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Handball Internationaler Handballaustausch

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Der FC St. Pauli ist ein Verein der anderen Art, das zeigen die Zweitliga-Kicker des Vereins immer wieder. Doch nicht nur die stehen für besonderen Sportsgeist. Den zeigen aber auch die Oberliga-Handballer des Vereins, die sich im August 2017 nach Ruanda geflogen sind, um sich dort mit Handballern zu vernetzen und Wissen auszutauschen.

FC St. Pauli Handball goes Ruanda

Handball im Land der tausend Hügel

Roter Sand und rote Dächer bestimmen das Bild im Osten Kigalis, der Hauptstadt Ruandas. Dazwischen hebt sich etwas blaues ab, rund 40 Meter lang und 20 Meter breit. Zwei Halbkreise zieren die beiden Enden einer freien Fläche, zwei Tore schließen sie ab. Dort, auf einem Handballfeld im Westen Kigalis, waren vom 21. bis 26. August 2017 die Handballer vom FC St. Pauli zu Gast,  trainierten dort mit dem Gorillas Handball Club und tauschten Erfahrungen aus.

Dabei passte es von Anfang an zwischen dem FC St. Pauli und dem Gorillas Handball Club. „Als wir dieses Abenteuer angetreten sind, war es eine Reise ins Ungewisse. Aber schon nach den
ersten Tagen war klar, dass wir dort genau richtig sind", berichtete Arne Dohren, der Teamkapitän des FC St. Pauli, aus Ruanda. Berührungsängste zwischen den Teams gab es keine und so entwickelte sich gleich in den ersten Tagen eine intensive Partnerschaft. Die gemeinsame Begeisterung für den Handball ließ kulturelle Barrieren gar nicht erst aufkommen.

Das Projekt erregte viel Aufmerksamkeit – nicht nur in Ruanda. Nicht nur die lokalen Medien berichteten über das Projekt. Im gesamten ostafrikanischen Raum gab es Beiträge. So war es vor allem für die Gorillas und ihre Jugend-Akademie in ihrer Heimat ein großer Imagegewinn. „Die Mannschaft des FC St. Pauli hat eine grandiose Trainingswoche mit uns gestaltetet. So etwas
hat es noch nie gegeben und wir konnten viel voneinander lernen. Und vor allem neue Freunde finden“, resümierte Anaclet Bagirishya, Jugend-Koordinator des Gorillas HC. 

Vom Turnier zur Gedenkstätte

Die Hamburger Handballer wurden herzlich in Kigali empfangen und stiegen sofort ins gut durchgeplante Reise-Programm ein. Das sah gleich ein erstes Spiel bei der „Umurage Handball Trophy" gegen den Police Handball Club aus Kigali vor. Mit noch recht müden Beinen verloren die FCSP-Handballer ihr Halbfinal-Spiel mit 34:37. Nach dem Turnier folgte ein Kontrastprogramm: Es ging zum Genocide Memorial in Kigali, wo die St. Paulianer sich über die Geschichte und das dunkelste Kapitel des kleinen Landes informierten (siehe unten).

Nach diese Erfahrungen begann tags darauf der erste Trainings-Workshop mit dem Gorillas HC – zunächst theoretisch, im Anschluss ging es auf dem Platz zum praktischen Teil, bei dem Spielaufbau und verschiedene Angriffsszenarien trainiert wurden. Wie eng die Verbindung der Clubs bereits nach den ersten Tagen ist, brachte der Vorsitzende des Gorillas Handball Club, Alfred Twahirwa, auf den Punkt: „Wir freuen uns sehr über die Partnerschaft mit dem FC St. Pauli und dem Gorillas HC. Der Trainings-Workshop war ein erster Schritt, dem noch viele weitere gemeinsame Projekte folgen werden. Wir sind eine Handball-Familie.“ 

Ein weiterer Tagespunkt war der Besuch einer Schule außerhalb Kigalis. Bei den Kindern kam der Besuch der Boys in Brown sehr gut an, so dass viele der Schüler für den Handballsport begeistert wurden. Das Fazit der Kiez-Handballer vom Afrika-Trip: Sportlich war das Projekt ein voller Erfolg, und der kulturelle Austausch ein Gewinn für beide Seiten, teilte der Verein mit. „Ich bin überwältigt von der Gastfreundschaft, die uns in Ruanda entgegengebracht wurde. Nun ist es unsere Pflicht, die Idee von ‚We’ll Never Play Alone’ nach außen zu tragen und das Projekt aufrecht zu erhalten. Unserem Besuch in Kigali müssen weitere kulturelle und sportliche Austausche folgen“, sagte Benjamin Jacobs vom FC St. Pauli.

Ein Deutscher brachte den Sport ins Land

Handball und Ruanda bringen viele vermutlich nicht in direkten Zusammenhang, doch in dem kleinen Land im Herzen Afrikas hat der Sport schon eine gewisse Tradition – wenn auch keine professionelle. Im Jahr 1983 brachte ein Deutscher den Handball nach Ruanda und zeigte einigen Lehrern den Sport. Rund neun Jahre später wurde der ruandische Handballverband, die Fédération Rwandaise de Handball, gegründet. Kurz danach wurden alle Bemühungen, den Handball in Ruanda weiter zu etablieren, durch den Genozid der Hutu gegen die Tutsi-Minderheit im Land auf Eis gelegt. Erst rund zehn Jahre später konnte es weitergehen. 

FC St. Pauli trifft die Gorillas

Der bekannteste Handball-Club in Kigali ist der Gorillas Handball Club, der es sich zur Aufgabe gesetzt hat, Spieler, Talente und Trainer auf hohem Niveau auszubilden. In diesem Punkt kam auch der FC St. Pauli ins Spiel. „Wir wollten einen kleinen Impuls geben und bei der Entwicklung des Handballs in Ruanda unterstützen. Dabei soll es mehr ein Austausch sein, als ein reines Geben. Wir konnten dort natürlich auch viel lernen", sagt Arne Dohren, Teamkapitän des FC St. Pauli, der die Aktion zusammen mit Benjamin Jacobs und Benjamin Léger organisiert und koordiniert hat.

Dohren war bereits drei Jahre vor dem Trip der St.-Pauli-Handballer nach Runande in Südafrika an einem Handballprojekt beteiligt und kehrte begeistert zurück. Sein Gedanke: So eine Erfahrung mit dem Team erleben! „Ich habe mit sechs oder sieben Leuten gerechnet, von solch einer Rückmeldung war ich aber begeistert", sagt Dohren. Denn seine Mannschaftskollegen waren schnell überzeugt, fast alle waren dabei. Obwohl die Hürde sehr hoch war, denn viele der Kosten wie Flug, Unterkunft oder Verpflegung mussten die St. Paulianer selbst tragen. Das Team konnte sich jedoch auf seine Sponsoren wie Hummel, Meyle oder Forest Finances verlassen, die den Spielern unter die Arme greifen. Dazu gab es Mitte Juli 2017 ein Benefiz-Spiel gegen den HSV Hamburg, der sich spontan bereit erklärte, anzutreten. Die Einnahmen aus der Partie flossen alle in das Projekt. 

Das Herz von Afrika

Doch wie fiel die Auswahl schließlich auf Ruanda? „Zunächst einmal sollte es wegen der Erfahrung in Richtung Afrika gehen", erzählt Benjamin Jacobs. Ein weiteres Kriterium war eine bestehende, aber noch keine stark entwickelte handballerische Infrastruktur. „Wir haben schließlich auch den DHB (Deutscher Handball Bund; Anm. d. Redaktion) angeschrieben, ob dieser Kontakte hat und vermitteln kann. Wir haben aber auch über Facebook verschiedene Handballvereine in afrikanischen Ländern angeschrieben", sagt Jacobs. So setzte sich Ruanda als Ziel am Ende gegen Malawi durch.

In Ruanda entstand sofort ein guter Kontakt mit Anaclet Bagirishya, der Trainer beim Gorilla Handball Club ist und zudem die ruandische U21-Nationalmannschaft betreut. „Wir haben gleich gemerkt, wie sehr er für den Handball brennt", sagt Dohren. So begann die Planung: Zwei Freundschaftsspiele, ein Trainer-Workshop, spezielles Torwart-Training, aber auch offizielle Termine wie ein Besuch in der deutschen Botschaft standen schließlich im Programm. „Wir wollten aber auch ein Flüchtlingscamp besuchen, wo ein Kollege von Anaclet arbeitet und dort mit dem Handball ein bisschen für Ablenkung sorgen. Freie Nachmittage in Kigali waren auch eingeplant, um nochmal einen Blick in die Geschichte von Ruanda zu werfen", erzählt Jacobs.

Ruandas bewegte Geschichte

Diese Geschichte wurde vor allem in den 1990er-Jahren geprägt, genauer gesagt 1994. In diesem Jahr, am 7. April, begann das dunkelste Kapitel des kleinen Landes, als die Hutu einen Genozid an den Tutsi verübten. Hutu und Tutsi waren einst gesellschaftliche Kategorien, die von den Kolonialmächten Deutschland und Belgien eingesetzt wurden. Zunächst wurden die Tutsi bevorteilt, was zu Neid bei den Hutu führte.

Als die Hutu jedoch 1959 an die Macht kamen, begannen erste Vertreibungen von Tutsi, rassistische Ressentiments verfestigten sich im Denken der Bevölkerung und wirkten als Zunder. Die Situation entbrannte schließlich am 7. April 1994, als das Flugzeug des damaligen ruandischen Präsidenten Juvénal Habyarimana abgeschossen wurde. Nur 30 Minuten später begannen Morde, Hinrichtungen und Massaker von Hutu an Tutsi. Die Gewalttaten dauerten bis Mitte Juli 1994 an und kosteten in rund 100 Tagen 800.000 bis 1.000.000 Menschen das Leben.

Never play alone

Auch dies galt es, während der pickepackevollen Woche in dem kleinen afrikanischen Land zu erfahren und neben dem Handball die Zeit für die ruandische Kultur und Geschichte zu finden. „Wir waren ziemlich gespannt, wussten nicht genau, was uns erwartet", sagte Benjamin Léger im Vorfeld der Reise. Amt Ende wurde es ein mehr als gelungener Trip im Zeichen des Handballs und der Völkerverständigung. So wurden über den Sport neue Brücken gebaut, die bis heute Bestand haben.

Seit der ersten Reise nach Ruanda wurde das Projekt weiter vorangetrieben und der Kontakt intensiviert. Mit der Gründung des Vereins Never play alone St. Pauli e.V. wurde ein wichtiger Schritt getan, Spendenläufe, Fundraisings, Soli-Partys, Versteigerungen für den guten Zweck und viele weitere Aktionen brachten neue Mittel, die für diverse Projekte in Ruanda eingesetzt wurden und werden. Wer mehr über die Projekte, die Arbeit und den Handball erfahren möchte, der findet auf folgenden Seiten alle wichtigen Informationen: Never play alone St. Pauli e.V. | Facebook

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