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Unsere Bilanz für 2020 Pestizidrückstände in Lebensmitteln

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Die Überprüfung von Lebensmitteln auf Pestizidrückstände hat im Jahr 2020 bei 2 Prozent der Proben zu Beanstandungen geführt. Bemerkenswert waren dabei die Funde für Kürbisgewächse, Tee und Joghurt-Eis. 

Pestizidrückstände in Kürbisgewächsen, Tee und Eis

Die Untersuchung von Lebensmitteln auf Rückstände von Pestiziden ist seit vielen Jahren fester Bestandteil unserer Analysen. Auch 2020 wurden im HU risikoorientiert 564 Proben auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht. In 115 Proben konnten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln bzw. Wirkstoffe, die auch in Reinigungs- und Desinfektionsmitteln Verwendung finden (Dual Use), nachgewiesen werden. Häufig wurden zwei oder mehr Wirkstoffe in den behandelten Lebensmitteln nachgewiesen. Eindeutig überschritten waren die Rückstandshöchstgehalte bei insgesamt  10 Proben. Einige der Befunde sind bemerkenswert:

Gruselige Kürbisgewächse – nicht nur zu Halloween
In  mehr als 20 Prozent der Kürbis- und Zucchini-Proben aus Deutschland (4 von 19) waren die Höchstgehalte für Cis-Heptachlorepoxid und Chlordan überschritten. Diese Pestizide, die zur Gruppe der Organochlorpestizide gehören, werden schon einige Jahre nicht mehr in der Landwirtschaft genutzt. Weil sie aber kaum abgebaut werden bzw. sehr persistent sind, stecken sie immer noch unentdeckt in manchen Böden. Vor allem Kürbisgewächse neigen dazu, diese besonders gut aufzunehmen, was zu Höchstmengenüberschreitungen führen kann. Hier ist verstärkt auf ein verbessertes Anbaumanagement bei den landwirtschaftlichen Produzenten zu achten.

Pestizide im Eis – fehlerhafte Reinigung?
Bei einer im Rahmen einer Betriebskontrolle entnommenen Probe Joghurt-Eis wurde zu viel Didecyldimethylammoniumchlorid (DDAC) nachgewiesen. DDAC gehört zu den quartären Ammoniumverbindungen (sogenannte QAVs), die in Wasch- und Reinigungsmitteln zu finden sind, aber auch für einzelne Anwendungen als Pflanzenschutzmittel zugelassen waren. DDAC ist seit Anfang der 2000er immer wieder im Fokus von vereinzelten Veröffentlichungen oder Überwachungsaktivitäten im Zusammenhang mit Milch bzw. Speiseeis, da nicht auszuschließen ist, dass beim fehlerhaften Gebrauch von QAV-haltigen Reinigungsmitteln DDAC oder BAC auch in Milch gelangen kann. Der Befund zeigt, dass diese Thematik nach wie vor aktuell ist.

Tee – ein gebeuteltes Produkt
Tee ist in den vergangenen Jahren im wahrsten Sinne des Wortes eine gebeutelte Branche in Sachen Pestizide und „Nicht-Pestizide“. Die Gründe für die Belastung von Tee mit Rückständen liegen auf der Hand: Teeblätter haben im Vergleich zum Gewicht eine große Oberfläche, wodurch etliche Wirkstoffe mehr aufgenommen werden als bei anderen Agrarprodukten. Durch die Trocknung werden die Wirkstoffe weiter aufkonzentriert. Die Tatsache, dass Tee aus Ländern mit teilweise anderen Lebensmittelstandards oder klimatischen Bedingungen stammt, macht sich ebenfalls bemerkbar. Diese Rahmenbedingungen erfordern von den Produktverantwortlichen eine effektive Umsetzung in ihren Eigenkontrollmaßnahmen. 
Zu den Rückständen kommen auch noch „Nicht-Pestizid-Pestizidrückstände“ (sogenannte Multiple Source Substanzen, die nicht nur als Pestizid Anwendung finden) wie beispielsweise Nikotin, Anthrachinon und Biphenyl. Die Quellen des Eintrags von Antrachinon und Biphenyl sind inzwischen weitestgehend aufgeklärt, sie stammen sehr wahrscheinlich aus Verbrennungsprozessen bei der Trocknung des Tees. Auch dieser Wissensgewinn setzt sich in verbesserten Eigenkontrollkonzepten der Importwirtschaft und der Weiterverarbeiter zunehmend durch.
Insgesamt lässt sich beobachten, dass beanstandungsrelevante Befunde von Pflanzenschutzmittelrückständen in Tee rückläufig sind. Am HU wurden im vergangenen Jahr 109 Proben Tee, überwiegend bei der Einfuhrkontrolle, untersucht. Rückstände wurden in 38 Proben nachgewiesen. Das sind knapp 35 Prozent der Proben. Aber nur in einer Probe wurden zulässige Höchstgehalte überschritten. 

Kontakt

Jochen Riehle

Bereichsleiter Lebensmittelsicherheit und Zoonosen

Institut für Hygiene und Umwelt
Marckmannstraße 129a
20539 Hamburg
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