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Gewässersteckbrief Die Osterbek

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Gewässer sollen wieder natürlicher werden, nachdem die Menschen in der Vergangenheit andere Pläne für sie hatten oder einfach nur ihre Flächen benötigten. Nun aber ist immer wieder zu erleben, dass die Veränderung zurück zur Natur oft schwieriger ist als es die Veränderungen weg von der Natur waren. Für die Osterbek gibt es schöne Pläne, deren Zeit aber vielleicht noch nicht gekommen ist.

Osterbek Schön anzusehen, aber ökologisch eine Unterbrechung des Biotops – die Osterbek am Übergang zum Osterbekkanal – noch unterbrochen durch einen Absturz unter der Brücke zwischen Wachtelstraße und Elsässer Straße.

Die Osterbek

Überblick – ein aufgeteilter Bach

Die Osterbek ist ein kleiner Bach, dessen etwa 6 km langer Bachlauf aus dem Hamburger Nordosten im Stadtteil Farmsen-Berne zur Alster verläuft. Bei mittlerem Abfluss bringt der Bach rund 100 l/s Wasser mit. Bei Niedrigwasser reduziert sich die Wassermenge auf 25 l/s, bei mittlerem Hochwasser hingegen erhöht sich der Abfluss auf etwa das 16-Fache (1.740 l/s). Die Quelle der Osterbek findet sich westlich der August-Krogmann-Straße und auf Höhe der kleinen Straße Wegelstück in einem engen Korridor zwischen beiderseits angrenzenden Grundstücken. Schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts war der Bach über weite Strecken begradigt und kanalisiert ausgebaut, von der Quelle bis zur damaligen Querung der U-Bahn-Trasse. Erst seit den 2010-er Jahren wurden in diesem langen Abschnitt auf dem Gebiete des Bezirks Wandsbek Teilstrecken wieder naturnäher gestaltet, insbesondere dort, wo in Grünflächen und Parkanlagen geeignete Fläche verfügbar waren.

Unterhalb jener Querung der U-Bahn-Trasse und bis zur Bramfelder Straße bestand noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein naturnaher, sich vielfach windender Abschnitt des Baches, der aber bereits in den 1950-er Jahren durch den heutigen, kanalisierten Lauf ersetzt wurde.

Von der Bramfelder Straße bis zur Grenze des Bezirks Hamburg-Nord an der Trasse der U3 verlief die Osterbek schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts wie auch heute in kanalisiertem Bett durch Kleingartenanlagen. Auf dem Gebiet des Bezirks Hamburg-Nord hingegen fand sich damals noch ein naturnaher, sich wiederum windender Lauf, bis zum Zusammenfluss mit der Seebek, die damals ebenfalls unter dem Namen Osterbek geführt wurde. Dieser Zusammenfluss befand sich etwa an der Stelle, an welcher die Osterbek heute die Trasse der später gebauten U-Bahn Linie 1 in einem Düker unterquert, von dem im Weiteren noch berichtet werden wird. Von hier bis zum Eintritt in den Osterbekkanal war und ist der Bach kanalisiert und eingetieft ausgebaut.

Der „kultivierende Eingriff“ des Menschen

Ursprünglich war der Bachlauf deutlich länger. Durch den kanalisierten Ausbau sowie diverse Laufverlegungen hat der Oberlauf seit der Jahrhundertwende des vorigen Jahrhunderts mindestens 1 km Länge eingebüßt. Zudem wurden die letzten 4,35 km bis zur Alster damals zum schiffbaren Osterbekkanal ausgebaut. So sind heute nur noch die oberen rund 6 km als Osterbek und als Bach zu bezeichnen, wenngleich auch dieser Bachlauf, wie geschildert, seit jener Zeit über weite Strecken mehr oder weniger stark kanalisiert ausgebaut wurde. 

Der oberste Teil des Osterbekkanals von rund 270 m Länge ab der Nordschleswiger Straße bis zur Wachtelstraße ist inzwischen wieder verfüllt und der Bach fließt hier durch einen Park.
Entsprechend der Verkürzung hat das Gefälle des Bachlaufes zugenommen. Der Höhenunterschied zwischen Quelle und Mündung ist gleichgeblieben, muss nun aber auf einem kürzeren Weg überwunden werden.

Es verbleibt somit ein Kanal von guten 4 km Länge, der direkt mit der Außenalster verbunden ist. Der Wasserstand im Osterbekkanal entspricht daher dem Stau der Außenalster. Eine Fließbewegung ist aufgrund des um ein Vielfaches größeren Querschnitt im Osterbekkanal nicht zu beobachten. Der Kanal ist ein stehendes Gewässer. Von der gesamten Länge der heutigen Osterbek, inklusive Osterbekkanal, befinden sich die unteren 5.125 m im Verwaltungsbereich des Bezirks Hamburg Nord. Da von dieser Strecke rund 4.080 m auf den Osterbekkanal entfallen, liegen nur 1.040 m Osterbek in der Zuständigkeit des Bezirks Hamburg Nord. 

Aber dieser eine Kilometer Bachlauf bringt einige Herausforderungen mit sich bei den Bestrebungen, den Bach in einen naturnäheren Zustand zu entwickeln.

Osterbek Blick über den untersten Abschnitt der Osterbek mit Mündung in den Osterbekkanal: Hier hat der Bach Raum und Struktur.

Gewässerdurchgängigkeit – ein Düker und ein Absturz

Der Zustand des Baches in diesem unteren Teil ist nicht gut. Tatsächlich ist er schlecht, wie es die im dreijährigen Turnus durchgeführten Untersuchungen immer wieder bestätigen (vgl. Biomonitoring Frühjahr 2021).

Und hier steht der bereits erwähnte Düker im Mittelpunkt, denn die besondere Herausforderung auf diesem letzten Bachkilometer konzentriert sich auf die Gewässerdurchgängigkeit und dies besonders an jenem Düker sowie einem Sohlabsturz am Übergang in den Osterbekkanal.

Ein Düker ist ein Unterführungsbauwerk, mit dem sich ein Gewässer unter einem niveaugleichen Hindernis hindurch „ducken“ kann. Findet sich ein unveränderbares Hindernis im Laufweg eines Gewässers auf Höhe des Fließquerschnitts, so kann das Gewässer in einer geschlossenen Leitung hinab, unter dem Hindernis hindurch und auf der anderen Seite wieder auf gleicher Höhe hinaufgeführt werden. Das Wasser durchströmt einen Düker unter leicht erhöhtem Druck und in höherer Geschwindigkeit, um Ablagerungen im geschlossenen System zu vermeiden.

So stellt sich die Situation auch am Düker unter der U-Bahn-Trasse der U1 dar.

Osterbek Die Osterbek unterquert die Trasse der U-Bahn in einem Düker. Das Foto zeigt den Einlauf des Dükerbauwerks: Auf der rechten Seite ist der Einlaufbereich für mittlere Abflussmengen und links für Hochwasserabflüsse.

Nun ist eine zentrale Forderung EU-Wasserrahmenrichtlinie, dass Fließgewässer durchgängig sein müssen. Sie sollen also für Tiere in der Längsrichtung passierbar sein, d.h. in der Fließrichtung des Gewässers und entgegen derselben.

Der Düker an der U-Bahn-Trasse beeinträchtigt diese Durchgängigkeit immens.

Daneben gibt es in Gewässern weitere sogenannte Querbauwerke, also das Gewässer kreuzende oder stauende Bauwerke, wie Wehre und Sohlabstürze (in der Osterbek z. B. am Übergang zum Osterbekkanal). Fische und wandernde Kleinstlebewesen können zwar meist über einen Sohlabsturz abwärts gelangen, in den meisten Fällen aber nicht wieder hinauf. Weitere Hindernisse sind z.B. starke Strömung, gegen die die Tiere nicht wandern können oder auch eine Unterbrechung des geeigneten Materials der Gewässersohle für die in der Bachsohle wandernden Kleinstlebewesen.

Dies also ist ein wesentlicher Teil der Herausforderung: Es soll gelingen, eine Durchgängigkeit dieser Strecke zu erreichen! Die zentralen Hindernisse sind der Düker unter der U1 und der Sohlabsturz in den Osterbekkanal.

Ein ehrgeiziger Plan zugunsten des Gewässers

Düker können so gestaltet werden, dass sie für die Gewässer-Fauna passierbar sind, dazu müssen sie andere, als nur die funktionsbedingten Anforderungen erfüllen. Der vorhandene Düker an der Strecke der U1 erfüllt diese Anforderungen nicht und so wurde die Zielsetzung gefasst: Der Düker muss weg! Oder besser gesagt, der Bach muss aus dem Düker heraus.

Osterbek Düker-Umgehung – Planung zur Abwägung der Machbarkeit.

Die Lösung sollte sein, den Bach erst dort die U-Bahnstrecke kreuzen zu lassen, wo diese wieder im Tunnel geführt ist. Der Bach sollte über dem U-Bahntunnel queren und würde bis zur Kreuzungsstelle ein großzügiges und naturnahes Bett auf der südlichen Seite der U-Bahntrasse erhalten – auch dies schon eine wertvolle Verbesserung gegenüber dem bestehenden Zustand. Und auch das zuführende und das weiterführende Bett sollten aus ihrer kanalisierten Bauweise befreit und in eine deutlich naturnähere Form gebracht werden. Der Ökologie des Baches wurde in der Planung eine hohe Priorität eingeräumt. Ein schönes und wertvolles Stück Bach sollte entstehen.

Osterbek Osterbek Osterbek Eindruck der Lage und Situation der Flutmulde im Luftbild des Geoportals. Das erste Foto zeigt den unteren Bereich (im Luftbild links und unten, Bild: © Bezirksamt Hamburg-Nord), das zweite Foto zeigt den oberen Abschnitt mit dem Zulauf zum Dücker rechts im Bild (im Luftbild oben rechts, Bild: © Geissler/WasserLand).

In der Abwägung der Interessen an der Nutzung der Fläche, durch welche das neue Bachbett laufen sollte, wurde auch anderen Nutzungen Bedeutung beigemessen. Hier war insbesondere die Freizeitnutzung der Fläche durch die dort lebenden Menschen bedeutsam.

Als dann im Verlauf der Untersuchung erkannt wurde, dass das neue Bachbett die zu erwartenden Hochwasserabflüsse nicht würde aufnehmen können, da die mögliche Tiefe über dem zu querenden U-Bahntunnel zu gering ist, um den Hochwasserabfluss zu fassen, konnte die schöne und im Sinne der Ökologie ehrenvolle Idee nicht weiter verfolgt werden. Es wurde entschieden, den Düker zunächst weiterzubetreiben. Ein neuer Bachlauf wurde erstmal nicht hergestellt.

Mehr Naturnähe, soweit möglich

Allerdings ist noch in Planung, den zuführenden Bachlauf ab dem Wartenburger Weg strukturell aufzuwerten. Dieser Abschnitt soll naturnäher, leicht um die bisherige Bachachse nach rechts und links schwingend, mit Aufweitungen und Strukturelementen aus Kies und Holz gestaltet werden.

Osterbek Die dem Düker zuführende Gewässerstrecke der Osterbek. Hier soll eine vielfältigere Strukturierung ermöglicht werden.

Für den nach dem Düker weiterführenden und noch stärker beengte Bachlauf gibt es auf der nördlichen Seite der U-Bahntrasse keinen Platz zum Ausweichen, da die angrenzenden Flächen durch Kleingärten genutzt sind. Hier wird der Bachlauf abschnittsweise leicht strukturiert werden, dies jedoch im vorhandenen tief eingeschnittenen Profil ohne Ausbreitungsflächen.

Im weiteren Bachlauf am Übergang der Osterbek in den Osterbekkanal findet sich mit einem Sohlabsturz um 0,5m ein weiteres Hindernis der Durchgängigkeit. Auch dieses Wanderhindernis sollte umgestaltet werden in eine längere Sohlgleite. Damit die Sohlgleite nicht zu steil wird, sollte sie in zwei Schwingen geführt werden, die den Fließweg verlängern und damit das Gefälle verringern. 

Jedoch ist hier ein Teil der erforderlichen Fläche bereits belegt durch Kleingärten, deren Verträge nicht ohne Weiteres beendet werden können. Auch hier wird zunächst von einer Umsetzung abgesehen.

So bleiben die beiden zentralen Hindernisse der Durchwanderbarkeit auf diesem kurzen Bachstück zunächst bestehen. Die Zwischenbereiche jedoch werden in absehbarer Zeit in einen naturnäheren Zustand entwickelt, der besser als Lebensraum für die Gewässerlebewesen geeignet sein wird.

Der Rückbau einer Autobahn wäre ungleich schwieriger…

Es ist ein guter Plan im Sinne der Belange der Natur aber das Ergebnis zeigt: Manche Veränderungen, die der Mensch an seiner Umwelt vorgenommen hat, sind nur sehr schwer wieder zurück zu nehmen, selbst wenn sie als Fehler erkannt worden sind. 

Trotz der aktuell vorherrschenden Herausforderungen ist der Bezirk HH-Nord weiterhin bemüht, Lösungen zur Verbesserung der nachteiligen Bedingungen für die Gewässerfauna zu finden. 
Bedenkt man, dass es Ende der 1960-er Jahre Pläne gab, den Osterbekkanal und Teile der Osterbek für den Bau von Stadtautobahnen zu verfüllen , so wird erkennbar, wie weit sich das Bewusstsein zum Erhalt der immerhin bestehenden Strukturen in der heutigen Zeit bereits geändert hat.

Und: der Rückbau einer Stadtautobahn würde für den Fortgang der ökologischen Entwicklung der Gewässer ungleich höhere Hürden darstellen…

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