Melchior Lorichs Hamburgs Anspruch auf die Elbe

Die Elbkarte von Melchior Lorichs sollte Hamburg das Stapelrecht und damit wichtige Zolleinnahmen sichern. Dabei wurde die Darstellung des Elbverlaufs jedoch absichtlich falsch dargestellt. 

Die Elbkarte von Melchior Lorichs sollte Hamburg das Stapelrecht sichern

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Kampf um das Stapelrecht an der Elbe

Im 16. Jahrhundert klagten die Städte Harburg, Stadte, Buxtehude und Lüneburg beim Reichsgericht gegen Hamburg. Sie forderten freie Schifffahrt auf der Süderelbe, weil ihrer Aussage nach die Süderelbe der Hauptstrom der Elbe sei und sich ein im Jahr 1482 von Kaiser Friedrich III. an Hamburg erteilte Privileg nur auf die Norderelbe beziehe.

Hamburg wollte das Stapelrecht an der Norder- und Süderelbe, das mit massiven Zolleinnahmen verbunden war, jedoch für sich beanspruchen. Aus dem Grund fertigten beide Parteien eine Elbkarte an, um ihren Anspruch zu untermauern. Der Hamburger Rat beauftragte Melchior Lorichs, der im Jahr 1567 seine Karte des Elbverlaufs fertigstellte. Ein Jahr später wurde die Karten dem Reichskammergericht vorgelegt.

Der Schein trügt auf Lorichs Elbkarte

Die für die Gegenpartei angefertigte Karte war viel kleiner die Karte von Melchior Lorichs. Diese zeigt die Elbe von Geesthacht bis zur Nordsee auf ein Meter Breite und zwölf Meter Länge. Um Hamburgs Ansprüche sichtbar geltend zu machen, wurde die Süderelbe dabei im Verhältnis zur Norderelbe absichtlich viel zu schmal dargestellt. 

Lochrichs Karte zeigte dem Gericht, dass die Elbe ein einheitlicher Strom sei und dass der größere Teil des Wassers über die Norderelbe fließe. Außerdem suggeriert die Karte, dass Hamburg die Hauptverantwortung für die Flusssicherung trage, durch das detailierte Einzeichnen von Leuchtfeuern und Fahrwassermarkierungen. Durch ihre Präzisität gilt die Karte als wichtige Quelle für das Aussehen der Elbe im 16. Jahrhundert. 

Am 16. April 1619 erging auf der Grundlage von Lorichs Elbkarte das Urteil. Die die Hamburger Privilegien wurden für den gesamten Bereich der Unterelbe anerkannt, doch die Ausweitung des Stapelrechts auf die Süderelbe abgelehnt.

Zwei Karten als politisches Medium

Lorichs Elbkarte kann zudem als Gegendarstellung zu einer 15 Jahre älteren Karte der braunschweigisch-lüneburgischen Herzoge verstanden werden: Dort waren die Größenverhältnisse umgekehrt dargestellt worden. Lorichs Karte war also ein wichtiges Mittel im politisch-wirtschaftlichen Konkurrenzkampf.

Das 12 Meter lange Original von 1567 befindet sich im Staatsarchiv Hamburg. 

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Hamburgs Anspruch auf die Elbe
Die Elbkarte von Melchior Lorichs sollte Hamburg das Stapelrecht und damit wichtige Zolleinnahmen sichern. Dabei wurde die Darstellung des Elbverlaufs jedoch absichtlich falsch dargestellt. 
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20180215 15:55:36