Evangelisches Christentum Der Weihnachtsfestkreis

Advent – Weihnachten – Jahreswechsel

Entsprechend dem Anliegen der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg und als Einladung an die anderen Religionen und Konfessionen werden in diesem Beitrag nicht nur historische und theologisch-dogmatische Informationen zu den Festen gegeben. Im Blick ist die Reflexion über den Zusammenhang von Festpraxis und kultureller Lebenswelt.

Der Weihnachtsfestkreis - evangelische Feiertage - Interreligiöser Kalender Hamburg

Weihnachten (24. bis 26. Dezember)

Lateinisches Kreuz Lateinisches Kreuz, Symbol d. Christentums
Im Erleben der Leute ist Weihnachten im neuzeitlichen Christentum in Europa das zentrale Fest. „Das Kind in der Krippe ist religiöses Grundsymbol des christlichen Glaubens für das Leben, das seinen Ursprung in Gott hat.“[1]

Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas („Es begab sich aber zu der Zeit…“, Lukas 2) ist eine der bekanntesten biblischen Geschichten. Die Gottesdienste am Heiligabend, heute als das eigentliche Weihnachtsfest wahrgenommen, sind mit Familiengottesdiensten und Krippenspielen oder auch Christnachtsgottesdiensten die am meisten besuchten Gottesdienste des Jahres.

Die weihnachtliche Symbolik ist zugleich fest verankert in Familienritualen (Kerzen; Adventskranz, Christbaum), in der Praxis des Geschenkaustausches (Geschenke, Weihnachtskarten, Glück- und Segenswünsche), eines festlichen Essens (Weihnachtsgans, Christstollen) und der Präsenz biblischer Figuren und Zeichen (Engel, Krippe, Stern).

In der Heiligen Familie finden familiäre Sehnsüchte nach Harmonie ihre Resonanz.

Zugleich ist Weihnachten als kulturelle Institution weit über den privaten Bereich hinaus wirksam, vor allen Dingen in seinen kommerzialisierten Formen mit Schmuck und Beleuchtung und Weihnachtsgebäck oft schon ab September.

In Kriegs- und Gewaltzeiten ist Weihnachten immer wieder, zum Beispiel im deutschen Nationalsozialismus, entchristianisiert und zum „deutschesten aller Feste“ umgewidmet worden – mit ideologischen Bildern von Volkstum, Heimat und Schicksalsgemeinschaft.

Heutzutage binden sich an das Weihnachtsfest jenseits der ausdrücklich christlichen Symbolik und Bedeutung vor allen Dingen massive kommerzielle Interessen.

Advent

Die Adventszeit (1. bis 24. Dezember 2019), traditionell eine dem Weihnachtsfest vorgelagerte Fastenzeit, prägt heute beispielsweise mit ihren Weihnachtsmärkten das Bild von Innenstädten und mit den Adventsfeiern den Festrhythmus zahlreicher Vereine.

Zugleich können viele Menschen im Trubel dieser Zeit mit ihren Sehnsüchten und auch ihrer Trauer um nicht gelebtes Leben diese Phase als schwere Zeit erleben.

Jahreswechsel

Das Sylvester- und Neujahrsfest – ursprünglich auch jenseits christlicher Prägung ein Fest, in dem die sakrale Ordnung der Welt erneuert, mythische Chaosgewalten rituell gebannt und in manchen Traditionen die Gottheit neu geboren wird – ist in Deutschland und Europa eng mit der Nachweihnachtszeit verbunden.

Neujahrsbräuche dehnen die Zeit vor und um den Jahreswechsel zu einer Zwischen- und Übergangszeit, in der familiäre Feste, das Silvesterfeuerwerk, die staatlich repräsentative Rede der Bundeskanzlerin, im Fernsehen zudem Jahresrückblicke und der unvermeidliche „Der 90. Geburtstag – Dinner for One“ eine zivilreligiöse Vermischung verschiedener Symboltraditionen eingehen.

Zugleich ist dieses Fest alljährlich wiederkehrender Übergangsritus (oft mit guten Vorsätzen, großen Lebensplänen und mehr oder minder haltbaren Versprechen).

Das Silvesterfeuerwerk ist in der deutschen Gesellschaft eine gesellschaftlich anerkannte Praxis unproduktiver Verausgabung, in der Verschwendung zelebriert wird: „Das Feuerwerk ist ein Ritual überschießender Fülle und extrovertierter Lust, die überschüssigen Mittel, die Überschussenergien des vergangenen Jahres werden aufgebraucht.“ [2]

Dreikönigstag

Der Dreikönigstag am 6. Januar, der in der orthodoxen Kirche eine größere Rolle spielt als in den westlichen Kirchen, schließt traditionell die Weihnachtszeit ab.

Autor: Prof. Dr. Hans-Martin Gutmann

Anmerkungen

[1] Kristian Fechtner, Im Rhythmus des Kirchenjahres. Vom Sinn der Feste und Zeiten, Gütersloh, 2009, 62.

[2] Kristian Fechtner, a.a.O., 87.

Literatur

Karl-Heinrich Bieritz, Das Kirchenjahr. München 1988.

Mircea Eliade, Das Heilige und das Profane. Frankfurt/M. 1984.

Norbert Elias, Über die Zeit. Frankfurt/M. 1984.

Kristian Fechtner, Im Rhythmus des Kirchenjahres. Vom Sinn der Feste und Zeiten. Gütersloh 2007.

Arnold van Gennep, Übergangsriten. Frankfurt/New York 1986 (1909).

Liturgische Konferenz der EKD, „Kirchenjahr erneuern. Gottesdienstliche Praxis im Rhythmus des Jahres.“ Veröffentlicht in: Praktische Theologie 1/2006, 48-58.

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