Erlebnis-Bericht zur Flutnacht am 16./17. Februar 1962 und danach

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1962 wohnte ich noch mit meinem Bruder Heinz bei meinen Eltern in Neuenfelde, in der Hasselwerder Straße 46. […] Aber ich war zu jung und unbedarft, um das Ausmaß einer lebensbedrohenden Gefahr abzuschätzen. Und, na ja, wir hatten doch schon so viele Fluten erlebt.

Erlebnis-Bericht zur Flutnacht am 16./17. Februar 1962 und danach


Und: ich war frisch verliebt und freute mich auf meine Verabredung mit meinem damaligen Freund und heutigem Ehemann Hans-Heinrich. Wir wollten ins Kino, in den „Schützenhof“. Es wurde der Film „Via Mala“ gezeigt, ein Familiendrama. Als wir nach der Vorstellung das Kino verließen, waren wir erleichtert, dass wir selbst eine solche Katastrophe nicht erleben mussten. Dass uns eine andere Katastrophe kurz bevorstand und dass diese Vorstellung die letzte in diesem Kino gewesen war, das konnten wir nicht ahnen.

Wir machten uns auf den Heimweg und stiegen auf den Deich an der Hasselwerder Straße. Dort stellten wir erschrocken fest, dass das Wasser schon fast bis an die Deichkrone reichte. Viele Leute, die auf dem Deich standen oder sich noch an den Schotten betätigten, warnten, dass es ganz schlimm werden könnte. Ein erfahrener Bauer sagte: „Wenn de Rosengoorn ierstmol fullööpt, denn gifft dat Luft, so wüür dat 1936 ok.“ Andere gaben zu bedenken, dass der Wasserstand für die nächste Flut doch erst für 4.00 Uhr morgens erwartet werden würde. Mein Freund wurde unruhig und machte sich auf den Heimweg. Er wohnte damals bei seinem Onkel Hans Reimers, am Neuenfelder Fährdeich Nr. 7. Ich lief im Dauerlauf den restlichen Weg allein nach Hause.
Dort angekommen, machte ich mich mit meiner Mutter daran, Kartoffeln und Brennholz aus dem Keller nach oben zu holen. Wir hatten kaum etwas geschafft, als mein Bruder total aufgeregt in den Keller schrie: „Kommt sofort no oben, dat Water lööpt al öbern Diek!“ Uns blieb nur noch die Zeit, Jacke und Stiefel zu packen und uns rennend auf den Weg zur Mühle auf dem Deich zu machen.

Auf dem Damm, der von unserem Haus zur Straße führte, kam uns das Wasser schon entgegen. Wir liefen wie um unser Leben. Wir mussten zur Treppe am Deich, die zur Mühle rauf führte, aber sie war zu weit! Wir versuchten auf allen Vieren am Deich hochzukommen, was sehr schwer war, weil Ströme von Wasser uns schon entgegen kamen. Uns alle, Nachbarn und Verwandte erfasste pure Panik. Ich hörte, wie sie angstvoll durcheinander um Hilfe schrien; einige stürzten, rutschten am Deich immer wieder ab. Unsere Nachbarin, Anna Stelling, brach sich dabei den Arm, was erst Tage später
festgestellt wurde. Dann waren wir in Sicherheit, wir waren in der Mühle.


Auszug aus dem „Erlebnis-Bericht zur Flutnacht am 16./17. Februar 1962 und danach“ in: Genz, Monika: Der Baum Neuenfelde. Geschichte und Geschichten von Menschen. Moisburg 2010, S. 107 f. (www.der-baum-neuenfelde.de)

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