Craft-Beer-Brauerei Von Freude „Beim Craft Beer geht es um Kreativität“

Aus Liebe zum Kochen und Experimentieren brauten Natalie Warneke und Martin Schupeta 2013 ihr erstes Bier in der heimischen Küche. Mittlerweile ist aus dem Experiment ein Unternehmen geworden. Wir haben mit Natalie über den Craft-Beer-Trend und die Berechtigung des deutschen Reinheitsgebots gesprochen. 

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Hamburger Craft Beer Brauerei - Von Freude

Natalie, was steckt hinter dem schönen Namen Von Freude?
Auf jeden Fall steckt Freude dahinter! Das ist der Kern des Namens. Wir haben Freude dabei, die Biere und die Rezepte zu machen und den Leuten zu zeigen, was Bier alles sein kann. Und die Leute sollen natürlich Freude dabei haben, wenn sie die Biere trinken. 

Würdet ihr euer Bier als Craft Beer bezeichnen?  
Es gibt tatsächlich keine feste Definition von Craft Beer. Aber beim Craft Beer geht es um Kreativität und um eher kleinere Produktionen. Und Kreativität und ein siebter Sinn für Rezepte sind das Herz unserer Biere.  

In den letzten Jahren sind sehr viele kleine Brauereien entstanden. Denkst du, Craft Beer wird weiter Bestand haben oder ist es nur ein Trend?
Wir sind in einem Markt, der gerade erst dabei ist, zu entstehen. Alle kleinen Brauereien sind dabei, diesen Markt weiter aufzubauen und auszubauen. Langfristig wird sich eine größere Vielfalt durchsetzen. Jeder, der mal ein hopfenbetontes Bier probiert hat, ist hooked. Wir haben viele Fans die sagen „ein Pils finde ich inzwischen  langweilig. Pale Ale und IPA sind jetzt meine Biersorten“. Dieses Phänomen wird nicht einfach wieder verschwinden. 

Woher nehmt ihr die Zutaten für euer Bier?
Die deutschen Hopfensorten kaufen wir direkt bei den Bauern. Da können wir das Feld besuchen und wissen genau, wo die Zutaten herkommen. Die internationalen Hopfen beziehen wir von Händlern. Wir haben ein großes Netzwerk an Händlern, die sehr spannende Hopfensorten haben, denn Hopfen kann sehr unterschiedlich sein: es gibt krautige, fruchtige und holzige Noten. Deswegen ist es für uns spannend, mit Hopfen aus aller Welt zu experimentieren. 

Und wo wird euer Bier gebraut?
Kleine Sude brauen wir in unserem Laden. Für größere Sude mieten wir uns ein. Es war nicht einfach, einen Brauer zu finden, bei dem wir uns einmieten konnten. Einige wollten uns wegen der fremden Hefe nicht reinlassen. Die meisten haben nicht verstanden, warum wir das machen. Warum dieser Hopfen aus Amerika? Warum diese spezielle Hefe? Ein Brauer bot uns an, dass wir einfach seinen Hopfen und seine Hefe benutzen. Das wäre dann aber nicht das Bier geworden, das wir machen wollten. Es fehlte einfach das Verständnis für Kreativität und es hat gedauert, bis wir jemanden gefunden haben, der sich darauf einließ. 

Wie steht ihr zum deutschen Reinheitsgebot? Sollte Bier nur aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser hergestellt werden?
Der Großteil unserer Biere ist nach dem Reinheitsgebot gebraut. Unser Winterbier nicht, denn das ist mit Ingwer und Gewürzen gebraut. Aber es ist eine Illusion, dass das Reinheitsgebot ein Garant für reine und natürliche Biere ist. Bei der industriellen Bierproduktion wird Polyvinylpolypyrrolidon eingesetzt und das ist innerhalb des Reinheitsgebotes erlaubt. Es wird zwar später wieder herausgefiltert, aber das hört sich für mich nicht nach Reinheit und Natürlichkeit an. Wenn ich sagen müsste, wie mein persönliches Reinheitsgebot lautet, dann würde ich sagen: bei mir ist Natur drin. Echte Zutaten, die man anfassen kann, echter Ingwer oder eine echte Zimtstange. 

Du kommst eigentlich aus der Modebranche und Martin aus dem Bankensektor. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, euch mit Bierbrauen selbstständig zu machen?
Die Idee ist aus einer privaten Liebe zu Essen und Trinken entstanden. Wir backen unser Brot selbst, wir machen Salami selbst. Wir haben einfach Spaß dran, gute Lebensmittel selbst zu Hause zu machen. Dass daraus mal ein Geschäft wird, haben wir beim ersten Sud bestimmt nicht im Kopf gehabt. Aber dann haben uns alle ermutigt, mehr daraus zu machen. Wir haben uns daraufhin den Markt angeschaut und gesehen, dass sich da gerade etwas bewegt. In den USA gibt es Craft Beer schon seit 25 Jahren. Auch in England und Skandinavien ist das Ganze schon viel weiter. Bei uns war die Craft Beer Szene  noch ganz am Anfang und wir haben gedacht: Das wird kommen! Wir hatten ein Rezept, wir hatten uns und es war der perfekte Augenblick, um loszulegen. 

Ihr seid nicht nur Geschäftspartner sondern auch privat ein Paar. Hat es das schwieriger oder einfacher gemacht, das Unternehmen aufzubauen? 
Das werden wir oft gefragt. Natürlich ist es nicht immer einfach. Das würde glaube ich kein Gründer sagen unabhängig davon, ob man mit seinem Geschäftspartner eine Beziehung führt. Es gibt immer wieder Dinge, bei denen man nicht einer Meinung ist. Aber das ist in jeder geschäftlichen Beziehung so und das macht keinen Unterschied bei uns. 

Ihr habt auch einen Flagship-Store in der Innenstadt eröffnet. Wieso habt ihr euch entschlossen, einen Laden aufzumachen, wenn ihr das Bier eigentlich über Gastronomie und Einzelhandel vertreibt?
Wir haben uns eine Anlaufstelle für unsere Kunden, Fans, Follower, Freunde, Bekannten und Geschäftskunden gewünscht. Wir möchten sie in unseren Shop einladen und mit ihnen ein Bier trinken können. Wir machen auch kleinere Events und bieten regelmäßig Biertastings an. 

Wieso habt ihr euch entschlossen, hier in Hamburg zu gründen? 
Wir waren tatsächlich beide in Hamburg. Martin ist hier geboren und ich bin vor zehn Jahren des Jobs wegen und auch weil Hamburg die Wunschstadt war hierhergekommen. Wir haben nicht vor, so schnell wieder zu gehen. 

Ist Hamburg eine gute Standortwahl, um ein Unternehmen zu gründen? 
Auf jeden Fall. Es gibt hier eine sehr gute Startup-Szene. Hier sind in den letzten Jahren sehr viele spannende Konzepte entwickelt worden. Manche sehr erfolgreich und andere werden in Zukunft noch sehr erfolgreich sein. Außerdem gibt es ein paar wirklich gute Startup Events in Hamburg, bei denen man sich gut vernetzen kann. Wir haben viele Gründer auf solchen Events kennen gelernt und nutzen diese Community. Immer wenn wir etwas suchen oder brauchen, kennen wir gleich jemanden der uns das geben kann. Es findet viel Austausch statt und das finde ich total super. Und Hamburg ist einfach eine tolle Stadt! Es gibt kaum Leute, die Hamburg nicht mögen. 

Von Freude hat vier Biersorten im Sortiment. Hinzu kommen saisonal wechselnde Limited Editions. Hier könnt ihr die Biere probieren:

> Im Flagship Store in den Colonnaden 72
> Im Einzelhandel: Im gut sortierten Edeka, Kiosk und Getränkehandel
> In der Gastronomie: Estancia Steaks, 7 Cut Burger, Haebel, Der Fasan
> Über den Online Shop vonfreude.



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