Flüchtlingskinder Ankommen braucht Wissen, Zeit und Struktur

Flüchtlingskinder und ihre Familien haben ihre vertraute Lebenswelt und ihre Kultur verlassen und fühlen sich in Deutschland zunächst fremd.

Flüchtlingskinder und ihre Familien - Kitas Kindertagespflege Hamburg

Beratungsgespräch
Sie brauchen Zeit sich zu orientieren und auch innerlich anzukommen. Zudem müssen sie erst auf eine Entscheidung ihres Asylverfahrens warten und mit der Unsicherheit leben, wieder ausgewiesen zu werden.

  • Schaffen Sie ein Klima des Willkommenseins für alle Kinder und ihre Eltern und zeigen Sie Verständnis für die Situation der Familien und Wertschätzung für ihre Herkunftskultur.
  • Um Familien nicht zu überfordern, bieten Sie Ihre Unterstützung an und vertrauen darauf, dass Familien selbst entscheiden, welche Angebote sie annehmen möchten.
  • Lassen Sie jedem neuen Kind und seiner Familie Zeit, die Kita bzw. die Tagespflegestelle und ihre Menschen kennen zu lernen, bauen Sie Vertrauen auf und beziehen Sie die anderen Kinder und Eltern (zum Beispiel als Paten) mit ein.
  • Unsere Strukturen sind vielen Eltern von Flüchtlingskindern fremd. Das Aufnahmegespräch kann daher, sowohl für die Familien als auch für die pädagogischen Fachkräfte in der Kita beziehungsweise die Tagespflegeperson, eine große Herausforderung sein. Gibt es keine gemeinsame Sprache, ist das Hinzuziehen eines/r Dolmetschers/-in ratsam. Eine vorstrukturierte Liste über die Informationen, die Sie den Familien geben wollen, und die Informationen, die Sie von den Familien brauchen, ist nützlich. Denken Sie hier auch an:

Informationen geben: Telefonnummern der Kita/Tagespflegestelle, Bring- und Abholzeiten, Abmeldung des Kindes bei zum Beispiel Krankheit, zeitweises Besuchsverbot bei bestimmten ansteckenden Erkrankungen, Schließtage, Bekleidung in der Kita/Tagespflegestelle (zum Beispiel Hausschuhe, Matschhose, Wechselkleidung), Frühstück (was soll/darf das Kind mitbringen), Ausflüge (wann, wohin, Ausrüstung)

Informationen zu Eltern und Kindern einholen: abholberechtigte Personen, telefonische Erreichbarkeit, Ressourcen wie etwa Bildung (zum Beispiel weitere Sprachen, Lese- und Schreibkompetenz), Berufserfahrung und Interessen, besondere Bedürfnisse, weitere Familienmitglieder, Vorerfahrungen mit Fremdbetreuung/Kitas, Mahlzeiten (Schweinefleisch? Allergien?), Teilnahmeerlaubnis (ja/nein) des Kindes etwa für Turnstunden oder religiöse Veranstaltungen, Verbreitung und Veröffentlichung (ja/nein) von Fotos des Kindes zum Beispiel für Geburtstagskalender

  • Verschiedene Erwartungen und Vorstellungen können das Miteinander zwischen Eltern und Kita / Tagespflegestelle erschweren. Erfragen Sie deshalb die Wünsche und Erwartungen der Eltern und informieren Sie sie über die Aufgaben der Kindertagesbetreuung, Ihre Rolle als pädagogische Fachkraft und die Möglichkeiten der Mitwirkung für Eltern. Gehen Sie offen auf die Eltern zu und nehmen Sie sich Zeit, sie kennen zu lernen und zu informieren. Schnuppertage sind eine einfache und zugleich sehr gute Möglichkeit, einen unmittelbaren Einblick in den Alltag der Kita beziehungsweise der Kindertagespflege zu bekommen.
  • Jedes neue Kind braucht eine Eingewöhnungsphase. Die Eingewöhnung bedarf der Abstimmung mit den Eltern und einer individuellen, sensiblen Gestaltung. Kinder, die Fluchterfahrungen gemacht haben, haben häufig starke Trennungsängste und brauchen besonders die feinfühlige Zuwendung von vertrauten Bezugspersonen. Rechnen Sie damit, dass die Eingewöhnung in diesen Fällen eine intensive Vorbereitung erfordert und länger dauern kann.

Weitere Informationen:


Als Vorlage für diesen Artikel diente die Veröffentlichung des Bayrischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration: Asylbewerberkinder und ihre Familien in Kindertageseinrichtungen - Informationen für Kindertageseinrichtungen in Bayern, Autorinnen: Dr. Sigrid Lorenz & Dr. Monika Wertfein, Staatsinstitut für Frühpädagogik, München2015.

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