Symbol

12. April 2016 Empfang des Präsidenten der Vereinigten Mexikanischen Staaten

Grußwort des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz.

Empfang des Präsidenten der Vereinigten Mexikanischen Staaten

Sehr geehrter Herr Präsident,
Exzellenzen,
sehr geehrter Herr Vizepräsident der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrte Damen und Herren,

willkommen in unserem Rathaus. Dieses schöne Gebäude ist zwar altehrwürdig, aber es ist viel jünger als die guten Beziehungen, die uns verbinden. Bereits 70 Jahre vor der Einweihung des Hamburger Rathauses, nämlich 1827, hatten die Hansestädte Hamburg, Lübeck und Bremen einen Schifffahrts- und Freundschaftsvertrag mit dem jungen, unabhängigen Staat Mexiko unterschrieben. Und auch der erste Diplomat Deutschlands in ihrem Land war ein Vertreter Hamburgs – der Kaufmann und Konsul Herman Nolte. Damit war unsere Stadt schon damals Vorreiter – sie hatte erkannt, wie viele Gemeinsamkeiten sie mit unseren Freunden in Lateinamerika hat und wie wichtig unsere Beziehungen sind. 

So ist es geblieben. Und daher begrüße ich Sie, sehr geehrter Herr Präsident, Ihre Delegation mit den Ministern sowie die Vertreter der Unternehmen aus Mexiko sehr herzlich in der Freien und Hansestadt Hamburg.

Dass wir heute nebenan im großen Festsaal einen deutsch-mexikanischen Wirtschaftstag begangen haben und auch bei diesem Abendessen viele Unternehmen vertreten sind, führt eine gute Tradition fort. Denn die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Hamburg und Mexiko reichen noch weiter als der erwähnte Vertrag zurück. Im Jahre 1798, also mehr als zwei Jahrzehnte vor der Gründung der Estados Unidos Mexicanos [Me’chi.kanos], lief das erste Handelsschiff aus Deutschland den Hafen von Veracruz ein – es kam, Sie werden es ahnen, aus Hamburg.

Bis heute spielen die Häfen in unseren vertrauensvollen Verbindungen eine wichtige Rolle. Überall in Mexiko kennt man die Container der beiden Hamburger Reedereien Hamburg Süd und Hapag Lloyd. Und auch mexikanische Seegüter werden regelmäßig zu uns verschifft.
Dank verbesserter Anbindungen hat der direkte Containerverkehr zwischen Hamburg und Veracruz im vergangenen Jahr weiter zugenommen, und ich hoffe, dass wir die Zusammenarbeit in Zukunft noch intensivieren können.

Mexikanische Unternehmen, die mit Baustoffen oder Stahl handeln, haben Niederlassungen in Hamburg – vielleicht möchte der eine oder andere der anwesenden Vertreter eines mexikanischen Unternehmens es ihnen in Zukunft gleichtun. Wir freuen uns, wenn die aktive mexikanische Gemeinschaft in unserer Stadt weiter wächst.

Aber keine Sorge, Herr Präsident, wir haben natürlich nicht nur das Wohlergehen unserer Stadt im Blick. Viele bedeutende Hamburger Firmen sind in Ihrem Land präsent – ich denke zum Beispiel an die Helm AG, die Neumann Gruppe oder Globe Chemicals. Erst vor zwei Jahren hat Beiersdorf im Bundesstaat Guanajuato [gwa.naˈchwa.to] ein Werk eröffnet – das zweitgrößte nach dem Mutterhaus in Hamburg. Schön, dass die Vertreter dieser Unternehmen ebenfalls an unserem gemeinsamen Abend teilnehmen.

Aber nicht nur einzelne Unternehmen, ganze Wirtschaftszweige kooperieren miteinander. Besonders erwähnen möchte ich die Zusammenarbeit zwischen unserem erfolgreichen Luftfahrtcluster HamburgAviation und dem Aerospace Cluster Monterrey. Die Deutschen unter uns wissen, dass Hamburg der drittgrößte Standort der zivilen Luftfahrt in der Welt ist – da bietet sich eine Kooperation mit einem aufstrebenden Luftfahrtstandort wie Mexiko an.

Meine Damen und Herren,

gute Beziehungen entstehen auch, aber nicht allein durch wirtschaftliches Interesse. Deshalb freuen wir uns in Hamburg nicht nur über die Container aus Mexiko, sondern im Juni auch auf das Einlaufen der imposanten Dreimast-Bark Cuauhtémoc, dem Segelschulschiff der mexikanischen Marine.

Auch Ihr Besuch, Herr Präsident, zeigt, dass Hamburg bis heute das lateinamerikanische Zentrum Deutschlands ist. So ist die wichtigste Wirtschaftsvereinigung zwischen Deutschland und Lateinamerika in unserer Stadt zuhause – der Lateinamerika-Verein feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Das German Institute of Global and Area Studies (GiGA) mit dem Institut für Lateinamerika-Studien forscht und lehrt über die Region, und das Europäische Zentrum für Lateinamerika (EZLA) bietet Unternehmen einen ersten Anlaufpunkt in unserer Stadt.

Diese besondere Beziehung Hamburgs zu Lateinamerika hat die 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und die Länder Lateinamerikas und der Karibik dazu veranlasst, Hamburg zum Standort der gemeinsamen EU-Lateinamerika-Karibik-Stiftung (EU-LAC) zu bestimmen. Seit 2011 ist die Stiftung aktiv und ich hoffe, dass sie auch in Zukunft auf die Unterstützung Mexikos zählen kann. Wir brauchen dieses Instrument der Zusammenarbeit mehr denn je. Denn Deutschland und die meisten Staaten Lateinamerikas teilen die Vorstellung, dass Demokratie, soziale Marktwirtschaft und offene Gesellschaften für Frieden und Wohlstand auf der Welt grundlegend sind.

Sehr geehrter Herr Präsident,

die Hamburgerinnen und Hamburger sind neugierig auf Kultur und Alltag Ihres Landes und begrüßen das duale Jahr 2016/2017, bei dem sich Mexiko in Deutschland und Deutschland in Mexiko präsentiert. „Eine Allianz für die Zukunft“ heißt das Motto.

Das ist ein gutes Stichwort. Hamburg ist auf dem Weg in die Zukunft, technologisch, in der Stadtentwicklung, in der Bildung. Schon heute stellen wir Weichen für die Mobilität von morgen, entwerfen neue Quartiere, die den veränderten Bedürfnissen der Stadtbewohner entsprechen, setzen auf smarte Technologien, auf Forschung und innovative Unternehmen.

Natürlich spielt der Umwelt- und Klimaschutz dabei eine wichtige Rolle. Die Erfahrungen aus der deutschen Energiewende und unser Einsatz für erneuerbare Energien, insbesondere die Windkraft, dürften auch für Mexiko interessant sein – wir sollten in der Umwelttechnik über weitere Kooperationen nachdenken.

Wir können vieles miteinander und voneinander lernen, zum Beispiel im Bereich der dualen Berufsausbildung. Deshalb freuen wir uns, dass mexikanische Unternehmen Interesse an den vorbildlichen Hamburger Modellen finden. Denn eine gute Ausbildung ist immer noch die beste Voraussetzung für ein gutes Leben.

Mexiko steht vor großen Herausforderungen, und wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei deren Bewältigung. Auch in Hamburg wurden wir in den vergangenen Monaten stark gefordert. Die kriegerischen Konflikte in Syrien und anderen Ländern haben viele Schutzsuchende in unsere Stadt geführt. So mussten wir allein im vergangenen Jahr 24.000 neue Flüchtlinge unterbringen. Die Integration der Geflüchteten gehört zu unseren wichtigsten Aufgaben. Hier schauen wir auch auf die Erfahrungen Mexikos, das international hohes Renommée in der Asylpolitik und der Integration genießt.

Viele Hamburger Bürgerinnen und Bürger leisten großzügig Hilfe und mischen sich mit ihrer demokratischen Stimme in die Belange des Gemeinwesens ein. Darauf bin ich als Bürgermeister sehr stolz. Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass wir viele Fragen nicht allein beantworten können. Deshalb setzen wir uns in der Bundespolitik wie in Europa intensiv für gemeinsame Lösungen ein.

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Gesprächsstoff wird uns also auch mehr als 200 Jahre, nachdem das erste Schiff aus Hamburg in Veracruz festgemacht hat, nicht ausgehen. Deshalb freue ich mich, dass Sie, Herr Präsident, im Juli des kommenden Jahres, wenn der G20-Gipfel in Hamburg tagt, wieder zu Gast in der Hansestadt sein werden. Vielleicht haben Sie dann Lust und Zeit, unseren Hafen, die Airbus-Werft oder die Elbphilharmonie zu besuchen.

Am 11. und 12. Januar 2017 werden wir unser neues Wahrzeichen eröffnen, gestern haben wir das Programm für die erste Spielzeit der Öffentlichkeit vorgestellt. Wir freuen uns sehr darauf, dass nun bald die weltbesten Orchester und Künstler in diesem besonderen Konzerthaus auftreten werden. Ich lade Sie herzlich ein, in Ihrem Land Werbung für die Elbphilharmonie zu machen – ich weiß, dass es auch bei Ihnen viele Liebhaber klassischer Musik gibt.

Aber jetzt bin ich gemeinsam mit unseren Gästen vor allem auf Ihre Ausführungen gespannt!
 

Empfehlungen