Vereinbarkeit von Pflege und Beruf Wenn Beschäftigte Angehörige pflegen

Ein Pflegefall kommt oft plötzlich und unerwartet. Dies stellt viele Berufstätige und Arbeitgeber vor besondere Herausforderungen.

Pflege von Angehörigen Familie und Beruf Hamburg

Pflegerin mit einer alten Dame
Durch die demographische Entwicklung ist zu erwarten, dass der Anteil der älteren Menschen in der Bevölkerung stetig steigen wird und damit auch die Zahl der Pflegebedürftigen.

Dies hat auch Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Beschäftigte arbeiten nicht nur länger, sondern sie sind immer häufiger in der Situation, die Pflege eines Angehörigen zu übernehmen. Auch Hamburger Unternehmen werden mit der Zunahme von Beschäftigten mit Pflegeverantwortung rechnen müssen.

Situation pflegender Beschäftigter in Hamburg

Laut einer Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts im Auftrag der Handelskammer Hamburg im Rahmen der „Hamburger Allianz für Familien“ wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Hamburg von 47.000 Personen im Jahr 2009 um rund 22 Prozent auf etwa 60.000 Personen im Jahr 2030 anwachsen.

Die Angehörigenpflege wird in Hamburg im Jahr 2030 bis zu 40 Prozent aller Pflegearrangements ausmachen und neben der ambulanten und der stationären Pflege eine wichtige Säule bleiben. In Hamburg sind pflegende Angehörige zu 60% weiblich und bei umfangreicher Pflegetätigkeit eher teilzeitbeschäftigt.

Die Folge dieser Entwicklung: Immer mehr Hamburger Beschäftigte werden zukünftig Pflegeaufgaben übernehmen. Auf die wachsende Zahl von Beschäftigten mit Pflegeaufgaben müssen sich auch die Hamburger Unternehmen einstellen.

Was können Arbeitgeber tun?

Viele Berufstätige stehen vor besonderen Herausforderungen, wenn sie sich neben der beruflichen Tätigkeit um ihre pflegebedürftigen Angehörigen kümmern wollen. Sie sind dann auf passgenaue Arbeitszeiten angewiesen, wenn sie ihre berufliche Tätigkeit nicht aufgeben möchten. Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist deshalb für betroffene Beschäftigte und für Arbeitgeber ein wichtiges Thema.

Viele Hamburger Unternehmen haben sich auf die Herausforderungen des demografischen Wandels eingestellt und bieten ihren Beschäftigten unterschiedliche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf an. Die Maßnahmen reichen von Ansprechpartnern zum Thema Pflege über Betriebsvereinbarungen bis hin zu Zeitkonten.

Im Rahmen der „Hamburger Allianz für Familien“ hat die Handelskammer Hamburg in einer Broschüre (PDF, 855 KB) Informationen zu Möglichkeiten der betrieblich unterstützten Vereinbarkeit von Pflege und Beruf speziell in Hamburger Unternehmen zusammengestellt.

Die Hamburger Allianz für Familien hat mit fachlicher Unterstützung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz eine Fortbildung für „betriebliche Vereinbarkeitslotsen Pflege und Beruf“ entwickelt. In Kooperation mit der pme Familienservice GmbH können Unternehmen nun betriebliche Ansprechpartner zum Thema Pflege und Beruf fortbilden. Weitere Informationen

Gesetzliche Regelungen

Mit der Novellierung der Pflegegesetze setzt der Gesetzgeber wichtige Impulse, um Unternehmen und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu erleichtern.

Durch das neue Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf werden seit Januar 2015 die Möglichkeiten des Pflegezeitgesetzes und des Familienpflegezeitgesetzes enger miteinander verzahnt und weiterentwickelt.

Die Neuregelungen ermöglichen den Beschäftigten mehr zeitliche Flexibilität und finanzielle Sicherheit:

  • Pflegeunterstützungsgeld: Lohnersatz (keine Lohnfortzahlung) für eine bis zu 10-tägige Arbeitsverhinderung bei einer akut auftretenden Pflegesituation
  • Pflegezeit: Rechtsanspruch auf eine bis zu 6-monatige Freistellung
  • Familienpflegezeit: Rechtsanspruch auf eine bis zu 24-monatige Freistellung

Ausführliche Informationen finden Sie auf den Seiten des zuständigen Bundesministeriums.

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