Wedelersatz Fernwärme wird klimafreundlich

Hamburg wird Vorreiter bei der Wärmewende und macht den Kohleausstieg konkret. Die Haushalte der Stadt werden mit sauber und sicher erzeugter Fernwärme beheizt. Gleichzeitig mit dem Rückkauf der Wärmegesellschaft bringt die Stadt ein innovatives Konzept zur Wärmeerzeugung auf den Weg. Das Kohlekraftwerk in Wedel wird abgeschaltet. Statt Kohle kommt ein Mix aus verschiedenen klimafreundlicheren Quellen zum Einsatz. Neben Erdgas sind das vor allem Abwärme aus der Industrie und der Müllverbrennung. Damit setzt Hamburg auch technologisch ein Ausrufezeichen.

Wedelersatz Wärmewende in Hamburg. Die Stadt ersetzt das Kohlekraftwerk in Wedel durch einen innovativen Wärme-Mix

Fernwärme wird klimafreundlich

Die Tage der Kohle sind gezählt. Hamburg will seine Fernwärme ganz ohne den klimaschädlichen Energieträger erzeugen. Um zunächst das alte Steinkohlekraftwerk in Wedel zu ersetzen, steht ein breiter Mix aus sauberen Technologien bereit.

Wärme aus dem Hafen

Mit dem Rückkauf des Fernwärmenetzes kann die Stadt ihre Wärmeversorgung nun weitgehend selbst gestalten. Die wichtigsten Energiequellen liegen im Hafengebiet südlich der Elbe. Mit einer Leitung unter der Elbe werden diese Quellen im Westen ans Fernwärmenetz angeschlossen. Im Hafen produzieren Betriebe der Schwerindustrie große Mengen an Abwärme, die bisher nicht genutzt werden. Diese Wärme entsteht dort, wo viel Energie eingesetzt und hohe Temperaturen erzeugt werden müssen wie bei der Metallschmelze. Mit dem neuen Fernwärmekonzept müssen Hamburgs Aluminium-, Kupfer- und Stahlhütten diese Wärme künftig nicht mehr vollständig in die Elbe leiten, sondern können sie teilweise für die Wärmeversorgung nutzen und so ihre CO2-Bilanz erheblich verbessern. Das wird Hamburg auch bei den Klimazielen aus dem Pariser Abkommen helfen.

Energiequelle Müll

Schon heute heizt auch der Müll Hamburgs Fernwärmekunden ein. Zukünftig soll auch die Müllverbrennungsanlage am Rugenberger Damm neben der Köhlbrandbrücke zur Wärmeversorgung der Stadt beitragen. Außerdem baut die Stadtreinigung in Stellingen ein hochmodernes Zentrum zur Abfallverwertung, das künftig mehr Abfall recycelt und aus den Resten noch mehr Energie herausholt. Der Beitrag der Müllenergie für die Fernwärme steigt.

Heißwasser vom Klärwerk

Auf der Dradenau, am Köhlbrand, arbeitet eines der größten Klärwerke Deutschlands. Wenn das geklärte Abwasser das Klärwerk verlässt, hat es eine Temperatur von rund 14 Grad. Es liegt nahe, diese Energiequelle, die gleichmäßig das ganze Jahr über zur Verfügung steht, für die Wärmeversorgung zu nutzen. Das passiert jetzt: Große Wärmepumpen werden künftig dem Wasser die Energie entziehen  und die Temperatur zugleich um ein Vielfaches anheben. Den Strom für die Wärmepumpen soll ein neues, mit Erdgas betriebenes Heizkraftwerk liefern.

Effizientes Heizkraftwerk

Das Heizkraftwerk wird dank neuester Technologie besonders effizient und klimafreundlich sein. Es kann bei Bedarf das heiße Wasser der anderen Quellen weiter aufheizen. Das stellt sicher, dass in Spitzenlastzeiten, also an besonders kalten Wintertagen, Hamburgs Wohnungen mollig warm bleiben.

Speicher in warmer Erde

Für das neue Fernwärmesystem werden Wärmespeicher benötigt. Ein sogenannter Aquiferspeicher könnte mehrere hundert Meter tief unter dem Hamburger Hafen liegen. In klein gibt es so einen Speicher unter dem Reichstagsgebäude in Berlin, in der Größenordnung, die Hamburg plant, ist es eine Weltpremiere. Wie funktioniert das genau? In salzhaltigem, also für die Trinkwassergesinnung nicht geeignetem Grundwasser, wird künftig Wärme gespeichert, die im Sommer nicht gebraucht wird. Denn Industrie, Müllverbrennung und Klärwerk arbeiten zu jeder Jahreszeit. Damit diese Energie etwa im Sommer nicht einfach verpufft, wird sie in Form von heißem Wasser in den Speicher gepumpt und in der kalten Jahreszeit wieder entnommen. In der Tiefe herrschen konstante Temperaturen. Die Wärme des heißen Wasser bleibt erhalten, der Energieverlust ist gering.

Innovativ und bezahlbar

Der neue Fernwärme-Mix Hamburgs ist deutschlandweit einzigartig. Hamburg setzt mit der Kombination der Energieträger technologisch ein Ausrufezeichen. Das Konzept ist ein großer Schritt für den Kohleausstieg bei der Fernwärme und für den Klimaschutz in Hamburg. Die Wärmeversorgung wird damit unabhängiger von den Preisschwankungen fossiler Brennstoffe. Das Konzept sichert so eine wirtschaftliche Versorgung und sorgt für eine bezahlbare Heizungsrechnung.

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