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Zahlen und Fakten Unbegleitete minderjährige Ausländer

Krieg, Bürgerkrieg, Gewalt, Unterdrückung, Verfolgung, Armut – wenn Menschen sich entschließen, ihre vertraute Umgebung zu verlassen und in einem fremden Land Schutz zu suchen, hat dies vielfältige und schwerwiegende Gründe. In den vergangenen Jahren, insbesondere von 2010 bis Ende 2015, haben wir auch in Hamburg die Folgen dieser dramatischen Entwicklung miterlebt. Inzwischen hat sich die Situation wieder entspannt.

Unbegleitete minderjährige Ausländer - Flüchtlinge UMA UMF MuFl Hamburg

Entwicklung der Zugangszahlen

Hinter uns liegen bewegte Jahre: Wurden im Jahr 2010 noch 115 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Landesbetrieb Erziehung und Beratung (LEB) aufgenommen, so stiegen die Zuzugszahlen stetig an. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 gab es insgesamt 2.572 Aufnahmen von Minderjährigen. 

Inzwischen schlägt das Pendel in die andere Richtung aus: Der Zuzug von jungen Flüchtlingen, die ohne Eltern nach Hamburg kommen, geht seit dem Jahr 2016 zurück. In den vergangenen Jahren hat sich die Aufnahme wie folgt entwickelt:


2014201520162017
gesamt1.1983.2401.265652
davon minderjährig8762.572960403

Quelle: LEB-Bericht UMA, Januar 2018, S. 20

Hintergrund: Zugangszahlen 2017
Im Jahr 2017 hat der Landesbetrieb Erziehung und Beratung (LEB) 652 Personen vorläufig in Obhut genommen. Nach der Alterseinschätzung durch den Fachdienst Flüchtlinge verblieben 403 minderjährige unbegleitete Ausländer in Obhut des LEB. In 249 Fällen wurde eine Volljährigkeit eingeschätzt und festgestellt. In 96 Zweifelsfällen wurde hierbei eine ärztliche Untersuchung zur Altersbestimmung beim Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Rechtsmedizin, veranlasst. Dieses hat bei 51 Personen ein Alter von über und bei 45 Personen ein Alter von unter 18 Jahren bestimmt.

Zu den Gründen für den Rückgang der Aufnahmezahlen in Hamburg gehören die Schließung von Fluchtrouten sowie die bundesweite Verteilung von neu ankommenden Flüchtlingen. 

Hintergrund: Bundesweite Verteilung
Hamburg war in besonderem Maße von der Einreise minderjähriger Flüchtlinge betroffen. Daher hatte sich der Hamburger Senat erfolgreich für eine gesetzliche Verteilungsregelung eingesetzt. Seit 1. November 2015 findet die bundesweite Verteilung statt. Für Hamburg gilt aktuell eine Aufnahmequote von 2,53 Prozent an allen bundesweiten neu ankommenden UMA. Im Jahr 2017 wurden 48 UMA in andere Bundesländer verteilt.

In der Folge wurden Standorte von Erstversorgungseinrichtungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Hamburg aufgegeben, die Platzzahlen dem Bedarf gemäß reduziert, Konzepte an neue Herausforderungen angepasst und Fachkräfte auf neue Aufgaben orientiert.

Zahlreiche Betreute aus den früheren Erstversorgungseinrichtungen sind mittlerweile in Nachfolgeeinrichtungen der Stadt gezogen.

Das Hilfesystem

vergrößern Schaubild des Hilfesystems: Erstaufnahme - Erstversorgung - Anschlusshilfe Ablauf der der Aufnahme (Bild: LEB) Seit März 2014 ist der beim Kinder- und Jugendnotdienst eingerichtete „Fachdienst Flüchtlinge“ des Landesbetriebes Erziehung und Beratung (LEB) für die Inobhutnahme von unbegleiteten minderjährigen Ausländern (UMA) zuständig. 

Der Fachdienst übernimmt auch alle jugendamtlichen Aufgaben während der Inobhutnahme einschließlich ihrer Beendigung.

Die pädagogischen Fachkräfte im LEB kümmern sich um Minderjährige, die aus Krisengebieten zu uns gekommen sind: 

  • In der Erstaufnahme in der Feuerbergstraße stehen für neu Ankommende 25 Plätze zur Verfügung. Hier werden sie zunächst für zwei bis drei Wochen rund um die Uhr versorgt und betreut. Das Verfahren der Erstaufnahme dient unter anderem der Klärung ausländerrechtlicher Angelegenheiten sowie der Frage des Verbleibs in Hamburg.
  • Bleibt der Jugendliche in Hamburg, erfolgt die Aufnahme in der Clearingstelle Erstversorgung Tannenweg (38 Plätze), in der ebenfalls eine Betreuung rund um die Uhr erfolgt. Neben der materiellen Versorgung und der Integration in den Schulbetrieb absolvieren die Betreuten einen Sprachkurs, lernen im Alltag in Hamburg zurechtzukommen und werden pädagogisch unterstützt und gefördert. Ziel ist es, eine längerfristige Perspektive zu erarbeiten. Erfahrungsgemäß kann innerhalb von drei Monaten eine Integration in das Hilfesystem erfolgen.
  • Das Jugendhilfesystem in Hamburg bietet eine Reihe von Hilfen für Minderjährige, je nach Alter, persönlicher Reife und konkreter Bedarfslage. Für unbegleitete minderjährige Ausländer, deren Verbleib in Hamburg geklärt ist, kommt die gesamte Palette des Angebots infrage: Pädagogisch betreute Wohngruppen oder Angebote des Jugendwohnens wie Jugendwohngemeinschaften, Jugendwohnungen oder Ambulant betreutes Wohnen. Hinzu kommen spezialisierte Angebote: Die Clearingstelle für psychisch belastete junge Menschen und die Clearingstelle „2. Chance“ für Jugendliche mit besonderen Belastungen. 

Ehrenamtliche Hilfe für junge Flüchtlinge

Beim Landesbetrieb Erziehung und Beratung leben und lernen Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen Unterstützung benötigen. Für sie schafft der Landesbetrieb Erziehung und Beratung die jeweils notwendige erzieherische Begleitung. 

Als ehrenamtliche Helferin oder Helfer können Sie junge Flüchtlinge, aber auch andere junge Menschen spüren lassen, dass sie in einem Gemeinwesen leben, in dem sie vielfältige Unterstützung erfahren. Der Landesbetrieb Erziehung und Beratung begrüßt ehrenamtliches Engagement und freut sich über Ihr Interesse. Kontakt: ehrenamt@leb.hamburg.de