Symbol

SofaConcerts-Gründerinnen im Interview „Wir schaffen Bühnen, wo vorher keine waren"

Seit 2014 bringt das Startup SofaConcerts Musiker und Musikbegeisterte für unkonventionelle Gigs zusammen. Wir haben mit den beiden Gründerinnen Miriam Schütt und Marie-Lene Armingeon über Wohnzimmerkonzerte, Unternehmensziele und Hamburg als Gründerstadt gesprochen.

Über Sofaconcerts kann man Bands für private Konzerte buchen

SofaConcerts ist eine Onlineplattform über die man private Konzerte in kleinem Rahmen organisieren kann. Wie funktioniert das genau?
Wenn man nicht in der Musikszene vernetzt ist und persönliche Kontakte hat, dann ist es echt schwierig, einen guten Musiker für ein eigenes Event zu finden. Oft bleibt einem nur die 08/15 Coverband oder eine große Eventagentur. Es gibt aber unglaublich viele geniale Musiker und es gibt total viele Menschen, die an Livemusik interessiert sind. Es fehlte einfach die Verbindung und genau das haben wir uns mit SofaConcerts zur Aufgabe gemacht. Wir wollten eine niedrigschwellige Plattform entwickeln, auf der man unkompliziert Kontakt knüpfen kann und eine große Auswahl verschiedener Musiker findet. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei und auch für jede Stadt und jedes Budget.  

Was hat euch auf die Idee gebracht, die Plattform zu gründen?
Wir waren zusammen bei einem Wohnzimmerkonzert und waren danach total geflashed. Wir haben uns gefragt: Warum gibt es sowas nicht häufiger? Daraufhin haben wir angefangen, Konzerte zu organisieren – erstmal nur aus Spaß. In dieser Zeit haben sich dann viele Bands bei uns beworben und wir haben gemerkt, dass da auf jeden Fall Potenzial ist. Wir haben dann recherchiert und waren total überrascht, dass es so eine Plattform noch nicht gab.

Kann sich jeder Musiker ein Profil auf eurer Seite erstellen oder trefft ihr eine Auswahl?
Wir sind für alles offen - solange die Musiker unsere Kriterien erfüllen. Um bei uns aufgenommen zu werden, müssen die Künstler eine professionelle Website und professionelle Videos vorweisen. Das ist uns wichtig, damit die Gastgeber auf einen Blick erfassen können, ob ihnen die Musik gefällt. Wir sichten alle Profile und das ist für uns eigentlich auch das Schöne an unserem Job: Wir entdecken jeden Tag neue Bands.

Welche Bands oder Musikrichtungen sind bei den Nutzern am beliebtesten?
Gestartet sind wir vor allem mit Singer-Songwriter. Mittlerweile ist aber alles zu finden: von Singer-Songwriter über Indie bis hin zu lauteren Bands. Es gibt definitiv viel zu entdecken.

Und wen hört ihr privat?
Marie-Lene Armingeon: Eigentlich immer noch gerne Indie. Gerade finde ich es auch spannend, verschiedene Genres und elektronische Klänge zu mischen. Das kommt auch immer mehr auf der Plattform.

Miriam: Vor allem Singer-Songwriter und Indie in Richtung Jeremy Loops oder Ben Howard

2014 ging die Seite online. Wie viele Künstler haben mittlerweile ein Profil bei SofaConcerts?
Wir haben um die 5.000 Bands aus 16 Ländern.

Und die vermittelten Konzerte finden dann in den Wohnungen der Gastgeber statt?
Vorwiegend finden sie in privaten Wohnungen statt, aber es haben sich mittlerweile auch Gastgeber bei uns angemeldet die kleine Kneipen, Cafés, ein Museum oder eine Vinothek haben. Wir haben also total unterschiedliche Gastgeber. Eine Senioren-WG zum Beispiel, eine Olivenplantage in Griechenland oder ein Loft in Vietnam. Und mittlerweile auch einige Firmenkunden. Unser Credo ist: Wir schaffen Bühnen, wo vorher keine waren. Das heißt, wir bringen Musik dorthin, wo die Menschen sind.

Wie viel Geld muss man in die Hand nehmen, um eine Band in sein Wohnzimmer zu holen?
Es startet bei 150 bis 200 Euro. Je nachdem, wie bekannt und groß die Band ist, wird es teurer. Einige Singer-Songwriter spielen auch einfach für eine Hutgage mit Garantie. Das heißt, nach dem Konzert wird von den Zuhörern gespendet. Ich garantiere dem Künstler aber zum Beispiel 100 Euro für den Abend,  damit er seine Kosten decken kann aber meistens kommt durch die Spenden der Gäste insgesamt mehr zusammen.

 

Wie finanziert sich SofaConcerts?
Über Provisionen, wir nehmen 13 Prozent der Gage. Und wir kriegen Anfragen von unterschiedlichen Marken, für die wir Marketingkonzepte mit einigen unserer Künstler entwickeln. Das ist sozusagen ein Nebenzweig, wo SofaConcerts als Agentur auftritt. Anfangs haben wir uns bei der IFB für das InnoRampUp Programm qualifiziert und einen Zuschuss bekommen, womit wir unseren Prototypen bauen und unser Geschäftsmodell testen konnten. Um den nächsten Wachstumsschritt zu gehen und ins Ausland zu expandieren, haben wir jetzt einen Investor mit an Bord genommen. Wir haben aber nur einen kleinen Anteil abgegeben.

Ihr wollt SofaConcerts noch stärker internationalisieren?
Wir sind von Anfang an auf Englisch und Deutsch gestartet. Deswegen hat sich SofaConcerts  internationalisiert, ohne dass wir wirklich aktiv etwas gemacht haben. Überall auf der Welt kann man sich als Veranstaltungsort oder Künstler anmelden. Gerade letzte Woche war in den USA ein SofaConcert. Es kamen auch schon Buchungsanfragen aus Marokko, Griechenland und Portugal. Wir haben aber noch keine Leute in den Ländern vor Ort. Das planen wir ab dem nächsten Jahr.

Warum habt ihr euch entschieden, das Startup in Hamburg zu gründen?
Hamburg ist einfach eine Musikstadt. Jede Tour von jedem internationalen Künstler führt zwangsläufig durch die Stadt. Und viele Musiker leben auch hier. Gerade am Anfang, als wir die Plattform gegründet haben, hat uns der Austausch mit unterschiedlichen Künstlern sehr geholfen. Die Wege hier sind kurz und die Vernetzung ist da. Da würden wir uns jedes Mal wieder für Hamburg entscheiden.

Ist Hamburg auch für Startups aus anderen Branchen als Gründungsstandort zu empfehlen?
Auf jeden Fall, hier herrscht eine super Atmosphäre und ein gründerfreundliches Klima. Es gibt diverse Initiativen, Netzwerke, Coworking Spaces und Awards. Das Entscheidende für uns war aber auch, dass man sehr schnell andere Startups kennengelernt hat. Man kann sich untereinander austauschen und davon profitieren, weil jeder das Gleiche durchmacht. Ein kurzer Anruf bei Irgendjemandem, der das schon erlebt hat genügt und die Fragen sind geklärt. Außerdem (lachend) werden wir als Schwaben hier nicht so diskriminiert wie in Berlin! 

Mehr Interviews mit Hamburger Gründern

Startup Whitepaper