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Diskussion Akzeptanz und Widerspruch

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Die Artikel  dieser Website beschreiben die zahlreichen, komplexen Aspekte, die es bei diesem Projekt zu beachten gilt. Besonders die Nachhaltigkeit – und damit die (möglichen) Auswirkungen in jeglicher Hinsicht – auch soweit dies für die Zukunft abschätzbar ist – werden besonders untersucht. Hierzu sagte Umweltstaatsrat Michael Pollmann: „Die Bedingung dafür  (für ein Zustandekommen des Exports) ist, dass über die gesamte Lieferkette die soziale und ökologische Bilanz stimmt. So viel Wertschöpfung wie möglich soll in Namibia verbleiben und so viele Menschen wie möglich sollen vor Ort davon profitieren.“ Unter dieser Prämisse wird das gesamte Projekt von vielen Experten ergebnisoffen geprüft.

Biomasse-Tag 2019 in Otjiwarongo, Namibia

Akzeptanz und Widerspruch

Namibia

Da das Land seit Jahrzehnten massiv und zunehmend unter der Verbuschung von produktiver Savanne leidet, werden die unterschiedlichsten Gegenmaßnahmen unterstützt. Eine nachhaltige Ausdünnung von verbuschtem Weideland ist mit hoher lokaler Wertschöpfung durch Produkte, sowohl für den lokalen wie auch internationalen Markt, verbunden. Sie wird daher von der Regierung und den führenden Umweltorganisationen, Verbänden und Farmern befürwortet.

Die Regierung trifft z.B. durch Richtlinien und Vorgaben Vorsorge für ein nachhaltiges Bewirtschaften der Ressource Land (National Policy and Strategy for Sustainable Rangeland Management). Richtlinien für die Buschkontrolle sind integraler Bestandteil dieser Landwirtschaftsstrategie. Mögliche Risiken der selektiven Buschernte werden umfassend durch die beteiligten Akteure unter Einbeziehung von Entscheidungsträgern, Experten und der Zivilgesellschaft thematisiert.

Die nachhaltige Buschkontrolle ist wichtiger Bestandteil des National Development Plan für 2017-2022 (NDP5) von Namibia.

Namibias Klimapolitik wird durch den INDC (Intended Nationally Determined Contributions 2015, Paris) ausgedrückt. Darin ist als Beitrag Namibias zum internationalen Klimaschutz u.a. die Restaurierung von 15 Millionen Hektar Grasland vorgesehen.

Das Politikfeld Buschkontrolle fällt in den Zuständigkeitsbereich des namibischen Ministry for Agriculture, Water and Land Reform, das durch den National Director Forestry in der Arbeitsgruppe 1 des BUKEA-Projekts vertreten ist.

Die namibische Botschaft in Berlin unterstützt das Projekt tatkräftig. Neben einem Brief an Hamburgs Ersten Bürgermeister, Peter Tschentscher, hat der Botschafter selbst sich schon zweimal mit Staatsrätin Möller (Senatskanzlei) getroffen und das Thema in den Mittelpunkt gestellt. Die Botschaft nimmt ebenfalls an den Konferenzen der Arbeitsgruppe 1 teil.

Der namibische Biomasseverband N-BIG ist einer der Initiatoren der Partnerschaft, war Mitglied der Delegation, die Hamburg 2019 besuchte und beteiligt sich in allen drei Arbeitsgruppen. Im Verlauf des deutschen Holzenergie-Kongresses wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen N-BIG und dem deutschen Bundesverband Bioenenergie e. V. (BBE) geschlossen.

Neben vielen anderen Stakeholdern ist N-BIG u.a. auch an der Website https://www.dasnamibia.org/ beteiligt, die  eine nationale Informationsplattform und Anlaufstelle für Fragen, die sich unter anderem auf die Verbuschung, das Ausdünnen des Busches und die Wertschöpfung des Busches beziehen.

Der staatliche namibische Stromversorger NamPower plant derzeit ein 40 MW Biomassekraftwerk in dem Buschholzhäcksel zur Stromerzeugung genutzt werden sollen. Diese ist bezogen auf die reinen  Erzeugungskosten teurer als die ebenfalls geplanten Wind- und Photovoltaikanlagen, jedoch für die Grundlast vorteilhaft/notwendig. NamPower hatte auch eine Studie beauftragt, die außerdem hohe mikro- und makroökonomische Vorteile einer solchen Biomasseanlage herausstellt. Zwei Mitarbeiter von NamPower nahmen als Experten an der Oktober-Konferenz der AG 1 teil, erläuterten die Pläne von NamPower und betonten, dass in Namibia sehr wahrscheinlich höchstens 1 – 2 weitere Biomassekraftwerke dieser Größenordnung in Zukunft zu erwarten sind, da mittels Solarenergie und Wind wirtschaftlichere Stromerzeugungsmöglichkeiten vorhanden sind. Insofern sehen sie auch keine Konkurrenz durch einen zukünftig avisierten Biomasseexport.

Die Namibian Chamber of Environment  (NCE) ist ein Dachverband, der laut eigener Website ein Forum und ein Sprachrohr für den breiteren Umweltsektor bietet. In einer eigenen Stellungnahme begrüßt dieser den ergebnisoffenen Prüfprozess und stellt fest, dass eine Biomassenpartnerschaft ökologischen Nutzen für das Weideland in Namibia haben kann, Arbeitsplätze schaffen, neue Wertschöpfungsketten entstehen lassen und ein Mittel gegen den Klimawandel darstellen kann.

Die Nichtregierungsorganisation Namibia Nature Foundation (NNF) unterstützt die Partnerschaft ebenfalls und der Vorsitzende war auch als Teil der namibischen Delegation 2019 und im Januar 2020 in Deutschland. Die NNF hat in einer Pressemitteilung vom Febr. 2021 - als Erwiderung auf den unten genannten offenen Brief von Robin Wood - die Verhältnisse und Meinungen in Namibia zum Thema der Verbuschung detailliert dargestellt. Mitglieder von NNF sind auch regelmäßige Teilnehmer in der AG 1.

Bisher hat sich aus Namibia die NGO „Earthlife Namibia“ durch ihre Unterschrift unter das Statement des Hamburger Energietisch (siehe weiter unten) gegen die Partnerschaft ausgesprochen.

…in Deutschland / Hamburg

Offen diskutiert wurde von Anfang an, dass ein solches Projekt weitreichende Einflüsse in die Ökologie, Ökonomie und Politik haben könnte und  dass es deshalb viele kritische Punkte zu beachten gilt. Die Zustimmung der Stadt Hamburg bzw. des städtischen Unternehmens Wärme Hamburg GmbH sollte deswegen davon abhängen, dass eine Zusammenarbeit in jeglicher Hinsicht nachhaltig ist - sei es ökologisch, sozio-ökonomisch oder staatspolitisch. Unter diesen Voraussetzungen wurde das Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet und die ausdrücklich ergebnisoffenen Diskussionen in drei Arbeitsgruppen von der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft eingeleitet.

Die Bundesregierung Deutschland unterstützt über einen Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung seit 2014 Namibia bei seinen Anstrengungen gegen die Verbuschung. Im aktuellen Auftrag (2018 – 2021) an die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) soll in Kooperation mit dem namibischen Ministerium für Umwelt, Forst und Tourismus (MEFT) eine verbesserte Nutzung von Busch-Biomasse aus kontrollierter Buschernte vorangetrieben werden. Dabei sollen auch internationale Märkte berücksichtigt werden.

Wärme Hamburg GmbH ist im Projekt beteiligt um zu prüfen, ob Buschbiomasse aus Namibia eine alternative Energiequelle zur Wärmebereitstellung für das Fernwärmenetz als Ersatz für die Kohleverbrennung darstellen könnte. Die Möglichkeiten zur Nutzung heimischer Biomasse bzw. Altholz werden in diesem Zusammenhang auch geprüft.

Mit ähnlichem Hintergrund waren auch Personen aus Hamburger Nichtregierungsorganisationen (NGO’s:  „Tschüss Kohle“,  Zukunftsrat Hamburg) von Anfang an in das Projekt involviert.  Frühzeitig bildete sich eine Arbeitsgruppe außerhalb der Behörde, bestehend aus Vertretern unterschiedlicher NGO’s, die im  Bereich Ökologie, Klimaschutz, Entwicklungszusammenarbeit und Soziales aktiv sind. Sie hinterfragen das Projekt kritisch, haben seither mehrfach eigenständig konferiert, Informationen eingeholt, eigene Kontakte nach Namibia aufgebaut und sind regelmäßig über zwei Personen auch in die von der BUKEA organisierten Arbeitsgruppen eingebunden. Sie organisierten zu diesem Projekt auch drei öffentliche digitale Konferenzen zur Information und Diskussion.

Die Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW), Department Umwelttechnik Bergedorf,  war ebenfalls von Anfang an in das Projekt eingebunden, da ein Teil der Partnerschaft darin besteht, wissenschaftlichen Austausch und Unterstützung anzubieten, mit dem Ziel der Veredelung der Biomasse vor Ort in Namibia und damit einer möglichst regionalen hohen Wertschöpfung.

Die Umweltstiftung WWF Deutschland beschäftigt sich seit einigen Jahren mit Grillkohle aus Namibia. 2019 ist die Stiftung eine Zusammenarbeit mit der Firma DHG eingegangen und unterstützt mit ihrem Logo den Vertrieb von Holzkohle aus namibischem Buschholz. Nach Angaben auf der Website des WWF sind „die Mehrheit der namibischen Produktionsstätten für Nambuko® Grillholzkohle bereits heute nach den anspruchsvollen Öko- und Sozialstandards  FSC (Forest Stewardship Council)  und BSCI (Business Social Compliance Initiative) zertifiziert“ und „Die Verwendung des Buschholzes als Grundstoff für die Herstellung von Grillholzkohle erhält nicht nur die artenreiche Savannenlandschaft, sondern auch landwirtschaftlich nutzbares Weideland. Dadurch leistet sie einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung.“

Der Forest Stewardship Council (FSC) hat einen nationalen Standard für Wald- und Buschbewirtschaftung in Namibia mit Vertreterinnen und Vertretern aus Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsinteressengruppen erarbeitet.

Seit 2017 hat sich die von der FSC zertifizierte Fläche in Namibia zur Grillkohleherstellung von 200,000 ha auf über 1,6 Millionen Hektar Savannenland verachtfacht.

Diese dort hergestellte Holzkohle wird seit einiger Zeit auch über den Discounter ALDI Nord und ALDI SÜD vertrieben. Für die Unterstützung Namibias und die dazu eingegangene Zusammenarbeit mit dem FSC erhielt vor kurzem der Discounter den „Sustainability Heroes Awards“ in der Kategorie „Soziales Engagement“.

Der BUND-Hamburg steht dem Projekt kritisch gegenüber. Er hat es abgelehnt an einer der Arbeits­gruppen teilzunehmen und hat dies auf seiner Website begründet: „…kultur­historische Verantwortung Hamburgs gegenüber Namibia darf nicht dahingehend interpretiert werden, dass Hamburg die ehemalige deutsche Kolonie als reine Rohstofflieferantin für den hiesigen Energiehunger missbraucht. Vielmehr sollte die Stadt das in den letzten Jahren deutlich über 50 Prozent selbst von Stromimporten abhängige Namibia darin unterstützen, die eigene Versorgung auf regenerative Energien umzustellen bzw. die Busch-Biomasse verstärkt für CO2-speichernde Produkte wie etwa Baumaterialien zu nutzen.

Deutlich und frühzeitig hat sich der Hamburger Energietisch (HET) gegen das Projekt ausgesprochen. Auf deren Website wurden mehrere Untersuchungen veröffentlicht, in denen aufgeführt wurde, dass die Nutzung der Buschbiomasse insgesamt zu sehr hohen CO2-Emissionen führen würde und Arbeitsplätze in Namibia vernichten würde. Basis dieser Aussagen, die in deutlichem Gegensatz zu den Berechnungen der IfaS (siehe „CO2-Bilanz“ und „Buschholzverwertung..“ stehen, waren allerdings andere Landnutzungsstrategien als die im Projekt geplanten. Der Hamburger Energietisch hat seine Positionen deutschlandweit und auch in Namibia kommuniziert und im Oktober 2020 zusammen mit weiteren Organisationen  eine Gemeinsame Erklärung gegen das Projekt unterzeichnet. 

Die Aktionsgemeinschaft Robin Wood e.V. hat in einem offenen Brief an den Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Herrn Dr. Gerd Müller das Projekt kritisiert. Das BMZ weist in seinem Antwortschreiben vom 09.03.2021 die Kritik zurück. Auch der NNF aus Namibia hat, in einer Pressemitteilung (s. oben) dazu, die Verhältnisse in Namibia anders dargestellt.

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