Kurzüberblick Hamburgs Geschichte

Die Hansestadt an der Elbe besitzt in ihrem mehr als 1000-jährigem Bestehen eine sehr spannende und abwechslungsreiche Geschichte. Einige prägende Höhen und Tiefen Hamburgs sind nachfolgend in chronologischer Reihenfolge dargestellt.  

Die Höhen und Tiefen der Hamburger Stadtgeschichte im Überblick

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Hammaburg

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Unter dem Namen Hammaburg ist ein Dorf aus dem 9. Jahrhundert bekannt, das sich auf dem heutigen Domplatz am Speersort befunden hat. Aus diesem sollte sich später die Stadt Hamburg entwickeln. Der Name Hammaburg setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: Das altsächsische Wort „Ham/Hamme“ bedeutet Sumpfgelände am Fluss und eine Burg im damaligen Sinn ist eine befestigte Anlage, die von einem Schutzwall umgeben ist. In der Anfangszeit lebten dort 200 Bauern, Fischer und Handwerker. Im Jahr 832 gründete Papst Gregor IV. das Erzbistum Hamburg und der Bischof Ansgar wurde in die Hammaburg geschickt. Er ließ die erste Kirche Hamburgs bauen, den Dom St. Marien. Unter Ansgar sollten zudem die nördlicheren Gebiete missioniert werden. Spätestens nach 845 wurde ein Schutzwall um das Dorf gebaut, denn in dem Jahr wurde die Hammaburg von dänischen Wikingern überfallen und niedergebrannt. Während des Wikingerangriffs floh Ansgar nach Bremen und verlegte den Bischofssitz dorthin. Drei Jahre später wurden die Bistümer Hamburg und Bremen zusammengelegt, doch Ansgar kehrte zeitlebens nicht nach Hamburg zurück. Es kam zum Wiederaufbau des Dorfes, denn es lag an einem wichtigen Verbindungs- und Handelsweg. Die Alsterfurt war weit und breit die einzige Möglichkeit den damals noch nicht aufgestauten Fluss Alster zu überqueren. Um das Jahr 900 wurde eine neue, rund 150 Meter Durchmesser große und starke Befestigung errichtet, denn das Dorf befand sich im umkämpften Gebiet der Franken, Dänen und Slawen. Mit der schrittweisen Einführung des Christentums vom 10. bis zum 12. Jahrhundert wurde der Grundstein dafür gelegt, dass Hamburg sich in der Folgezeit zu einer wichtigen Handelsstadt entwickeln konnte.  

Neustadt und Freibrief Barbarossas


Die Neustadt wurde als Kaufmannssiedlung im Jahr 1188 durch Graf Adolf III. von Holstein aus dem Geschlecht der Schaumburger gegründet und auf dem Gelände der zerstörten Neuen Burg errichtet. Ein Jahr später verlieh der römisch-deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa der neuen Siedlung am 7. Mai einen Freibrief, der weitreichende Handels- und stadtrechtliche Privilegien enthielt. Im Jahr 1266 wurde das Dokument beglaubigt. Es gilt gewissermaßen als Geburtsurkunde des Hafens und als Grundlage für Hamburgs Aufstieg zu einer mächtigen Hansestadt. Dies wird jedes Jahr beim Hafengeburtstag groß gefeiert. 1216 wurde die Neustadt mit der Altstadt vereinigt, so dass ab diesem Zeitpunkt von der Stadt Hamburg gesprochen werden kann. Erst in 1907 stellte sich der Freibrief Barbarossas als Fälschung heraus. Ihre Rechtssicherheit ließen sich die Hamburger etwas kosten: 10.400 Mark, auf heute umgerechnet wären das etwa 1 bis 1,5 Millionen Euro. Möglich wäre allerdings, dass es zumindest eine Vorlage oder mündliche Absprache mit dem Kaiser gegeben hat. Ein weiteres Beispiel der kreativen Regelüberschreitung stellt die Elbkarte von Melchior Lorichs aus dem Jahr 1567 dar.

Hamburger Dom

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Der heute als größtes Volksfest Deutschlands bekannte Hamburger DOM fand seinen Anfang und Namen durch die erste Kirche Hamburgs, in der er im 11. Jahrhundert stattfand. Im Dom St. Marien suchten Händler, Handwerker, Gaukler und Quacksalber im Gotteshaus Schutz vor dem winterlichen Wetter. Zwar störte den Erzbischof Burchard von Bremen das weltliche Treiben in seiner Kirche, doch gestattete er die Anwesenheit der Händler und Schausteller im Dom im Jahr 1337 ausdrücklich – jedoch nur bei Hamburger „Schietwetter“. So wurde der Winterdom jedes Jahr wieder in der Kirche abgehalten, bis im Jahr 1805 der katholische Dom abgerissen wurde. Danach zogen die Händler und Schausteller durch die Stadtteile, erst knapp 90 Jahre später wurde ihnen das Heiligengeistfeld als fester Standort zugeteilt. Zum ursprünglichen Winterdom kamen im Jahr 1947 der Sommerdom und ein Jahr später der Frühlingsdom. 

Alsterhafen


Ursprünglich befand sich der Hamburger Hafen nicht an der Elbe, sondern an der Bille und später an der Alster. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts schufen Kaufleute, Handwerker und Schiffer einen Bereich am Ende des Nikolaifleets, der als Alsterhafen in die Geschichte eingehen sollte. Vom Mittelalter bis ins Jahr 1842 war dieses Areal das politische und wirtschaftliche Zentrum Hamburgs. Es war nicht nur deshalb so bedeutend, weil es sich im Herzen der Altstadt befand, sondern vor allem aufgrund der dort stehenden Gebäude. Neben der Alten Börse, dem Niedergericht, der Waage mit Commercium, in dem sich oben ein Versammlungsraum befand, und dem Umschlagplatz der Schiffe, befand sich an der Trostbrücke auch das ehemalige Hamburger Rathaus. Als im Laufe der Zeit das Nikolaifleet zu schmal und die Schiffe immer größer wurden, verlagerte sich der Hafen vom Nikolaifleet über den Binnenhafen an die Elbe. Während des Großen Brandes im Jahr 1842 wurde der Bereich des Alsterhafens komplett zerstört. Heute ist von der ehemaligen Struktur des Ortes nichts mehr zu sehen. An der Stelle des zerstörten Rathauses wurde im Jahr 1847 das Gebäude der Patriotischen Gesellschaft erbaut.

Störtebeker

Die norddeutschen Hansestädte hatten in der Zeit vom 13. bis zum 16. Jahrhunderts ein großes Problem mit Piraten. Diese überfielen die Handelsschiffe, die Koggen, die diverse Handelsgüter transportierten. Deswegen schlossen sich einige Städte zusammen, um die Piraten zu bekämpfen. Hamburg trat diesem Bündnis im 14. Jahrhundert bei. Der bekannteste Pirat in der hamburgischen Geschichte ist Klaus Störtebeker, um den sich bis heute viele Legenden ranken. Er wurde im Jahr 1401 von Hamburger Ratsherren auf der „Bunten Kuh“ vor Helgoland gestellt. Angeblich machte einer von Störtebekers Männern das Schiff manövrierunfähig. Die Mannschaft wurde nach Hamburg gebracht und auf dem Großen Grasbrook, einem Gebiet der heutigen HafenCity, warteten sie auf ihre Hinrichtung. Der Hamburger Bürgermeister versprach dem Kapitän jene Männer zu begnadigen, an denen er noch kopflos vorbeilaufen vermochte. Nach dem elften Mann stellte der Henker ihm der Sage nach ein Bein und anschließend wurden auch die übrigen 72 Piraten enthauptet. Die Köpfe wurden danach längs der Elbe am Hamburger Hafen aufgespießt, um abschreckend auf potenzielle Piraten zu wirken. Heute zeugt das Störtebeker-Denkmal in der HafenCity vom vermuteten Hinrichtungsort.

Hamburger Wallanlagen

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Obwohl es auch in früheren Jahrhunderten schon Befestigungsmauern um die Hamburger Altstadt gegeben hat, umschlossen die von 1616 bis 1625 errichteten Wallanlagen mit vorgesetztem Graben erstmals auch die Neustadt. Diese war im Gegensatz zur Altstadt noch relativ unbesiedelt und wies noch viele freistehende Grünflächen auf. Die Wallanlagen wurden als Schutzmaßnahme vor dem 30-jährigen Krieg errichtet, der Deutschland ab 1618 drei jahrzehntelang im Atem hielt. Die Reichweite der modernen Vorderladergeschütze und die verbesserte Treffsicherheit der Schützen machten den Bau zusätzlich notwendig. Sondersteuern und Handdienste realisierten das Vorhaben. Es gelang: Hamburg war bis zur Franzosenzeit im Jahr 1806 uneinnehmbar und innerhalb der Stadtmauern florierte der Handel. Die Menschen strömten durch die sechs großen Stadttore, um Zuflucht zu suchen. Die rund 17.000 Einwohner aus dem Jahr 1550 haben sich auf 40.000 Einwohner im Jahr 1616 mehr als verdoppelt. Namen wie Dammtor, Steintor und Millerntor erinnern an die ehemaligen Stadttore Hamburgs – aber Achtung: das Berliner Tor war nie ein Stadttor. Auch heute noch ist die halbkreisförmige Form der früheren Wallanlagen auf Stadtplänen ersichtlich, vor Ort allerdings eher schwierig auszumachen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden sie abgetragen und teils in Grünflächen verwandelt.

Deichstraße und Großer Brand 


Die Deichstraße am Nikolaifleet besitzt einige der letzten althamburgischen Bürgerhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Diese Tatsache allein macht die Straße schon zu etwas Besonderem. Doch diese Straße war auch Ausgangspunkt eines Großereignisses, das am 5. Mai 1842 im Haus mit der Nummer 44 seinen Anfang fand. Auf dem Dachboden eines Tabakwarenhändlers war um ein Uhr nachts ein Feuer ausgebrochen und dies breitete sich rasant aus. Die Fleete waren durch eine Dürre leerer als sonst und lieferten nicht genügend Löschwasser. Die Straßen waren überfüllt von Schaulustigen und Anwohnern, die ihr Hab und Gut in Sicherheit bringen wollten, so dass die Feuerwehrmänner in ihrer Arbeit behindert wurden. Aufgrund ihrer weißen Kleidung wurden die Männer auch „Wittkittel“ genannt. Der Brand wütete dreieinhalb Tage lang in nordöstliche Richtung und zerstörte einen Großteil der Hamburger Innenstadt.

Anfangs nahmen die Bürger die drohende Gefahr nicht wahr und gingen ihren täglichen Pflichten nach. So wurde beispielsweise in der ehemaligen Hauptkirche St. Nikolai noch ein morgendlicher Gottesdienst abgehalten, nur Stunden bevor der Kirchturm in Flammen stand und wenig später in sich zusammenfiel. Am Hamburger Hafen wurden außerdem 193 Seeschiffe abgefertigt. Erst spät wurde die Entscheidung zum selektiven Sprengen von Gebäuden getroffen, um den Flammen den notwendigen Sauerstoff zu rauben. Darunter befand sich auch das Rathaus an der Trostbrücke. Vorher wurden architektonische Bauteile wie die steinernen Statuen früherer Kaiser von der Außenwand abgenommen und im Kellergewölbe des Michels in Sicherheit gebracht. Heute befinden sich die Statuen an der äußeren Längsseite des Hamburg Museums. Nur wenige Gebäude wie die Neue Börse wurden unter unermüdlichem Löscheinsatz gerettet. Sie war erst ein Jahr zuvor offiziell eingeweiht worden. Der Alsterhafen, der Jungfernstieg und die Kirche St. Petri wurden vollständig zerstört. Erst vor dem Gänsemarkt und in der nach dem Ereignis benannten Straße "Brandsende" wurde den Flammen Einhalt geboten. Nach dem Brand glich die Innenstadt einer Trümmerwüste. Die schwarzweiße Aufnahme vom abgebrannten Jungfernstieg in der Bildergalerie gilt weltweit als das erste Reportage-Foto.  

Freihafen und Bau der Speicherstadt


Im Jahr 1871 trat Hamburg dem Deutschen Kaiserreich bei, doch die Stadt blieb Zollausschlussgebiet. Erst mit dem am 25. Mai 1881 vereinbarten Zollanschlussvertrag, der nach langen Verhandlungen mit Reichskanzler Bismarck zustande kam, änderte sich das. Im Gegenzug sollte der Freihafen entstehen, ein Bereich in dem weder Zölle noch Einfuhrumsatzsteuern gezahlt werden mussten. An dessen Baukosten von 106 Millionen Reichsmark beteiligte sich das Deutsche Reich mit 40 Millionen Reichsmark. In dem Zollanschlussvertrag wurde auch der Bau der Speicherstadt beschlossen, deren Kontorhäuser ab 1883 erbaut wurden. In diesem Vorgang verloren rund 24.000 Menschen ihre Wohnungen und 1.100 Häuser wurden niedergerissen. Alfred Lichtwark, ehemaliger Direktor der Hamburger Kunsthalle, prägte in dieser Zeit den Ausspruch der „Freien und Abrissstadt Hamburg“. Zuvor standen auf dem Kehrwieder einfache Häuser der Armen und auf dem Wandrahm barocke Luxushäuser der Reichen. Die wohlhabenderen Familien bauten ihre Sommerresidenzen an der Alster und der Elbe zu Hauptwohnsitzen um, die Menschen des Armenviertels wurden dazu angehalten in die neu errichteten Arbeiterquartiere in Barmbek und Hammerbrook umzuziehen. Doch ein Großteil der Menschen war auf die Arbeit am Hafen angewiesen und so zogen sie mit ihren Familien in die Armenviertel der Südstadt. Günstige und weitreichende öffentliche Verkehrsmittel wurden erst mit dem Bau der U-Bahn im Jahr 1912 eingeführt. Am 29. Oktober 1888 weihte Kaiser Wilhelm II. die Speicherstadt am sogenannten „Kaisertag“ offiziell ein, doch abgeschlossen war zu der Zeit erst der erste Bauabschnitt. Mit Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg wurde die Speicherstadt im Jahr 1927 fertiggestellt. Die Blöcke Y und Z, für die das Gelände der Ericusspitze vorgesehen war, wurden nicht mehr gebaut. Durch die Operation Gomorrha im Zweiten Weltkrieg wurde ungefähr die Hälfte der Speicherstadt zerstört. Der originalgetreue Wiederaufbau fand im Jahr 1967 seinen Abschluss. Am 1. Januar 2013 wurde der Freihafen, der rund ein Fünftel des Hamburger Hafengebiets ausmachte, aufgelöst. Damit ging in Hamburg eine Ära zu Ende.

Gängeviertel und Cholera-Epidemie

Der stetige Bevölkerungsanstieg ab dem 16. Jahrhundert führte in Hamburg langsam zu einer immer engeren Bebauung. Dies machte sich vor allem in der Altstadt um St. Jacobi und in späterer Zeit um St. Michaelis in der Neustadt bemerkbar. Diese Areale wurden Gängeviertel genannt, da sie enge labyrinthartige Wege aufwiesen. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts wurde die Bebauung noch enger, so dass selbst Handkarren nicht mehr durch alle Gänge passten. Die Wohnungsnot war so akut, dass selbst die dunkelsten Hinterhöfe von an der Hauptstraße stehenden Vorderhäusern bebaut wurden. In diesen Höfen standen zwei parallel verlaufende Reihen sogenannter Buden, in denen ganze Großfamilien auf einer Fläche von 20 bis 25 Quadratmetern lebten. Diese Mietswohnungen waren dunkel, feucht und oft voller Ungeziefer. Zudem gab es nur ein freistehendes Plumpsklo für den gesamten Häuserblock. Wasser wurde von den Armen aus öffentlichen Brunnen geschöpft, deren Wasser noch nicht gefiltert wurde. Die Elbe war somit Trinkwasserreservoir und Kloake zugleich. Diese miserablen Lebensumstände führten oft zu Krankheiten. Eine der schlimmsten Epidemien brach in Hamburg im Spätsommer 1892 aus und übertrug sich über einen Erreger im Wasser. Mitte August erkrankten die ersten Hafenarbeiter. Um den Handel im Hafen nicht zu beinträchtigen, wurde es verheimlicht. Am 15. August starb dann der erste Hafenarbeiter. Weitere Todesopfer folgten. Der Senat veröffentlichte eine Zahl von 20 Todesfällen, die in Wahrheit jedoch bei rund 200 Opfern lag. Der Entdecker des Cholera-Erregers, Robert Koch, kam am 24. August nach Hamburg und erschrak über die Zustände in den Gängevierteln: "Meine Herren, ich vergesse, dass ich in Europa bin. Ich habe noch nie solche ungesunden Wohnungen, Pesthöhlen und Brutstätten für jeden Ansteckungskeim angetroffen wie hier." Zwei Tage später bestätigte der Senat offiziell, dass in der Stadt eine besonders aggressive Form des Cholera-Erregers, die „cholera asiatica“, ausgebrochen sei. Die Isolierung der Hansestadt begann und es entstanden immense wirtschaftliche Schäden. Am 30. August fand die Epidemie ihren Höhepunkt: 484 Tote und 1.081 Erkrankungen an nur einem Tag. Zehn Wochen lang wütete die Cholera in Hamburg, zirka 17.000 Menschen erkrankten, 8.605 starben. Ein Großteil der Opfer stammte aus den Hamburger Gängevierteln.

Groß-Hamburg-Gesetz


Am 26. Januar 1937 wurde unter den Nationalsozialisten das Groß-Hamburg-Gesetz erlassen, das am 1. April desselben Jahres in Kraft trat. Volkswirtschaftlich wichtige Gebiete aus benachbarten preußischen Landkreisen und kreisfreien Städten wurden dadurch in Hamburg eingemeindet. Unter den 30 neuen Gemeinden befanden sich auch die ehemaligen Städte Altona, Wandsbek und Harburg-Wilhelmsburg. Dafür trat Hamburg neben Geesthacht, Großhansdorf, Schmalenbeck auch Ritzebüttel mit seinen Inseln Scharhörn und Neuwerk an Preußen ab. Zusätzlich musste Hamburg weitere Gebiete rund um Cuxhaven und kleinere hamburgische Exklaven abgeben. Nach einer Übergangsphase von zwölf Monaten wurde zum 1. April 1938 die Einheitsgemeinde Hansestadt Hamburg ausgerufen. Hamburg wuchs so von 415 auf 745 Quadratkilometer Fläche und um fast eine halbe Million auf 1,68 Millionen Einwohner an. Mit dem Groß-Hamburg-Gesetz wurde die Hamburgische Verfassung außer Kraft gesetzt und durch das „Gesetz über die Verfassung und Verwaltung der Hansestadt Hamburg“ ersetzt, die die Unabhängigkeit der Stadt den Reichsinteressen völlig unterordnete. 

Operation Gomorrha


Der militärische Codename "Operation Gomorrha" bezeichnet die britischen und amerikanischen Luftangriffe auf Hamburg vom 24. Juli bis zum 3. August 1943. Benannt wurde die Operation durch den britischen Marschall Sir Arthur Harris, der sich auf die Bibelstelle im 1. Buch Mose 19,24 berief: "Da ließ der HERR Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorra“. Harris sah die Bombardierungen als Vergeltung für die deutschen Luftangriffe auf britische Städte. Damit sollten Unruhen gegen das NS-Regime und der Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung hervorrufen werden. Bei fünf Nachtangriffen und zwei Tagesangriffen starben rund 35.000 Menschen, verloren zirka 900.000 ihr zu Hause und 80% des Hafens wurde zerstört. Dabei gingen die Alliierten nach einer 2-Phasen-Bombenstrategie vor: Die Sprengbomben deckten die Dächer ab, die nachfolgenden Brandbomben setzten die Gebäude in Flammen. Eine wochenlange Hitzewelle trug dazu bei, dass die Bomben wahre Feuerstürme auslösten und das Feuer immer weiter angeheizt wurde. Hamburg sollte vollständig zerstört werden. Während sich die Amerikaner auf die Hafenanlagen und die dortige Industrie konzentrierten, zielten die Briten auf die Wohngebiete. Als Orientierungspunkt galt der höchste Kirchturm der Stadt: St. Nikolai. Binnen Minuten standen ganze Häuser in Flammen. Das Feuer sprang von einem Haus zum nächsten und bald brannten ganze Stadtteile. Um der unerträglichen Hitze zu entkommen, suchten die Menschen Zuflucht in Kellern. Die meisten Opfer starben durch Brandgasvergiftungen. Bei einer Flucht auf die Straße wurden sie bei lebendigem Leib verbrannt. Am 3. August 1943 sollte eine letzte finale Bombardierung stattfinden. Jedoch zwang ein schweres Gewitter die Piloten der Bomber zur Umkehr, ein erneuter Versuch wurde nicht unternommen. Hamburg hatte die schlimmsten Luftangriffe, die es jemals auf eine deutsche Stadt gab, überlebt. Die Flugeinsätze waren damals wie heute umstritten.

Sturmflut


Die Flutkatastrophe durch die Sturmflut in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 nahm mit einem Deichbruch am Neuenfelder Rosengarten seinen Anfang. Weiteres Übertreten der Deiche erfolgte in Altenwerder. Die meisten Hamburger fühlten sich in dieser stürmischen Nacht sicher und ahnten von der herannahenden Katastrophe nichts. Die Elbinsel Wilhelmsburg traf es durch den Deichbruch am Spreehafen am härtesten. Zu der Zeit lebten dort mehr als 60.000 Menschen und als gegen 1 Uhr nachts eine gewaltige Flutwelle die ersten Bereiche unter Wasser setzte, war es für eine Evakuierung zu spät. Die geringsten Überlebenschancen hatten jene, die in den tief gelegenen Gartenkolonien in Lauben und anderen Behelfsunterkünften lebten. Die Telefone und  Sirenen funktionierten nicht mehr. Der Strom fiel aus. Ein Orkan der Windstärke 13 peitschte über das Land. Gartenhäuser wurden von den Wassermassen mitgerissen. Die Menschen retteten sich auf die Dächer ihrer Wohnungen oder auf Bäume. Jung und Alt verbrachten eine eisige Februar-Nacht im Freien. So erging es ebenfalls den Bewohnern der Veddel, im Alten Land und in Billwerder-Moorfleet. Zirka 150.000 Menschen waren vom Wasser eingeschlossen und brauchten dringend Hilfe. Die Flut war auch in der Innenstadt spürbar: Um 2.40 Uhr wurde der Rathausmarkt überschwemmt und die Stromversorgung brach in vielen Stadtteilen zusammen. Gegen drei Uhr erreichte die Flut mit 5,73 über Normalnull am Pegel St.-Pauli ihren Höchststand. Dies war die Glanzstunde Helmut Schmidts. Der damalige Innensenator übernahm die Leitung des Katastrophenstabs und koordinierte alle Kräfte der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Er handelte unbürokratisch und setzte sich – wenn nötig – auch über bestehende Gesetze hinweg: 8000 Soldaten und 80 Hubschrauber der Bundeswehr orderte er nach Hamburg, obwohl das Grundgesetz einen solchen Bundeswehreinsatz damals noch nicht zuließ. Rund 25.000 nationale und internationale Helfer kämpften gegen die Zeit und brachten 20.000 Menschen in eingerichtete Notquartiere. Trotz dieser umsichtigen und schnellen Hilfe starben 317 Menschen auf hamburgischem Gebiet. Danach wurden Maßnahmen getroffen und umgesetzt, die eine spätere noch größere Sturmflut verhinderten.

Hafenstraße


Bei einem Spaziergang durch die heutige farbenfrohe Hafenstraße lässt nichts erahnen, welche bürgerkriegsähnlichen Zustände dort in den 1980er Jahren herrschten. In einem Zeitraum von fünfzehn Jahren kam es in der Hafenstraße und der Bernhard-Nocht-Straße zu Hausbesetzungen, Straßenbarrikaden, Festnahmen und Räumungen. Es waren diese Reaktionen des Widerstands gegen den Senat der Stadt, die die Hafenstraße zu einem wichtigen Kapitel der politischen Geschichte Hamburgs machen.  Ausgelöst wurde der Widerstand im Jahr 1981 durch illegale Hausbesetzungen von acht Gründerhäusern, die leer standen und abgerissen werden sollten. Moderne Neubauten mit bis zu 22 Geschossen waren an deren Stelle vorgesehen. Die Situation zwischen Besetzern und Stadt heizte sich auf. Mietverträge über drei Jahre führten zu einer kurzlebigen Entspannung. Am 20. November 1986 – kurz vor Ablauf der Verträge – gingen rund 12.000 Menschen auf die Straße, um gegen den Abriss der Häuser zu protestieren. Es kam zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Die späteren Pachtverhandlungen wurden von beiden Seiten als gescheitert angesehen und alles deutete auf eine angeordnete polizeiliche Räumung hin. Wochenlang wohnten bis zu 20 Leute in einem Zimmer, um dabei zu sein, wenn die Ordnungskräfte  anrücken würden. Der Tag kam und 5.000 Polizisten standen zur Räumung der Gebäude bereit. Der Aufbau von Barrikaden stellte für die Besetzer das einzige Mittel dar, um die drohende Räumung zu verhindern. Die Lage drohte zu eskalieren. Die Bevölkerung rechnete bei einer Räumung mit Todesopfern. Dann handelte der damalige Bürgermeister Klaus von Dohnanyi gegen den Rat des Senats und bürgte mit seinem Amt für die Durchsetzung eines neuen Pachtvertrags. Voraussetzung war der Abbau der Barrikaden binnen weniger Stunden. So geschah es und ein mühsam ausgehandelter Mietvertrag wurde unterzeichnet. Für diesen Alleingang wurde von Dohnanyi später die Theodor-Heuss-Medaille verliehen. Unter dem neuen Bürgermeister und Hafenstraßen-Kritiker Voscherau wurde der Pachtvertrag im Jahr 1993 erneut gekündigt. Im Folgejahr bot Voscherau jedoch überraschend an auf Räumung und Abriss zu verzichten, wenn die Bebauung von angrenzenden Freiflächen akzeptiert würde. Ohne große Proteste begann der Bau von 55 Sozialwohnungen. Gegen Ende 1995 verkaufte die Stadt die Häuser für rund 2 Millionen Deutsche Mark an die durch einen Teil der Bewohner eigens zu diesem Zweck gegründete Genossenschaft "Alternativen am Elbufer".

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