FC St. Pauli Ein Platz unter den besten sechs

Der FC St. Pauli ist weit über die Grenzen Hamburgs hinaus als Kultverein bekannt. Allein in Deutschland gibt es elf Millionen St. Pauli-Sympathisanten. Die mussten in dieser Saison wieder bis zum 33. Spieltag um den Klassenerhalt bangen. Nun soll alles anders werden. Das aktuelle Ziel lautet: Ein Platz unter den ersten sechs.

1 / 1

Verein St.Pauli

Millerntor Stadion

Adresse
Heiligengeistfeld, 20359 Hamburg
Homepage
Mehr Informationen
Austragungsort:
Im Millerntor-Stadion finden die Heimspiele des FC St. Pauli statt.

Auswärtssieg!

Das 3:1 des FC St. Pauli in Bochum war eine Werbung für den Fußball. Es war mit Sicherheit die beste Saisonleistung der Hamburger und es war auch mit Sicherheit eines der besten Zweitligaspiele dieser Saison. 39 Torschüsse gab es (22:17 für den VfL), der Rekord dieser Spielzeit liegt bei 42. Bochum hatte insgesamt 68 Prozent Ballbesitz und ist 4 Kilometer mehr gelaufen als der FC, gebracht hat es dem VfL am Ende nichts. „Wir haben zu viele Chancen zugelassen“, analysiertie VfL-Trainer Robin Dutt nach dem Spiel.

Sami Allagui brachte die Gäste nach Rechtsflanke von Zander per Kopf in der 15. Minute in Führung. Danach war Bochum das bessere Team, hatte beste Chancen zum Ausgleich, scheiterte aber am eigenen Unvermögen oder an St. Pauli-Keeper Robin Himmelmann. Doch in der 35. Minute drosch Lukas Hinterseer den Ball nach einem Strafraumgewusel an den langen Innenpfosten und dann ins Tor. 1:1. Dann wurde Rio Miyaichi im Strafraum von VfL-Torwart Riemann elfmeterreif gefoult. Allagui trat an, Riemann hielt und, der allerdings zu früh in den Strafraum gelaufene Henk Veerman, traf per Nachschuss zum 2:1. Das Tor hätte nicht zählen dürfen. In der zweiten Halbzeit hätte Jeremy Dudziak nach sieben sekunden alles klar machen müssen, scheiterte aber an Torwart Riemann. Danach lieferten sich beide Mannschaften einen offenen Schlagabtausch, Chancen in Hülle und Fülle auf beiden Seiten. In der 86. Minute war es dann soweit. Mats Möller-Daehli traf nach Querpass von Veermann zum 3:1. Das war's. St.Pauli steht nun auf Platz vier, punktgleich mit Union Berlin auf Platz drei.

DFB-Pokal: Das war's schon

„Die Enttäuschung hält sich in Grenzen“, sagte St. Paulis Trainer Marcus Kauzcinski nach der 2:3-Niederlage nach Verlängerung bei Wehen  Wiesbaden in der ersten Runde des DFB-Pokals. Seine Begründung. „Die Fantes haben ein tolles abwechslungsreiches Spiel gesehen“. Da hat er wohl recht. Die Torreihenfolge: 1:0 Sören Redemann (35.), 1:1 Richard Neudecker (51.), 2:1 Manuel Schäffler (103., Elfmeter), 3:1 Niklas Schmidt (105 + 1), 3:2 Christopher Avevor (109.).

Weitere Informationen: St. Pauli Ticketcenter

Der Spielplan 2018/19

SpieltagTerminZeitSpielErgebnis
1So.,  5. 8.13.30Magdeburg – St. Pauli1:2
2Fr., 10. 8.20.30St. Pauli – Darmstadt2:0
3So., 26. 8.13.30Union Berlin – St. Pauli4:1
4So.,   2. 9.13.30St. Pauli – 1. FC Köln3:5
5So., 16. 9.13.30Erzgebirge Aue – St. Pauli3:1
6Fr., 21. 9.18.30Ingolstadt – St. Pauli0:1
7Mi., 26. 9.18.30St. Pauli – Paderborn2:1
8So., 30. 9.13.30HSV – St. Pauli0:0
9So.,   7. 10.13.30St. Pauli – Sandhausen3:1
10Mo., 22. 10.20.30MSV Duisburg – St. Pauli0:1
11So., 28. 10.13.30St. Pauli – Holstein Kiel0:1
12So.,   4. 11.13.30Arminia Bielefeld – St. Pauli1:2
13Sa., 10. 11.13.00St. Pauli – Heidenheim1:1
14So., 25. 11.13.30Jahn Regensburg – St. Pauli1:1
15Sa.,   1. 12.13.00St. Pauli – Dynamo Dresden1:1
16Mo., 10. 12.20.30VfL Bochum – St. Pauli1:3
17Sa., 15. 12.13.00St. Pauli – Greuther Fürth
18Sa., 22. 12.13.00St. Pauli – Magdeburg
19Di., 29. 1. 201920.30Darmstadt – St. Pauli
20Mo., 4. 2. 201920.30St. Pauli – Union Berlin
21Fr., 8. 2. 201918.301. FC Köln – FC St. Pauli
2215. bis 18. 2. 2019St. Pauli – Erzbebirge Aue
2322. bis 24. 2. 2019St. Pauli – Ingolstadt
241. bis 4. 3. 2019Paderborn – St. Pauli
258. bis 11. 3. 2019St. Pauli – HSV
2615. bis 18. 3. 2019Sandhausen – St. Pauli
2729. 3. bis 1. 4. 2019St. Pauli – MSV Duisburg
285. bis 8. 4. 2019Holstein Kiel – St. Pauli
2912. bis 14. 4. 2019St. Pauli – Arminia Bielefeld
3019. bis 22. 4. 2019Heidenheim – St. Pauli
3126. bis 29. 4. 2019St. Pauli – Jahn Regensburg
323. bis 6. 5. 2019Dynamo Dresden – St. Pauli
3312. 5. 2019, 15.30 UhrSt. Pauli – VfL Bochum
3419. 5. 2019, 15.30 UhrGreuther Fürth – St. Pauli

Die Tabelle

1Hamburger SV (A)1622:15+734
21. FC Köln (A)1642:19+2333
3Union Berlin1625:12+1328
4FC St. Pauli1624:21+328
5Holstein Kiel1630:22+827
61. FC Heidenheim1627:21+626
7VfL Bochum1625.19+624
8Greuther Fürth1621:29-823
9SC Paderborn (N)1633:28+522
10Jahn Regensburg1627:25+222
11Dynamo Dresden1620:23-322
12Erzgebirge Aue1620:21-118
13Darmstadt 981619:25-618
14Arminia Bielefeld1619:25-615
15MSV Duisburg1614:28-1413
161. FC Magdeburg (N)1619:28-911
17SV Sandhausen1616:25-911
18FC Ingolstadt1615:32-17  9

Der Kader 2018/19

Nr.Name (Land)PositionVertrag bis
1Korbinian Müller (D)Tor2020
30Robin Himmelmann (D)Tor2019
33Svend Brodersen (D)Tor2021
2Clemens Schoppenhauer (D)Abwehr2019
4Philipp Ziereis (D)Abwehr2019
19Luca Milan-ZanderAbwehr2019
15Daniel Buballa (D)Abwehr2019
16Marc Hornschuh (D)Abwehr2019
27Jan-Philipp Kalla (D)Abwehr2020
35Brian Koglin (D)Abwehr2019
38Florian Carstens (D)Abwehr2022
39Yi-Young Park (KOR)Abwehr2022
5Marvin Knoll (D)Abwehr2022
6Christopher Avevor (D)Mittelfeld2019
7Bernd Nehrig (D)Mittelfeld2019
8Jeremy Dudziak (D/TUN)Mittelfeld2019
10Christopher Buchtmann (D)Mittelfeld2022
13Ryõ Miyaichi (JAP)Mittelfeld2019
14Mats Møller Dæhli (NOR)Mittelfeld2021
17Finn Ole Becker (D)Mittelfeld2022
20Richard Neudecker (D)Mittelfeld2019
22Cenk Sahin (TÜR)Mittelfeld2021
23Johannes Flum (D)Mittelfeld2020
28Waldemar Sobota (POL)Mittelfeld2020
34Jakob Münzner (D)Mittelfeld2020
31Erzin Zehir (D/TUR)Mittelfeld2020
29Jan-Marc Schneider (D)Sturm2019
11Sami Allagui (TUN)Sturm2020
45Dimitrios DiamantakosSturm2020
36Louis Coordes (D/DOM))Sturm2021
25Henk Veerman (NL)Sturm2021
Markus Kauczinski (D)Trainer2019
André Trulsen (D)Co-Trainer2020

Zugänge zur Saison 2018/19
Marvin Knoll (für 200.000 Euro Ablöse von Jahn Regensburg)
Mats Møller Daehli (Ablöse rund 400.000 Euro; war von Freiburg ausgeliehen)
Jakob Münzner (von St. Pauli U 19)
Luis Coordes (von St. Pauli U 19)
Erzin Zehir (von St. Pauli II)
Henk Veerman (Ablöse: 450.000 Euro; vom SC Heerenveen/Holland)
Korbinian Müller (ablösefrei von der SpVgg Unterhaching)
Florian Carstens (FC St. Pauli II)
Finn Ole Becker (FC St. Pauli U 19)

Abgänge nach der Saison 2017/18
Lasse Sobiech (ablösefrei zum 1. FC Köln)
Joël Keller (ablösefrei zu Weiche 08 Flensburg)
Thibaut Verlinden (Leiende, zurück zu Stoke City U23)
Marvin Duksch (für 2 Millionen Euro Ablöse zu Fortuna Düsseldorf)
Maurice Litka (ausgeliehen an den KFC Uerdingen)
Kyoung-rok Choi (zum Karlsruher SC)
Aziz Bouhaddouz (für geschätzte 750.000 Euro Ablöse zu Al-Batin FC/Saudi-Arabien)
Philipp Heerwagen (zum FC Ingolstadt)

Zugänge während der Saison 2017/18
Dimitrios Diamantakos (vom VfL Bochum)

Abgänge während er Saison 2017/18
Trainer Olaf Janßen

Gerettet!

„Einstellung ist wichtiger als Aufstellung“, hatte Trainer Marcus Kauczinski vor dem Spiel gegen Bielefeld, das noch theoretische Aufstiegschancen hatte, gesagt. Und die stimmte bei St. Pauli 93. Minuten lang. Das ersatzgeschwächste Team kämpfte bis zum Umfallen. 

Die erste Chance hatte Lasse Sobiech bereits nach fünf Sekunden, aber Torwart Ortega konnte den Volleyschuss parieren. Die 29.546 Fans (ausverkauft) mussten bis zur 39. Minute warten, dann war es soweit: Nach einem gelungenen Spielzug über die linke Seite wurde Park in der linken Strafraumhälfte angespielt. Der umkurvte zwei Gegner und traf aus fünf Metern ins kurze Eck, das von Torwart Orteg sträflich vernachlässigt wurde. 1:0 zur Pause.

 Auch in der zweiten Hälfte ließen die Hamburger gegen die über weite Strecken harmlosen Arminen nichts anbrennen. Torwart Himmelmann musste nur einen Schuss parieren. Dann war es soweit: Schlusspfiff - Klassenerhalt – Riesenjubel! 

So konnte sich St. Pauli am letzten Spieltag auch eine 0:2-Niederlage gegen den MSV Duisburg leisten und beendet die Spielzeit 2017/18 auf Rang zwölf.

Buchtmann verlängert

Einen Tag nach dem 1:0-Sieg gegen Bielefeld und dem damit verbundenen Klassenerhalt hat Spielmacher Christopher Buchtmann seinen noch bis 2019 laufenden Vertrag vorzeitig bis 2022 verlängert. „Buchti ist bei uns ein absoluter Führungsspieler und ein Topspieler in der 2. Liga. Mit seinem fußballerischen Vermögen und seiner Torgefahr kann er in unserem Spiel den Unterschied ausmachen“, sagte Sportchef Uwe Stöver der Hamburger Morgenpost.

Vom biederen Verein zum Freibeuter-Klub

Sie nennen sich Freibeuter der Liga, FC Alternativ oder einfach nur „Der etwas andere Fußballclub“. Die Abgrenzung von anderen Profivereinen gehört heute zum Selbstverständnis des FC St. Pauli. Dabei fristete der Verein, der 2010 seinen 100. Geburtstag feierte, 70 Jahre lang ein durchaus biederes Dasein.

Das ändert sich schlagartig, als die linke Szene in der Hafenstraße von St. Pauli marode Häuser besetzt, die abgerissen werden sollen. Unter den Hausbesetzern befindet sich auch „Doctor Mabuse“. Um seinem Protest Nachdruck zu verleihen, kauft sich der Doc eine Totenkopf-Flagge, die er an einen Besenstiel tackert. Später, nach eigener Aussage 1982 oder 1983, nimmt er die Flagge einfach mit ins Stadion am Millerntor. Schon bald wehen auf den Tribünen Dutzende von Piratenflaggen und das Stadion wird zur Brutstätte einer alternativen Fanbewegung. Auch wenn es wohl eher Zufall war – der heute 55-Jährige Doc Mabuse gilt bis heute als Erfinder des Freibeutertums beim Kiezklub.

Der Totenkopf gehört längst zur „Corporate Identity“ des Vereins und ist ein Renner in den Fanartikelgeschäften. Nach einer Jacke oder einem T-Shirt ohne Totenkopfaufdruck muss man lange suchen.

Vereinsgründung

Offiziell gegründet wurde der FC St. Pauli am 15. Mai 1910, damals noch als Fußballabteilung des „Hamburg-St. Pauli Turnverein 1862“. Zu den Vereinsfarben wurde braun/weiß bestimmt. Als selbstständiger Verein existiert der Club seit 1924, als die Trennung vom Turnverein vollzogen wurde. Neben der Männer-Fußballabteilung hat der  FC St. Pauli heute vom Bowling bis zum Schach 16 weitere Abteilungen für Breitensport. Die Mitgliederzahl liegt bei 20.149 (Stand: 12. Februar 2014). Damit liegt der Club auf Platz 14 der größten Sportvereine Deutschlands.

Über Jahrzehnte geht es auf und ab

Bei Einführung der Bundesliga im Jahre 1963 spielte St. Pauli in der zweitklassigen Regionalliga Nord, bis diese 1974 aufgelöst wurde. Auch danach spielte der Verein meist in der 2. Bundesliga, manchmal auch nur in der Amateurliga. Immerhin haben es die Kiezkicker aber geschafft, fünf Mal in die 1. Liga aufzusteigen und dort insgesamt sieben Jahre „Höhenluft“ zu schnuppern. Zuletzt war das Team in der Saison 2010/11 erstklassig. Nach einem 1:0-Auswärtssieg beim Erzrivalen HSV feierten die Fans ihren Hamburger Meister. Auch der Verein feierte – aber wohl ein bisschen zu lange. Aus den folgenden 13 Spielen holte die Mannschaft nur noch vier Punkte und stieg als 18. und Letzter ab. In der abgelaufen Saison kam der FC St. Pauli auf Platz acht, spielte aber lange um den Aufstieg mit.

2003 verhindert die „Retter-Kampagne“ das Aus

Am Ende der Zweitligasaison 2002/03 war St. Pauli in die Regionalliga Nord abgestiegen. Zur sportlichen Talfahrt gesellten sich Schulden in Millionenhöhe. Der drohende Lizenzentzug konnte durch die „Retter-Kampagne“ – eine bundesweit Aufsehen erregende Spendenaktion - gerade noch   abgewendet werden. Gemeinsam gelang es Anhängern und Verein unter anderem durch den Verkauf von 140 000 „Retter“- T-Shirts und einem „Retter-Spiel“ gegen den „Klassenfeind“ FC Bayern, mehr als zwei Millionen Euro aufzutreiben. Beim Retter-Spiel spazierte der damalige Bayern-Manager Uli Hoeneß, bis dahin noch der „Lieblingsfeind“ der St.-Pauli-Fans, im „Retter-Shirt“ durchs Millerntorstadion und wurde dafür euphorisch gefeiert.

Unter Präsident Littmann saniert sich der Verein

Corny Littmann (61) war von 2002 bis 2010 Präsident des FC St. Pauli und hatte bereits an der „Retter-Kampagne“ maßgeblichen Anteil. Der Schauspieler, Theater-Betreiber und Vorkämpfer für die Rechte der Homosexuellen sanierte den Verein Schritt für Schritt, erst finanziell, später auch sportlich. Heute ist der Klub gut aufgestellt und kann sich sogar ein neues Stadion leisten: Seit 2007 wird das Stadion umgebaut. Bisher wurden Südtribüne, Haupttribüne und Gegengerade abgerissen und neu gebaut. Nach dem ersten Heimspiel gegen Ingolstadt (2. Augus) soll die Nordkurve abgerissen und neu errichtet werden. Geplante Bauzeit: acht Monate. Das fertige Millerntor bietet dann etwa 30 000 Zuschauern Platz. Derzeit passen 29 063 Fans hinein.

Politisch engagierte Fans

Im Vergleich zu den Fans anderer Fußballvereine sind die Fans des FC St. Pauli politisch äußerst engagiert. Ab Mitte der 80er Jahre formierte sich im Millerntorstadion ein klarer Widerstand gegen Rechtsextremismus. Auch sexistische  Äußerungen werden im Stadion nicht gerne gehört. St. Pauli war der erste Verein, der entsprechende Verbote in seine Stadionordnung einfügte. Verstöße können mit Stadionverbot geahndet werden.

Die größten Erfolge

1977, 1988, 1995, 2001, 2010: Aufstieg in die Fußball-Bundesliga
2002: „Weltpokalsiegerbesieger“ durch einen 2:1 Sieg über den FC Bayern München
2006: Einzug als Regionalligist in das Halbfinale des DFB-Pokals gegen den FC Bayern München, welches mit 0:3 verloren wurde

 

Alle weiteren Informationen auf der Homepage des FC St Pauli.
Mehr über Fußball in Hamburg lesen Sie bei uns unter Ballsport.

Ein Platz unter den besten sechs
Der FC St. Pauli ist weit über die Grenzen Hamburgs hinaus als Kultverein bekannt. Allein in Deutschland gibt es elf Millionen St. Pauli-Sympathisanten. Die mussten in dieser Saison wieder bis zum 33. Spieltag um den Klassenerhalt bangen. Nun soll alles anders werden. Das aktuelle Ziel lautet: Ein Platz unter den ersten sechs.
20181210 23:12:13