Lautstärke in Diskotheken

Lautstärke in Diskotheken

Discothek
Die Hamburger Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz (BSG) hat durch das Amt für Arbeitsschutz und die Fachabteilung Gesundheit und Umwelt in 27 Hamburger Diskotheken und Tanzbetrieben die Lautstärke gemessen. Laute Musik im Freizeitbereich wird bei jungen Menschen als eine wesentliche Ursache für die beobachteten Hörminderungen in dieser Gruppe und als Wegbereiter für Gehörschädigungen im späteren Leben angesehen.

Ziel der unangemeldeten Messaktion war es zu prüfen, ob die Initiativen der Gesundheitsministerien der Länder, Krankenkassen und Verbänden zur freiwilligen Minderung der Musiklautstärke in der Praxis gewirkt haben und die Lautstärke auf unter 100 Dezibel, wie von der Gesundheitsministerkonferenz GMK gefordert, gesunken ist.

Die Messungen erfolgten im November und Dezember 2007 jeweils am Wochenende in der Zeit von Mitternacht bis 3.00 Uhr morgens. Die Stichproben aus großen und kleinen Lokalen der Innenstadt mit unterschiedlichen Musikstilen und Besuchern verschiedenen Alters spiegeln einen Querschnitt der Lautstärke auf Hamburger Tanzflächen wieder. 27 Lokale entsprechen etwa 10 bis 20% der Hamburger Diskotheken und Tanzbetriebe.

Gemessen wurden die Lautstärke (A-bewerteter energieäquivalenter Dauerschallpegel, Mittelungspegel, LAeq) über in der Regel 3 - 5 Musiktitel und der C-bewertete Spitzenschallpegel LCPeak mit einem Schalldosimeter der Genauigkeitsklasse 2. Der Mittelungspegel lag bei 25 von insgesamt 28 Messungen(90%) über 99 Dezibel. Der Median und der arithmetische Mittelwert lagen mit 103 Dezibel noch erheblich höher. Eine Erhöhung von 100 auf 103 Dezibel entspricht einer Verdopplung der Schallenergie. Das Maximum von 107 Dezibel wurde auf 4 Tanzflächen (14%) gemessen. Nur in drei Lokalen (10%), darunter ein Club mit Live-Musik, lag die Lautstärke unter 100 Dezibel. Ein Schallpegelmessgerät für den Diskjockey (DJ) und/oder eine Anzeige für das Publikum konnte in keinem Lokal entdeckt werden; in einem konnten Gäste Ohrstöpsel kaufen.

Seit 2005 hat die BSG in der Branche wiederholt für die Forderung geworben, die Lautstärke auf unter 100 Dezibel zu senken. Über die Initiative wurde ausführlich informiert und zu verschiedenen Fortbildungen eingeladen. Das Qualitätssiegel „Freiwillig kontrollierte Lautstärke“ wurde in Hamburg eingeführt und bietet verantwortungsvollen Diskotheken, Clubs und mobilen Diskjockeys die Möglichkeit sich auszuzeichnen, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. Gefordert wird, den Schallpegel an der lautesten, für das Publikum zugänglichen Stelle zu messen, ihn dem Publikum und dem DJ anzuzeigen und nur DJs mit ´DJ-Führerschein´ zu beschäftigen.

Der Bundesverband Deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe e.V. (BDT) im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA hatte seine Mitgliedsbetriebe wiederholt zur Thematik informiert und zur Unterstützung aufgerufen. An der Fortbildung zum sogenannten ’DJ-Führerschein’ haben mittlerweile bundesweit über 2100 Diskjockeys bei 20 Seminaren teilgenommen.

Die Hamburger Messungen zeigen, dass die Maßnahmen zur Sensibilisierung und Aufklärung nicht ausgereicht haben, um die Hamburger Diskotheken– und Tanzbranche dazu zu bewegen, die Musiklautstärke freiwillig auf unter 100 Dezibel zu senken. Es erscheint daher angezeigt, zusammen mit dem Bund und den Ländern Überlegungen über ein möglichst bundeseinheitliches Vorgehen anzustellen, um das Gehör der Gäste zu schützen.

Kontakt

Dr. Annette Lommel

Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz

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