Sozialwohnungen Mit dem Wohnberechtigungsschein zu bezahlbarem Wohnraum

Einkommensschwache Hamburger haben es bei der Wohnungssuche auf dem privaten Wohnungsmarkt in Hamburg schwer. Öffentlich geförderter Wohnraum ist eine bezahlbare Alternative. Wer ist berechtigt? 

Tisch mit Stühlen und Vase mit Tulpen

Sozialwohnungen

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In Hamburg zu wohnen und zu arbeiten ist für viele Einheimische und Zugereiste ein attraktives Lebensmodel, wenn nicht sogar ein Traum. Für einkommensschwache Personen und Personengruppen kann die Wohnungssuche jedoch schnell zum Albtraum werden: bezahlbarer Wohnraum für Familien mit Kindern, Studierende, Senioren, Schwerbehinderte und andere Personengruppen mit geringem Einkommen ist knapp. „Sozialwohnungen“, wie öffentlich geförderter Wohnraum auch genannt wird, kann eine echte Alternative zum privaten Wohnungsmarkt sein.

Mit dem Wohnraumförderungsprogramm des Senats unterstützt die öffentliche Hand den Neubau von günstigen Mietwohnungen jedes Jahr mit Beträgen in Millionenhöhe. Sozialwohnungen gibt es mittlerweile in vielen Hamburger Bezirken – von der Hafencity über Eimsbüttel bis hin zu den Walddörfern. Das bedeutet leider nicht, dass Sozialwohnungen leicht zu finden sind. Wie auch auf dem privaten Wohnungsmarkt, bedeutet dies: Augen aufhalten und dran bleiben!

Was ist öffentlich geförderter Wohnraum?

Bei einer öffentlich geförderten Wohnung ist der Vermieter verpflichtet, die Wohnung mindestens 15 Jahre lang an Personen zu vermieten, die einen Wohnberechtigungsschein (WBS) vorweisen können. Mietpreiserhöhungen sind nur alle zwei Jahre zu einem maximalen Satz möglich.

Was ist ein Wohnberechtigungsschein?

Ein Wohnberechtigungsschein, auch „Paragraph 5-Schein“ genannt, ist eine amtliche Bescheinigung, die Sie dazu berechtigt, eine Sozialwohnung zu beziehen. Den entsprechenden Antrag können Sie persönlich oder schriftlich beim Wohnungsamt des Bezirks, in dem Sie gemeldet sind, stellen. Mit der entsprechenden Vollmacht kann auch eine andere Person den Antrag stellen. 

Der allgemeine WBS gilt 12 Monate ab Ausstellungsdatum. Sollten sich in dieser Zeit Ihre Einkommensverhältnisse nicht grundlegend geändert haben und Sie weiterhin eine Wohnung suchen, können Sie problemlos einen neuen WBS beantragen. Der gezielte WBS wird für eine ganz bestimmte Wohnung ausgestellt. Bitte informieren Sie sich über diese Möglichkeit und die entsprechenden Konditionen beim Ihrem Wohnungsamt.

Wer ist WBS-berechtigt?

WBS-berechtigt sind alle Personen, die sich langfristig in Deutschland aufhalten und deren Jahreseinkommen eine bestimmte Einkommensgrenze nicht überschreitet. Der Wohnberechtigungsschein ist zudem an bestimmte Wohnraumgrößen für Alleinstehende und Mehrpersonenhaushalte gebunden.

Wie hoch sind die Einkommensgrenzen?

Die Einkommensgrenzen sind bundesweit geregelt. Für Alleinstehende liegt die Grenze bei 12.000 Euro im Jahr, für einen Zweipersonenhaushalt 18.000 Euro und für jede weitere Person 4100 Euro. Wenn Sie Kinder haben, erhöht sich die Einkommensgrenze um jeweils 1000 Euro pro Kind.

Wie wird das Jahreseinkommen ermittelt?

Das Jahreseinkommen wird auf der Grundlage aller Einkünfte der dem Haushalt zugehörigen Personen berechnet. Zu den Einkünften zählen Lohn oder Gehalt, Gewinne aus selbständiger Arbeit, Arbeitslosengeld und andere Transferleistungen, Renten, Zinsen und Dividenden. Nicht zu den Einkünften zählen Kindergeld oder Wohngeld.

30 Prozent des Bruttoeinkommens werden für Pflichtbeiträge für die gesetzliche Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung abgezogen bzw. 6 Prozent des Bruttoeinkommens in den Fällen, in denen keine Pflichtbeiträge bezahlt werden. Eine Werbekostenpauschale von 1000 Euro (oder auf Antrag ein höherer Betrag) und Kosten für Kinderbetreuung vom Bruttoeinkommen können ebenfalls vom Einkommen abgezogen werden.

Schwerbehinderten mit einer Schwerbehinderung von mindestens 50 Prozent wird zudem ein Freibetrag von 4100 Euro zugestanden.

Liegt Ihr Jahreseinkommen nach Abzug aller Kosten unterhalb der entsprechenden Einkommensgrenze, sind Sie WBS-berechtigt. Nach Antragsstellung errechnet das Wohnungsamt auf der Grundlage Ihrer Einkommenserklärung Ihr genaues Jahreseinkommen.

Darf ich die Einkommensgrenzen überschreiten?

In Hamburg dürfen Sie die Einkommensgrenze um bis zu 30 Prozent überschreiten. Für geförderten Wohnraum der „sonstigen Förderwege“ dürfen Sie die Einkommensgrenze bis zu 85 Prozent überschreiten, müssen dann allerdings auch höhere Mieten zahlen.

Wieviele Quadratmeter stehen mir zu?

Als alleinstehender Person stehen Ihnen 50 Quadratmeter zur Verfügung. Besteht Ihr Haushalt aus mehreren Personen, steht jeder Person ein Wohnraum zur Verfügung. Eine fünfköpfige Familie hat also Anspruch auf eine 5-Zimmer-Wohnung. Leben Sie als Eheleute oder in einer Lebenspartnerschaften mit der Absicht, eine Familie zu gründen, steht Ihnen ein weiterer Raum zu. Gleiches gilt für alleinerziehende Elternteile. Für diese Regelung müssen Sie keinen gesonderten Antrag stellen. Auf Antrag werden Einzelfallregelungen für z. B. Schwerbehinderte mit ständigem Betreuungsbedarf genehmigt. Informieren Sie sich hier bitte beim Wohnungsamt.

Welche Unterlagen benötige ich?

Zum Antrag gehören neben dem ausgefüllten Antrag eine Kopie des Personalausweises oder des Reisepasses, eine aktuelle Meldebestätigung, die ausgefüllte und unterschriebene Einkommenserklärung, Nachweise über die Einkünfte der letzten 12 Monate und im Einzelfall weitere Unterlagen. Auf dem Wohnungsamt hilft man Ihnen gerne beim Ausfüllen der entsprechenden Formulare! 

Wo finde ich Sozialwohnungen?

Öffentlich geförderten Wohnraum finden Sie über die Vermieterlisten der Wohnungsämter, im Internet und in den Tageszeitungen. Achten Sie auf die entsprechenden Hinweise in den Wohnungsanzeigen.

Was ist ein Dringlichkeitsschein?

Einen Dringlichkeitsschein erhalten Sie dann, wenn Sie sich unverschuldet in einer außergewöhnlichen Lebens- und Wohnsituation befinden und Unterstützung bei der Wohnungssuche benötigen. Zu den Personengruppen, die einen Dringlichkeitsschein erhalten, gehören z. B. Familien mit mindestens einem Kind ohne Wohnung oder in unzureichenden Wohnverhältnissen, Schwerbehinderte in unbefriedigenden Wohnverhältnissen, alleinstehende psychisch Kranke ohne Wohnung, alleinstehende Personen, die älter als 70 Jahre sind oder auch Räumungspflichtige. Den Dringlichkeitsschein erhalten Sie ebenfalls beim Wohnungsamt.

Welche Kosten entstehen mir?

Je nachdem, welchen Schein Sie erhalten, errichtet die Behörde eine Gebühr von 9 - 20 EUR. Die Gebühr müssen Sie vor Erhalt des Scheins bar oder mit Scheckkarte entrichten.

Muss ich aus meiner Sozialwohnung ausziehen, wenn sich meine Einkommensverhältnisse verbessert haben?

Wenn sich Ihre Einkommensverhältnisse derart zum Positiven verändern, dass die Voraussetzungen für den WBS entfallen, Sie aber gerne in Ihrer öffentlich geförderten Wohnung wohnen bleiben möchten, müssen Sie als Ausgleich eine „Fehlbelegungsabgabe“ bezahlen. Die Betragshöhe erfragen Sie bitte beim Vermieter oder beim Wohnungsamt.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Wohnungssuche!