Behörde für Inneres und Sport

Hintergrund Verbesserte Notrufabfrage bei Notfällen

Von Dr. Stefan Kappus, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst bei der Feuerwehr Hamburg

Feuerwehr Hamburg

Am 3. April 2008 wurde in der Rettungsleitstelle für den europaweiten Notruf  112 ein standardisierter Ablauf der Notrufabfrage in Verbindung mit einem Qualitätsmanagementsystem eingeführt. Die Testphase lief ab Anfang Februar 2008.

Die Feuerwehr Hamburg betreibt als Träger des Rettungsdienstes die Rettungsleitstelle (RLST) Hamburg. Hier werden über die europaweite Notrufnummer 112 Hilfeersuchen an Feuerwehr und Rettungsdienst entgegengenommen. In der Leitstelle gehen pro Jahr mehr als 700.000 Notrufe ein, daraus resultieren jährlich mehr als 190.000 Einsätze für den Rettungsdienst. Gearbeitet wird mit dem EDV-gestützten Einsatzlenkungssystem. Für die Tätigkeit als Disponent in der Rettungsleitstelle werden erfahrene Feuerwehrbeamte aus dem Einsatzdienst mit der Qualifikation Rettungsassistent geschult.

Standardisierter Ablauf

Verbindliche, standardisierte Vorgaben für den Ablauf der medizinischen Notrufabfrage gab es bisher nicht. Ergebnisse der Notrufabfrage waren von Gesprächsführung und persönlicher Einschätzung des einzelnen Disponenten abhängig, individuelle Entscheidungen aufgrund fehlender Standardisierung z.T. schwer nachvollziehbar. Rechtssicherheit war nur eingeschränkt gegeben. Auf Seiten der Kostenträger gab es häufig Zweifel an der Notwendigkeit und Umfang einzelner Notrufeinsätze. Ziel war daher die Einführung eines standardisierten Ablaufs der Notrufabfrage in Verbindung mit einem Qualitätsmanagementsystem.

Notrufannahme

Das Standardisierte Medizinische Abfrageprotokoll (SMAP) legt nun den Ablauf der Notrufabfrage fest. Der Disponent muss sich daran halten, ein Abweichen ist nicht möglich.

Beim Eingang eines Notrufes meldet sich der Disponent:

„Feuerwehr und Rettungsdienst Hamburg, wo genau ist der Notfallort?“

„Wie lautet Ihre Rückrufnummer?“

„Was ist das Problem? Sagen Sie mir genau, was passiert ist.“

Die erhobenen Daten werden parallel zum Gespräch in das Elektronische Aufnahmeprotokoll eingegeben. Handelt es sich um ein medizinisches Hilfeersuchen, wird zusätzlich das SMAP-Protokoll geöffnet. Nun bestimmt das Notrufabfrageprotokoll den weiteren Ablauf der Notrufabfrage.

  • Einstiegsfragen:
  1. Alter und Geschlecht des Patienten
  2. Bewusstseinslage
  3. Atemfunktion
  • Abfrage der Hauptbeschwerde
  • Festlegung der Hauptbeschwerde anhand einer vorgegebenen Auswahlliste

Bei einem akut lebensbedrohlichen Zustand werden ein Einsatzcode mit Hauptbeschwerde, Dringlichkeit und Art der zu entsendenden Rettungsmittel festgelegt und letztere alarmiert.

Ansonsten kann der Disponent über weitere Schlüsselfragen den Zustand des Patienten abfragen, bis genügend Informationen zur Einschätzung der Lage vorliegen. In speziellen Fällen wird der Anrufer bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes weiter telefonisch betreut. Dieses schließt auch telefonische Anleitung zur Durchführung von Erste-Hilfe-Maßnahmen ein.

Erwartungen

Die Feuerwehr Hamburg erhofft sich durch die Einführung des SMAP eine Optimierung der bei der Notrufannahme erfragten Daten zum Zustand des Patienten. Durch die bessere Qualität der Abfrage soll jeder Patient die für ihn angemessene Hilfe durch den Rettungsdienst erhalten. Die zusätzlich erhobenen medizinischen Informationen können den Einsatzkräften bereits auf der Anfahrt mitgeteilt werden. Ebenso ist von einer Reduzierung der Fehlalarmierungen, besonders im Bereich der notarztbesetzten Rettungsmittel auszugehen. Die Dispositionsqualität und daraus resultierende Einsatzergebnis werden überprüft. Die Richtigkeit der Entscheidung für einen Notfalleinsatz ist so nachweisbar.

 

Rückfragen an:
 
Feuerwehr Hamburg - Pressestelle
Pressestelle
Tel: (0 40) 4 28 51 - 40 21
Fax: (0 40) 4 28 51 - 40 29
E-Mail: presse@feuerwehr.hamburg.de