Statistik Fluglärmbeschwerden 2018

Die Zahl der Fluglärmbeschwerden in Hamburg 2018 beläuft sich auf 166.943, ein Plus von 56% im Vergleich zur Beschwerdesituation 2017. Damit setzt sich der seit einigen Jahren zu beobachtende ansteigende Trend bei den eingehenden Fluglärmbeschwerden fort. 

Fluglärmbeschwerden 2018

Die Zahl der Beschwerdeführer beträgt 2.311, im Vorjahr waren es 1.950. Wie schon in den Vorjahren gab es große regionale Unterschiede bei der Zahl der Beschwerden und der Beschwerdeführer. Zum Beispiel kamen aus Ahrensburg von 21 Beschwerdeführern knapp 10.000 Beschwerden, aus Bargteheide 6.400 von 20 Personen, aus Großhansdorf im Kreis Stormarn 5.100 von weniger als 5 Personen. 

Der große Zuwachs an Fluglärmbeschwerden korreliert nicht mit der Entwicklung der Flugbewegungen - diese sind in 2018 nämlich um 2,2% zurückgegangen. Die nächtlichen Flugbewegungen (22-6 Uhr) sind dagegen um 24% gestiegen. Diese Steigerung kann jedoch nicht als alleinige Erklärung für den starken Beschwerdeanstieg herangezogen werden.

Nicht zuzuordnende Beschwerden

Nicht zuzuordnende Beschwerden enthalten keine ausreichenden personenbezogenen Daten, um sie eindeutig einem Beschwerdeführer zuordnen zu können (vgl. Erklärung zum Fluglärmbeschwerde-Formular). Der Stadtteil bzw. der Ort ist eine Pflichtangabe, die zur Zuordnung erforderlichen Name und Adresse sind hingegen freiwillige Daten.  

Der Anstieg der Fluglärmbeschwerden ist vor allem auf die hohe Anzahl nicht zuzuordnender Beschwerden zurückzuführen. Ab August stiegen diese sprunghaft auf rund 500 und mehr pro Tag an, was auf die optimale Nutzung der technischen und digitalen Möglichkeiten schließen lässt. Bestimmten Beschwerdeführer zuzuordnende Beschwerden dagegen sind im Vergleich zum Vorjahr von 65.600 auf ca. 42.000 gefallen.

Der hohe Anstieg bei den Beschwerden ohne vollständige Wohnortangaben führt dazu, dass 2018 gut 75% der Beschwerden keinem Beschwerdeführer zugeordnet werden können. 2017 lag der Anteil noch bei 40%.  

Regionale Verteilung

Ca. 60% der Fluglärmbeschwerden kommen aus Hamburg, 10% mehr als 2017. Der Großteil davon (38%) entfällt auf den Bezirk Altona, aus den Bezirken Eimsbüttel und Wandsbek kommen jeweils 11% und 7%. Aus dem Kreis Segeberg kommen 20% der Beschwerden, aus dem Kreis Stormarn 17%.

Von den 42.092 namentlich zuzuordnenden Beschwerden stammten knapp 30 Prozent aus Hamburg, der Rest aus dem Umland. Bei den Beschwerdeführern ist das Verhältnis umgekehrt: Es leben 85% in Hamburg (1.957 Personen), die anderen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen (vgl. die Tabelle zur regionalen Verteilung).

Die Zahl der Beschwerdeführer ist in Hamburg angestiegen, vor allem in den flughafennahen Stadteilen wie Langenhorn  und Niendorf. Außerdem hat eine relativ lange Pistensanierung viele Anwohnerinnen und Anwohner der Alsterdorf-Hamm-Anflugschneise motiviert, sich zu beschweren. Die Zahl der Beschwerdeführer aus dem Umland ist dagegen von 509 auf 354 gesunken. Im Umland kamen die meisten Beschwerden aus Norderstedt. 

Richtung Norderstedt/Quickborn

Die meisten An- und Abflüge in 2018 gingen wie in der Vergangenheit in Richtung Norderstedt – jeweils 44% der Flugbewegungen. Dementsprechend war Segeberg 2018 auch der Kreis mit den meisten Beschwerden, was vor allem auf die hohe Zahl von nicht zuzuordnenden Beschwerden aus Norderstedt zurückzuführen ist. Auch bei den Beschwerdeführenden aus dem Umland stach Norderstedt mit 103 Personen hervor. 2017 war die Zahl der Beschwerdeführer und Beschwerdeführerinnen aus Norderstedt ähnlich hoch, die Zahl der Beschwerden betrug allerdings nur ein Viertel.

Die Zahl der Beschwerden aus dem Kreis Pinneberg ist von 2017 auf 2018 leicht gestiegen, mit ca. 4.300 Beschwerden war sie jedoch viel geringer als in den anderen Kreisen. Die Zahl der Beschwerdeführenden ist von 163 auf 119 gesunken. Charakteristisch für den Kreis Pinneberg ist, dass die Beschwerdeführer und Beschwerdeführerinnen aus vielen verschiedenen Orten kommen. Je nach Start oder Landung sind unterschiedliche Orte von Fluglärm betroffen. Quickborn (vor allem belastet bei Landungen) und Hasloh (vor allem belastet bei Starts) waren weiterhin entsprechend stark vertreten.

Richtung Langenhorn/Lemsahl

Der Stadtteil Langenhorn ist der Stadtteil mit den meisten Beschwerdeführern und Beschwerdeführerinnen in Hamburg (161). Die Beschwerdezahlen (1.135) sind angesichts der Fluglärmbelastungen als moderat einzuschätzen. In 2018 beschwerten sich zahlreiche Beschwerdeführende über die vergleichsweise vielen Starts über die Piste Langenhorn (13,1%), auch wenn die Flugbewegungen aufgrund der langen Sperrung insgesamt um ca. 5% zurückgegangen sind.

Aus dem Bezirk Wandsbek gibt es ein uneinheitliches Bild. Die Beschwerden aus dem Bezirk Wandsbek sind 2018 um fast 60% auf rund 11.000 Beschwerden zurückgegangen. Die Zahl der Beschwerdeführer und Beschwerdeführerinnen ist dagegen um über 50% angestiegen.

Die Zahl der Beschwerdeführenden aus dem Kreis Stormarn betrug 2018 95, 2017 waren es mit 205 noch mehr als doppelt so viele Beschwerdeführer und Beschwerdeführerinnen. Auch die Zahl der Beschwerden ist um 30% zurückgegangen. Von den ca. 28.000 Beschwerden machten die zuzuordnenden Beschwerden mit 85% den größten Teil aus. Wie im Kreis Pinneberg ist auch im Kreis Stormarn die Zahl der Beschwerdeführer und Beschwerdeführerinnen auf mehrere Orte verteilt.

Richtung Niendorf/Blankenese

Der Bezirk Altona war 2018 der Bezirk mit den meisten Beschwerden, anders als im Vorjahr, als Wandsbek vorne lag. Vor allem gab es eine starke Zunahme an nicht zuzuordnenden Beschwerden in den Stadtteilen Nienstedten (25.054), Iserbrook (20.325) und Osdorf (17.223). Die Zahl der Beschwerdeführer und Beschwerdeführerinnen ist dagegen nur in Osdorf mit 80% (2018: 66 Personen; 2017; 37) signifikant gestiegen. Die starken Anstiege sind nicht alleine mit der Verteilung der An- und Abflüge zu erklären. Die Bahnnutzung war in 2018 (24%) zwar höher als in 2017 (21%), allerdings mit deutlich mehr Landungen.

Gleiches gilt für die Beschwerden aus dem Bezirk Eimsbüttel. Sie sind trotz des moderaten Zuwachses an Flugbewegungen stark angestiegen, was vor allem auf nicht zuzuordnende Beschwerden aus Niendorf zurückzuführen ist. Aus Niendorf beschwerten sich 134 Personen, im Jahr vorher waren es 86 Personen.

Piste Alsterdorf/Hamm

Die Innenstadtbahn wird gemäß den Bahnbenutzungsregeln nur in Ausnahmefällen genutzt. 2017 und 2018 gab es eine große Zunahme an Beschwerdeführern und Beschwerdeführerinnen aus der Einflugschneise Alsterdorf/Hamm (2017: knapp 480 Personen, 2018: 580). Die Stadtteile mit den meisten Beschwerdeführenden waren Barmbek-Süd, Alsterdorf, Winterhude und Hamm. Neben der jährlichen zweiwöchigen Pistensperrung, die in 2017 der Hauptgrund für die hohe Zahl an Beschwerdeführern und Beschwerdeführerinnen war, lag es 2018 vor allem an der langen Pistensperrung der Hauptlanderichtung aus Langenhorn im April/Mai, infolgedessen im Mai bis zu 20% aller Flüge über Alsterdorf landeten und 13% starteten.

Beschwerdegründe

Bei jeder Fluglärmbeschwerde sind bei der Angabe der Beschwerdegründe Mehrfachnennungen möglich. Dies wird vor allem bei den zuzuordnenden Beschwerden genutzt - im Durchschnitt werden hier 1,7 Beschwerdegründe pro Beschwerde angegeben. Bei den nicht zuzuordnenden sind es dagegen nur 1,1 Gründe pro Beschwerde.

Bei 85% der Fluglärmbeschwerden beschweren sich die Beschwerdeführer über die Häufigkeit der Flugbewegungen. Danach folgen mit großem Abstand die Gründe "Flugzeuge im Einzelfall" und "Störung der Nachtruhe". Angesichts der hohen Zahl an Verspätungen in 2018 ist es nicht überraschend, dass sich fast ein Drittel aller zuzuordnenden Beschwerden mit der Störung der Nachtruhe beschäftigen.

Lesen Sie mehr zur Methodik der Datenerhebung und Datenschutz in dem Artikel Fluglärmbeschwerden.

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