Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration

"Kita-Plus"-Evaluation Zusammenfassung der Ergebnisse

Im Herbst 2013 wurde das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS-Frankfurt a.M.) von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) mit der Evaluation des Programms Kita-Plus beauftragt. Die Evaluation „Kita-Plus“ erstreckte sich über einen Zeitraum von November 2013 bis Dezember 2014 und wurde vom ISS-Frankfurt a. M. in Kooperation mit der Denkstelle Hamburg durchgeführt. Hier finden Sie eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

Evaluation Zusammenfassung Kita-Plus-Programm Hamburg

Aus dem Vorwort

Die Umsetzung des Programms Kita-Plus war eines der zentralen Vorhaben des Hamburger Senats der im Februar 2015 abgelaufenen 20. Legislaturperiode. Durch Kita-Plus erhalten rund 280 Kitas in sozial benachteiligten Quartieren nach Maßgabe einrichtungsbezogener Kennzahlen seit Anfang 2013 eine verbesserte Personalausstattung im Elementarbereich. An das Förderprogramm ist darüber hinaus die Umsetzung bestimmter fachlicher Ziele geknüpft: Die Entwicklung und Umsetzung eines Konzeptes zur inklusiven Bildung, einer fachlich qualifizierten Sprachförderung, einer bedürfnisorientierten Zusammenarbeit mit den Eltern, einer sozialraumorientierten Vernetzung der Kita sowie regelmäßiger Reflexion der pädagogischen Arbeit im Kita-Team. (...)

Im Rahmen eines multiperspektivischen Ansatzes wurden neben den Kita-Trägern und den Kita-Leitungen auch die pädagogischen Fachkräfte und Elternvertreterinnen und -vertreter der Kita-Plus-Einrichtungen befragt. Auf Leitungsebene wurden des Weiteren zwei Vergleichsgruppen gebildet: Hierzu wurden Leitungskräfte von Einrichtungen mit Mitteln zur intensivierten Sprachförderung und Leitungskräfte von Einrichtungen ohne Fördermittel befragt. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass ein möglichst umfassendes Bild der Situation in den Einrichtungen bzw. über die Auswirkungen des Programms Kita-Plus erfasst werden kann. Darüber hinaus waren Vertreterinnen und -vertreter des Landeselternausschuss Kindertagesbetreuung, der Kita-Verbände bzw. -Träger sowie der BASFI in einer projektbegleitenden Arbeitsgruppe an der Vorbereitung und Durchführung der Evaluation beteiligt. Ohne deren Engagement und die hohe Bereitschaft aller Beteiligten zur Teilnahme an den Befragungen hätte das Vorhaben nicht erfolgreich durchgeführt werden können. (...)

Zusammenfassung

Das Anfang 2013 gestartete und zunächst auf zwei Jahre ausgelegte Förderprogramm „Kita-Plus“ hat zum Ziel, allen Hamburger Kindern möglichst gleich gute Bildungschancen zu ermöglichen. Dafür erhalten rund 280 Kitas in sozial benachteiligten Quartieren, die aufgrund ihrer Nutzerstruktur besonderen pädagogischen Anforderungen gegenüberstehen, eine um rund 24 % verbesserte Personalausstattung im Bereich des Erziehungspersonals im Elementarbereich. An die Programmteilnahme war die Entwicklung und Umsetzung von fünf fachlichen Schwerpunkten geknüpft: Inklusive Bildung, Zusammenarbeit mit den Eltern, Sprachbildung und Sprachförderung, Netzwerkarbeit und Reflexion im Team.

Das ISS-Frankfurt a.M. wurde von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) mit der Evaluation des Programms Kita-Plus beauftragt. Ziel der Evaluation war eine differenzierte Analyse der Auswirkungen des Förderprogramms auf die beteiligten Einrichtungen.

Die Schwerpunkte der Untersuchung lagen auf der Auswahl der geförderten Einrichtungen, der Umsetzung der fünf fachlichen Schwerpunkte im pädagogischen Alltag der Kitas sowie der Wirkungen des Programms. Zusätzlich wurde ein Vergleich mit dem mit deutlich geringeren Mitteln ausgestatteten Förderprogramm zur intensivierten Sprachförderung im Elementarbereich vorgenommen. Auf Basis der Ergebnisse der Studie wurden Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Förderprogramme abgeleitet.

Methodisch liegt der Untersuchung ein überwiegend quantitatives, auf Vergleichsgruppen basierendes Forschungsdesign zu Grunde. Neben den Leitungskräften und Trägern der Kindertageseinrichtungen wurden auch die pädagogischen Fachkräfte und die Elternvertreterinnen und -vertreter befragt.

Gemeinsam mit dem Auftraggeber wurden im Vorfeld der Untersuchung forschungsleitende Fragestellungen formuliert, die sich auf die Bereiche Personal, Fachkonzept, pädagogische Praxis, Wirkungen, Vergleich der im Programm Kita-Plus und intensivierte Sprachförderung geförderten Einrichtungen sowie Weiterentwicklung der Programme beziehen.

Ergebnisse

Insgesamt ist das auf einrichtungsbezogenen Indikatoren („Anteil Kinder mit dringlichem sozialpädagogischen Förderbedarf“, „Anteil Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache“, „Anteil Kinder, für die höchstens Mindestbeitrag gezahlt wird“) basierende Auswahlverfahren der BASFI geeignet, die förderungsberechtigten Kindertageseinrichtungen zu identifizieren.

Die durch das Programm des Hamburger Senats umgesetzte 24 prozentige Erhöhung der Personalausstattung im Elementarbereich hat zu wesentlichen Verbesserungen der Qualität der pädagogischen Arbeit in allen Altersgruppen der Kita-Plus Einrichtungen geführt. Positive Veränderungen zeigen sich in den Ergebnissen übergreifend in einer vielfältigeren Angebotsgestaltung und einer Pädagogik, die die Bedürfnisse und Bedarfe der Kinder und ihrer Familie stärker berücksichtigt sowie in der Zunahme an Zeit für Fortbildungen.

Für die mittelbaren pädagogischen Aufgaben steht in den Einrichtungen durch Kita-Plus mehr Zeit zur Verfügung, und es bestehen mehr Freiräume für Reflexionen im Team und eine sorgfältige Erledigung der Regelaufgaben. Zudem haben sich die Qualität der Zusammenarbeit im Team sowie die Arbeitszufriedenheit der MitarbeiterInnen durch Kita-Plus in der Mehrzahl der Einrichtungen erhöht.

Die fachlichen Schwerpunkte Inklusive Bildung, Zusammenarbeit mit den Eltern, Sprachbildung und Sprachförderung, Netzwerkarbeit und Reflexion im Team wurden sowohl als Orientierungsrahmen für die Umsetzungskonzepte, die die Kitas und Träger speziell für Kita-Plus entwickelt haben, als auch für die Weiterentwicklung der allgemeinen pädagogischen Einrichtungskonzeptionen genutzt. Dabei wurden konzeptionelle Fragen intern diskutiert und erarbeitet bzw. auf eine breite Beteiligungsbasis gestellt.

Ihren inhaltlichen Fokus haben die Kindertageseinrichtungen vorrangig auf den Schwerpunkt Sprachbildung/Sprachförderung gelegt, während dem Aufbau von Netzwerken eine weniger hohe Bedeutung beigemessen wurde. Die Sprachbildung/Sprachförderung wurde im Rahmen von Kita-Plus weiterentwickelt und stärker als bisher an die individuellen Bedarfe der Kinder angepasst. Elternvertreterinnen und -vertreter nehmen eine Verbesserung und Individualisierung der sprachfördernden Maßnahmen wahr.

Im Programmschwerpunkt „Inklusion“ besteht hinsichtlich der Entwicklung individueller Angebote und einer passgenauen Unterstützung zwar noch großer Handlungsbedarf, dennoch kann durch Kita-Plus die Heterogenität von Kindern und Familien bei der Ausgestaltung von Lern-/Bildungsprozessen verstärkt berücksichtigt werden.

Die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen den Eltern und den Kitas hat sich intensiviert, da den pädagogischen Fachkräften mehr Zeit für die Zusammenarbeit mit den Eltern zur Verfügung steht und zusätzliche Elterngespräche durchgeführt werden können. 

Seine größten Wirkungen entfaltet Kita-Plus hinsichtlich der Arbeit mit den Kindern. Durch das Kita-Plus-Programm konnte das pädagogische Angebot der Einrichtungen vielfältiger gestaltet und eine bessere Betreuungssituation geschaffen werden. Die Kinder profitieren aus Sicht aller befragten Akteure (Träger, MitarbeiterInnen und Leitungskräfte) deutlich von einer näher an den Bedürfnissen und Bedarfen der Kinder orientierten Pädagogik. Darüber hinaus können die Eingewöhnung in die Kita sowie der Übergang zur Schule besser gestaltet werden.

Obwohl das Programm Kita-Plus auf den Elementarbereich fokussiert ist, setzen viele Kitas das zusätzliche Personal auch im Krippenbereich ein, da auch hier ein großer Bedarf gesehen wird.

Im Vergleich zu Kita-Plus sind die Wirkungen der intensivierten Sprachförderung deutlich geringer einzuschätzen.

Fazit

Mit dem Programm Kita-Plus ist es Hamburg gelungen, die pädagogischen Rahmenbedingungen für in sozial benachteiligten Quartieren gelegene Kitas gezielt zu verbessern. Darüber hinaus wurden mit den fünf inhaltlichen Schwerpunkten wichtige Impulse für die fachliche Weiterentwicklung der am Programm beteiligten Kitas gesetzt.

Im Ergebnis ist nach Auskunft aller Befragtengruppen eine Verbesserung der pädagogischen Arbeit festzustellen. Bei einer Fortsetzung des Programms sollten daher weiterhin fachliche Schwerpunktsetzungen vorgenommen werden. Der Schwerpunkt „Netzwerkarbeit“ sollte dabei konkretisiert und gezielter an die Bedarfe der Kitas angepasst werden.

Träger und Kitas erachten das durch Kita-Plus bereitgestellte zusätzliche Personal dauerhaft für erforderlich, um die erreichte Qualität halten zu können. Bei einer Fortsetzung bzw. Neuausrichtung des Programms Kita-Plus sollte dieses auch auf den Krippenbereich ausgerichtet werden, da dort ein großer Bedarf gesehen wird.

Die Mittelzuweisungen für eine intensivierte Sprachförderung werden in ihrer Wirkung eher als gering eingeschätzt. Es wäre zu prüfen, inwieweit die beiden Förderprogramme hinsichtlich ihres Fördervolumens neu justiert werden können.