. Der Vorteil für die Verbraucher ist vor allem die Preisstabilität einer auf erneuerbaren Energien basierten Fernwärme. Die Wärmepreise werden weniger von der Entwicklung der fossilen Brennstoffe oder der Entwicklung von CO2-Preisen abhängen sondern hauptsächlich von der Höhe der Investitionen in die Anlagen und Wärmeleitungen. Hamburgs Mieter profitieren außerdem durch die Umstellung der Fernwärme auf saubere Quellen, da andernfalls die Sanierungsverpflichtungen im Wohnungsbestand zu steigenden Mietkosten führen dürften.

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Warum will der Senat das Fernwärmenetz übernehmen?

Diese Entscheidung haben die Hamburgerinnen und Hamburger selbst mit dem Volksentscheid über die Energienetze getroffen. Das ist ein verbindlicher Auftrag des Volkes in seiner Eigenschaft als Gesetzgeber. Daraus folgt: Wenn nicht sehr gewichtige Gründe dagegen sprechen, muss die Stadt auch kaufen. Als Eigentümerin kann die Stadt die Entwicklung der Fernwärmeversorgung steuern im Sinne der Verbraucher, der Versorgungssicherheit, des Klimaschutzes und der Energiewende. Darüber hinaus ist eine Fernwärmegesellschaft im städtischen Besitz der beste Schutz vor überhöhten Preisen, denn öffentliche Unternehmen sind nicht an Gewinnmaximierung orientiert. Außerdem sind Synergien mit den anderen öffentlichen Unternehmen zu erwarten. Schließlich kann die Stadt auf günstige Finanzierungskosten zugreifen, was sich ebenfalls positiv auf die Verbraucherpreise auswirkt.

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Welche Auswirkungen hat die Umstellung auf den Wirtschaftsstandort Hamburg?

Positive. So können die Unternehmen, die Wärme liefern, zusätzliche Einnahmen erzielen. Das betrifft auch und gerade die öffentlichen Unternehmen wie Hamburg Wasser, Hamburg Energie und die Stadtreinigung, die von einem neuen Geschäftsfeld profitieren. Das Beispiel der Stromnetz Hamburg GmbH zeigt, dass die Überführung der Infrastruktur in die öffentliche Hand nicht nur energiepolitisch sinnvoll sondern auch wirtschaftlich ein Erfolg ist. Für das Geschäftsjahr 2017 kann die Stadt mit einer Gewinnabführung von 21,6 Millionen Euro rechnen – mehr als dem jährlichen Finanzaufwand für Netzerwerb und Investitionen entspricht. Auch die Kosten für die Verbraucher halten sich trotz hoher Investitionen in Grenzen. Die Netzentgelte liegen unterhalb des bundesdeutschen Durchschnitts. Als kommunales Unternehmen sorgt Stromnetz Hamburg auch für starke wirtschaftliche Impulse in der Stadt, wie eine regionalwirtschaftliche Studie jüngst gezeigt hat.

https://www.stromnetz.hamburg/gute-finanzzahlen-beim-staedtischen-netzbetreiber/

Die Rekommunalisierung der Fernwärmeversorgung wird vergleichbare Effekte haben.