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Gleichstellungsmonitor 4. Sorgearbeit

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Eine Uhr, deren Ziffernblatt in drei Bereiche geteilt ist. In jedem Bereich ist ein Symbol: eine Aktentasche, ein Wohnhaus, eine ausgestreckte Hand mit einem Herz.

4. Sorgearbeit

Der Themenbereich Sorgearbeit gibt Aufschluss über den Grad der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern an gesellschaftlichen Prozessen. Dieses gleichstellungspolitische Ziel hängt unter anderem von der Organisation von Erwerbs- und Sorgearbeit ab, welche stark durch politische Entscheidungen, rechtliche Regelungen und gesellschaftliche Normen geprägt wird. Der überwiegende Teil der bezahlten und unbezahlten Sorgearbeit wird nach wie vor von Frauen geleistet. Die Verpflichtungen im Haushalt können einem höheren Erwerbsumfang oder der Erwerbstätigkeit insgesamt im Wege stehen. Im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm (GPR) des Hamburger Senats wird daher das Ziel verfolgt, den Rahmen für eine gleichberechtigte Erwerbs- und Sorgearbeit zu schaffen. Wie weitgehend dieses Ziel schon erreicht ist, wird durch Indikatoren in zwei Unterkapiteln dargestellt: Kinder (hier unter anderem die Themen Alleinerziehende, Kinderbetreuung, Zeitverwendung) sowie Pflege.

Kinder erhöhen die anfallende Sorgearbeit in einem Haushalt enorm. Die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit ist dabei für Alleinerziehende besonders schwierig. Durch eine teurere Haushaltsführung und höhere finanzielle Belastung haben Alleinerziehende ein höheres Armutsrisiko als Eltern in Paarhaushalten. Der Frauenanteil bei Alleinerziehenden in Hamburg lag im Jahr 2021 bei 84 %. Frauen sind also deutlich häufiger mit der Herausforderung Beruf, Familie und freie Zeit alleine zu vereinbaren konfrontiert als Männer.

Die Inanspruchnahme einer Kinderbetreuung ist für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie von zentraler Bedeutung. Der Anteil der Kinder zwischen 0 und 3 Jahren, die in einer Kinderbetreuungseinrichtung betreut werden, ist in den letzten 10 Jahren von rund 40 % auf 50 % gestiegen. Dies deutet darauf hin, dass die Dauer der sorgebedingten Erwerbsunterbrechungen zurückgegangen ist. Entscheidend für die tatsächliche Vereinbarkeit der Erwerbs- und Sorgearbeit ist jedoch auch der Betreuungsumfang. Insbesondere das Vorhandensein einer Ganztagesbetreuung ist hier von Bedeutung. In Hamburg ist der Anteil der in einer Ganztagesbetreuung betreuten Kinder im Alter von 0 bis unter 14 Jahre in den letzten 10 Jahren auf über 50 % gestiegen. Auch im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm wird die Nähe zu und Qualität von Betreuungsangeboten betont, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen.

Die Erwerbstätigkeit von Müttern und Vätern unterscheidet sich dennoch stark. Insbesondere wenn kleine Kinder im Haushalt vorhanden sind, gibt es große geschlechtsspezifische Unterschiede, die zeigen, dass Rollenstereotype nach wie vor wirken und primär Frauen die Verantwortung für Sorgearbeit übernehmen. Die Beteiligung von Vätern am Erwerbsleben ist von Kindern weitestgehend unbeeinflusst. Um Rollenstereotype zu durchbrechen ist im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm unter anderem eine gleichstellungssensible Begleitung von Schüler:innen vorgesehen, welche Anregungen für den eigenen zukünftigen Lebens- und Berufsalltags bietet.

Die ungleiche Verteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern spiegelt sich zudem in einer unterschiedlichen Zeitverwendung wider, welche in einem neuen Indikator nun auch im Hamburger Gleichstellungsmonitor dokumentiert wird. Während Männer täglich mehr Zeit für Erwerbsarbeit aufwenden als Frauen, verwenden Frauen deutlich mehr Zeit auf Kinderbetreuung, Pflege und Hausarbeit. Diese geschlechterstereotype Aufteilung der Tätigkeiten gibt wegen der damit verbundenen geringeren beruflichen Möglichkeiten ebenfalls Hinweise auf eine längerfristige finanzielle Schlechterstellung von Frauen.

Neben der kindbezogenen Sorgearbeit zeigen sich Geschlechterunterschiede auch im Bereich der Pflege. Zum einen sind die Pflegenden selbst unterschiedlich belastet, zum anderen unterscheidet sich aus Sicht der Pflegebedürftigen die Art der Pflege zwischen Frauen und Männern. Frauen weisen beispielsweise eine höhere stationäre Pflegebedürftigkeit auf als Männer. Im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm des Hamburger Senats wird auch deshalb eine Bedürfnisorientierung und Geschlechtersensibilität in der Gesundheitsfürsorge thematisiert. Es wird angestrebt, geschlechtsspezifische Bedürfnisse im Alter zu berücksichtigen, um eine hohe Lebensqualität im Alter für alle Geschlechter zu erreichen.

Auch im bezahlten Care-Sektor zeigen sich enorme Geschlechterunterschiede: Der Frauenanteil an Beschäftigten in der Kinderbetreuung sowie der Alten- und Krankenpflege liegt weit über dem der Männer. Diese geschlechtsspezifische Segregation in den Tätigkeiten wird durch traditionelle Rollenbilder gefördert und kann in finanziellen Nachteilen für Frauen münden, wenn Tätigkeiten im Care-Sektor niedriger vergütet sind. In Anbetracht dieser Herausforderung sind im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm des Senats verschiedene Maßnahmen verankert, um der Routine einer geschlechterstereotypen Berufswahl entgegenzuwirken.

Sorgearbeit

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