Hamburger Hafen Geschichte Von der Bille zur Elbe

Der Hamburger Hafen verlagerte sich von der Bille über den Alsterhafen zur Elbe. Die wichtigsten Fakten und Hintergründe zum zweitgrößten Containerhafen Europas haben wir zusammengefasst. 

Die Geschichte des Hamburger Hafens im Überblick: Von der Bille zur Elbe

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Geschichte des Hamburger Hafens

Hamburgs erster Hafen


Beim Hamburger Hafen denkt jeder sofort an die Elbe. Doch dabei wissen viele gar nicht, dass sich der erste Hafen an einem mittlerweile zugeschüttetem Flussarm der Bille befand. Dieser floss aus dem Osten kommend in Richtung Altstadt, ungefähr entlang des heutigen Chilehaus' und der Domstraße. Er war klein und gehörte zur Hammaburg - einem Dorf aus dem 9. Jahrhundert. Aus ihm sollte ihn den folgenden Jahrhunderten Hamburg erwachsen. 

Der Handel spielte schon früh eine wichtige Rolle für die spätere Hansestadt. Maßgeblich dazu beigetragen hat die unmittelbare Nähe zur einzig weit und breiten Alsterfurt. Diese stellte die einzige Möglichkeit der Alsterüberquerung dar und befand sich in Nähe des heutigen Hamburger Rathauses. Die Furt entwickelte sich mit der Zeit zu einem wichtigen Verbindungs- und Handelsweg zwischen den südlichen und nördlichen Gebieten. Immer mehr Händler kamen so in das noch junge Dorf. Es entwickelte sich eine Alt- und Neustadt und auch der Hafen benötigte bald mehr Platz.

Freibrief Barbarossas

Am 7. Mai 1189 verlieh der römisch-deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa der Neustadt einen Freibrief. Mit ihm wurde Hamburg weitreichende Handels- und stadtrechtliche Privilegien verliehen. Der Kaiser sicherte den Hamburgern unter anderem die zollfreie Fahrt auf der Unterelbe bis zur Nordsee zu. Dies war ein bedeutender Vorteil gegenüber der Handelsstadt Stade. Im Jahr 1266 wurde das Dokument beglaubigt. Es gilt als Geburtsurkunde des Hafens und als Grundlage für Hamburgs Aufstieg zu einer mächtigen Hansestadt. Dies wird jedes Jahr beim Hafengeburtstag groß gefeiert. 

Im Jahr 1907 stellte sich der Freibrief Barbarossas, der sich heute im Hamburger Staatsarchiv befindet, als Fälschung des 13. Jahrhunderts heraus. Die Hamburger ließen sich Ihre Rechtssicherheit einiges kosten: 10.400 Mark, umgerechnet zirka 1 bis 1,5 Millionen Euro. Denkbar wäre allerdings, dass es eine Vorlage oder zumindest mündliche Absprache zwischen den Hamburger Ratsherren und dem Kaiser gegeben hat. Ein weiteres Beispiel der kreativen Regelüberschreitung stellt die Elbkarte von Melchior Lorichs aus dem Jahr 1567 dar.

Alsterhafen und der Beitritt zur Hanse


Der Ausbau und die Modernisierung des Hafens wurden erforderlich, nachdem immer mehr Kaufleute und Schiffer nach Hamburg kamen. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde der so genannten Alsterhafen erbaut. Er war vom Mittelalter bis zum Mai 1842 das politische und wirtschaftliche Zentrum der Stadt und befand sich am nördlichen Ende des heutigen Nikolaifleets. Neben dem Umschlagsplatz für Schiffe und weiteren wichtigen städtischen Gebäuden, befand sich das ehemalige Hamburger Rathaus am Alsterhafen.

Der wirtschaftliche Aufschwung Hamburgs setzte erst mit dem Beitritt zur Hanse so richtig ein. Besonders mit England, Flandern und den flämischen Ländern handelten die Hamburger. Die Hansestadt selbst war im ausgehenden Mittelalter als das "Brauhaus der Hanse" bekannt, denn in keiner anderen Stadt wurde mehr Bier gebraut als in Hamburg. 

Als im Laufe der Jahrhunderte das Nikolaifleet zu schmal und die Schiffe mit ihren Mästen zu groß wurden, verlagerte sich der Hafen über den Binnenhafen an die Elbe. Im heutigen Stadtbild ist vom Alsterhafen nichts mehr zu erkennen, da ein Großteil der Hamburger Innenstadt beim Großen Brand von 1842 vernichtet wurde.

Klaus Störtebeker und Piraten

Die norddeutschen Hansestädte hatten in der Zeit vom 13. bis zum 16. Jahrhunderts ein großes Problem mit Piraten. Diese überfielen die Handelsschiffe, die einmastigen Koggen, die diverse Handelsgüter transportierten. Deswegen schlossen sich norddeutsche Städte zusammen, um die Piraten zu bekämpfen. Hamburg trat diesem Bündnis im 14. Jahrhundert bei.

Der bekannteste Pirat der hamburgischen Geschichte ist Klaus Störtebeker. Um ihn und besonders um sein Lebensende ranken sich bis heute viele Legenden: Er und seine Männer wurden demnach im Jahr 1401 vor Helgoland von Hamburger Ratsherren auf der „Bunten Kuh“ gestellt. Einer seiner Männer habe das eigene Schiff manövrierunfähig gemacht, so dass die Ratsherren das Schiff einnehmen konnten und die Piraten nach Hamburg brachten.

Auf dem Großen Grasbrook, einem Teilgebiet der heutigen HafenCity, versprach der Bürgermeister Klaus Störtebeker jene Männer zu begnadigen, an denen der Kapitän noch kopflos vorbeizulaufen vermochte. Nach dem elften Mann stellte der Henker ihm der Sage nach ein Bein und anschließend wurden auch die restlichen 72 Piraten enthauptet. Die Köpfe wurden längs der Elbe zur Abschreckung aufgespießt. Das Störtebeker-Denkmal zeugt vom vermuteten Hinrichtungsort in der HafenCity. In der Geschichtswissenschaft ist Störtebekers Person jedoch umstritten. 

Walfang


Im Zeitraum von 1643 bis 1861 betrieb Hamburg Walfang. Sie war neben Emden die erste deutsche Stadt, die Schiffe ins Eismeer schickte. Die Männer jagten vor allem im Meer um Spitzbergen. Insgesamt wurden zirka 6.000 Fahrten unternommen, an denen viele stadtbekannte und wichtige (Hamburger) Kaufmannsfamilien beteiligt waren. Darunter zählen die Roosens, Amsincks, Hudtwalckers und van der Smissens.

Die Wale wurden vor allem wegen ihres Speckes gejagd, der ausgekocht wurde und als Waltran bis Ende des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Beleuchtungsmittel war. Aber auch das elastische Fischbein der Walbarten war begehrt - daraus konnten beispielsweise Knöpfe, Kämme, Lineale und Reifröcke gefertigt werden. Um 1750 waren die goldenen Zeiten des Walfangs vorbei. Viele Seeleute gingen nun dazu über zunehmend Robben zu jagen. Im späten 18. Jahrhundert und frühen 19. Jahrhundert kehrten immer mehr Walfänger ohne Beute von ihrer monatelangen Reise zurück. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts verließ der letzte Walfänger den Hamburger Hafen.

Vom Segel- zum Dampfschiff

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Mit dem Einsetzen der Industrialisierung veränderte sich auch im Hamburger Hafen viel. Am Ende des 18. Jahrhunderts setzten die ersten Handelsreisen zum amerikanischen Kontinent ein. Zucker, Kaffee und Kautschuk fanden so wie viele weitere Produkte ihren Weg nach Europa. Diese konnten anfangs aufgrund der hohen Preises nur von wohlhabenden Personen erworben werden. Verkauft wurden sie in Kolonialläden in der Hamburger Innenstadt. 

Am 17. Juni 1816 legte die "Lady of the Lake" in Hamburg an: das erste von vielen noch kommenden Dampfschiffen. Doch noch weit bis ins 20. Jahrhundert bestimmten Segelschiffe das Bild am Hafen. Aber immer öfter besaßen sie Dampfantrieb, bis dieser vollends die Ausrüstung der Schiffe übernahm.    

Tide- oder Dockhafen? Eine Erfolgsentscheidung


1835 wurde in Elbhöhe von St. Pauli ein eigener Dampfschiffanleger erbaut, um das Brandrisiko bei den Segelschiffen zu minimieren. Doch schnell wurde der Anlager zu klein und musste für eine bessere Handelsabwicklung vergrößert werden. Die Wahl fiel auf einen Dockhafen nach Londoner Vorbild. Aufgrund von erwarteten Handelsbehinderungen durch die zu erbauenden Schleusen wurde er jedoch nicht umgesetzt. Im Jahr 1858 legte Johannes Dalmann schließlich der Stadt Pläne für einen offenen Tidehafen vor. 

Dalmanns Vorschlag umfasste einen Güterumschlag ohne lange Lagerung, der durch Kräne und Bahnanbindung maschinell unterstützt werden sollte. Die Idee traf auf Anklang. Damit wurde eine bis heute wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Hamburger Hafens getroffen, da der Güterumschlag auf diese Weise sehr viel zügiger gelang als in einem mit Dämmen und Schleusen gegen den Strom mit seinem Tidenhub gesicherten Hafen.  

Zwischen 1863 und 1866 entstand mit dem Sandtorhafen das erste moderne Hafenbecken in Hamburg. Die Schiffe machten direkt an den Kaimauern fest und konnten mit Hilfe von Kränen schnell gelöscht werden. Die Ware wurde entweder im nahen Schuppen zwischengelagert, direkt auf die Straße oder in die Eisenbahnwaggons verladen. Bald war Hamburg im In- und Ausland für seinen schnellen Hafen bekannt.

Auswanderung und BallinStadt


Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts machte sich Hamburg zudem einen Namen als "Tor zur Welt". Eine Vielzahl an Menschen kam in die Stadt, um mittels eines Schiffes in die Neue Welt aufzubrechen. Neben Bremerhaven war Hamburg der wichtigste Auswandererhafen in Deutschland: 3,6 Millionen Menschen verließen in der Zeit von 1838 bis 1914 das Land.

Der Andrang der Ausreisenden war so groß, dass die Menschen in Hamburg immer längere Abreisezeiten überbrücken mussten. Als die "Auswandererbaracken" am Amerikakai zu klein wurden und die Stadt Hamburg den Bereich zur Hafenerweiterung benötigte, ließ Albert Ballin auf der Elbinsel Veddel mehrere Häuserblocks errichten. Diese konnten tausende von Auswanderern aufnehmen. Die Blocks entwickelten sich nach der Eröffnung im Jahr 1901 zu einem eigenen kleinen Areal, das als BallinStadt bekannt wurde. Seit dem Jahr 2007 befindet sich in den Hallen das Auswanderermuseums.

Freihafen und Bau der Speicherstadt

Bilder: Geschichte Hamburgs 1890er Jahre. Die erste fotografische Aufnahme der Speicherstadt.
Im Jahr 1871 trat Hamburg dem Deutschen Kaiserreich bei, doch die Stadt blieb Zollausschlussgebiet. Erst mit dem am 25. Mai 1881 vereinbarten Zollanschlussvertrag, der nach langen Verhandlungen mit Reichskanzler Bismarck zustande kam, änderte sich das. Im Gegenzug sollte der Freihafen entstehen, ein Bereich in dem weder Zölle noch Einfuhrumsatzsteuern gezahlt werden mussten. An dessen Baukosten von 106 Millionen Reichsmark beteiligte sich das Deutsche Reich mit 40 Millionen Reichsmark. In dem Vertrag wurde auch der Bau der Speicherstadt beschlossen. Der erste Spatensich der späteren Kontorhäuser wurde im Jahr 1883 getätigt. 

Bei dem Bau verloren rund 24.000 Menschen ihre Wohnungen und 1.100 Häuser wurden niedergerissen. Der Ausspruch von der „Freien und Abrissstadt Hamburg“ wurde in der Zeit geprägt. Vor allem die Menschen, die am Hafen arbeiteten, waren auf kurze Arbeitswege angewiesen. Günstige und weitreichende öffentliche Verkehrsmittel wurden erst mit der Eröffnung der U-Bahn im Jahr 1912 eingeführt.

Am 29. Oktober 1888 weihte Kaiser Wilhelm II. die Speicherstadt am sogenannten „Kaisertag“ offiziell ein. Abgeschlossen war aber nur der erste Bauabschnitt, die Fertigstellung erfolgte 1927. Die Blöcke Y und Z, für die das Gelände der Ericusspitze vorgesehen war, wurden nicht erbaut. Der Warenumschlag hatte sich in das neu geschaffene Hafengebiet zwischen Norder- und Süderelbe verlagert.

Modernisierung des Hamburger Hafens


Im Hamburger Hafen setzte mit dem Übergang zum 20. Jahrhundert eine starke Modernisierung ein. Von 1907 bis 1910 wurden die St. Pauli Landungsbrücken erbaut und 1911 der Alte Elbtunnel eröffnet, der eine wichtige Verbindung innerhalb des Hafengebiets schuf. Der Warenumschlag in der Hansestadt stieg soweit an, dass Hamburg im Jahr 1913 den drittgrößten Hafen der Welt besaß - hinter London und New York.

In der Zeit hatten Dampfschiffe die Frachtsegler weitestgehend überholt und verdrängt. Das Stückgut wurde fortan mit großen Dampf- und Elektrokränen ver- und entladen. Die großen wirtschaftlichen Erfolge wurden durch den Ersten Weltkrieg und die nachfolgende Weltwirtschaftskrise stark gebremst. 

NS-Zeit und Operation Gomorrha

Bilder: Geschichte Hamburgs Der Freihafen in Hamburg bestand bis zum 1. Januar 2013. Der letzte überwachte Grenzübergang wurde danach abgeschafft. 

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Hamburger Hafen immer mehr auf den bevorstehenden Krieg ausgerichtet. Die Rüstungswirtschaft kurbelte die Konjunktur an, und fehlende Arbeitskräfte wurden nach Beginn des Krieges durch Zwangsarbeiter ersetzt. Außenstellen des KZ Neuengammes wurden im Hafen errichtet.

Der militärische Codename "Operation Gomorrha" bezeichnet die britischen und amerikanischen Luftangriffe auf Hamburg vom 24. Juli bis zum 3. August 1943. Bei fünf Nachtangriffen und zwei Tagesangriffen starben rund 35.000 Menschen, zirka 900.000 Menschen verloren ihr zu Hause und 80% des Hafens wurde zerstört. Die Luftangriffe der Alliierten zerstörten ungefähr die Hälfte der Speicherstadt. Während sich die Amerikaner auf die Hafenanlagen und die dortige Industrie konzentrierten, zielten die Briten auf die Wohngebiete. Ein schweres Gewitter verhinderte die finale Bombadierung der Stadt. Hamburg hatte die schlimmsten Luftangriffe, die es jemals auf eine deutsche Stadt gab, überlebt. Am 17. Januar 1945 kam es erneut zu schweren Luftangriffen auf den Hafen und die Industrieanlagen in Harburg-Wilhelmsburg.

Am 1. Januar 2013 wurde der Freihafen, der rund ein Fünftel des Hamburger Hafengebiets ausmachte, aufgelöst. Damit ging in Hamburg eine Ära zu Ende.

Vom Stückgut zum Container


Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Hafen wieder aufgebaut. Die originalgetreuen Arbeiten an der Speicherstadt waren 1967 abgeschlossen. Zuvor zeichnete sich in den 1950er Jahren eine Entwicklung ab, die den Hafen komplett verändern sollte: das Zeitalter des Frachtcontainers begann. 

Die neuen, größeren Containerschiffe benötigten tiefere und breitere Hafenbecken sowie größere Lagerflächen als die Dampf- und Segelschiffe. In Altenwerder entstand ein neues, hochmodernes Containerterminal. Heute besitzt Hamburg den größten europäischen Hafen hinter Rotterdam.

Auf den alten Hafenflächen am Sandtorhafen und Grasbrook wurde die HafenCity errichtet. Der neue Stadtteil zeichnet sich durch Wohn- und Geschäftshäuser, Parks und Boulevards sowie einem Kreuzfahrtterminal aus. Am 1. Januar 2013 wurde der Freihafen, der rund ein Fünftel des Hamburger Hafengebiets ausmachte, aufgelöst. Damit ging in Hamburg eine Ära zu Ende.

Zukünftige Entwicklung des Hamburger Hafens


Bis heute ist der Hafen wichtigster Wirtschaftsfaktor der Stadt. Mehr als 150.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von ihm ab. Der jüngste Hafenentwicklungsplan rechnet mit einer weiteren Zunahme des Containerumschlags: von 9,7 Millionen (2014) auf 25,3 Millionen (2025). Die Hafenfläche soll sich zudem durch Erweiterung der bereits bestehenden Terminals verdoppeln. Erfahren Sie mehr zum Siegeszug des Containers.

Doch es kommen auch Herausforderungen auf den Hamburger Hafen zu: Die Schiffe werden immer größer und besitzen immer mehr Tiefgang. Daher befürchten Reeder und Terminal-Betreiber Standort-Nachteile, sollte die vor allem von Umweltschützern und Fischern kritisierte Elbvertiefung nicht erfolgen.

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