Hintergrund Impfraten der Schuleingangsuntersuchungen in Hamburg

Impfraten und Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen in Hamburg

Aktuelle und belastbare Daten über den Impfstatus in der Bevölkerung sind eine wichtige Grundlage für die Planung, Umsetzung und Beurteilungen von Impfprogrammen. Die Datenerfassung bietet wichtige Informationen für alle an der Vorbeugung von Infektionskrankheiten durch Impfungen beteiligte Personenkreise und kann beispielsweise dazu dienen, zielgerichtete Aufklärungsmaßnahmen durchzuführen.

Eine flächendeckende deutschlandweite Erhebung von Impfraten besteht allerdings nur für Kinder im Rahmen der Einschulung. Auf der Grundlage der Bestimmungen des Hamburgischen Schulgesetzes werden seit 2003 verpflichtende Schuleingangsuntersuchungen durchgeführt. Die Schulärztinnen und -ärzte der Fachämter Gesundheit prüfen die vorzulegenden Impfausweise, indem sie den Impfstatus gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut (STIKO) erheben und beurteilen. Für die einzelnen Impfungen wird für jedes Kind mit vorgelegtem Impfausweis jeweils die Zahl der dokumentierten Impfungen bzw. die Vollständigkeit der Grundimmunisierung festgestellt.

Die erhobenen Daten für Hamburg werden durch die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz statistisch ausgewertet und dann auf der Grundlage des § 34 Abs.1 Infektionsschutzgesetzes (IfSG) in zusammengefasster und anonymisierter Form an das Robert Koch-Institut (RKI) übermittelt. Die analysierten Ergebnisse der zentralen Erfassung der Daten aus den Bundesländern beim RKI werden jährlich in einem Überblick der Impfquoten in Deutschland im Epidemiologischen Bulletin des RKI veröffentlicht. Die letzten aktuell veröffentlichten Zahlen stellen die Ergebnisse für das Jahr 2015 dar (Epidemiologisches Bulletin Nr. 16/2017).

Kapitelübersicht

Aktuelle Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen in Hamburg
 

 Anzahl vorgelegter Impfausweise im prozentualen Verhältnis zu den untersuchten Kindern für die Jahre 2012 bis 2016 in Hamburg.
In Hamburg wurden bei den Schuleingangsuntersuchungen 2016 insgesamt 14.865 Kinder untersucht. Von diesen hatten im Jahr 2016 93,6 Prozent (13.917 Kinder) einen Impfausweis vorgelegt. In den Jahren 2012 bis 2016 lag die Spanne an untersuchten Kindern zwischen 12.538 als niedrigster und 14.865 als höchster Wert mit einem den Zahlen entsprechenden prozentualen Anteil an vorgelegten Impfausweisen von 93,6 Prozent  bis 98,1 Prozent  (Abbildung 1).

Die nachstehend für die Jahre 2012 bis 2016 dargestellten Impfraten berücksichtigen die Kinder, bei denen der Impfpass vorgelegt wurde. Der Anteil der Kinder in Hamburg mit abgeschlossener Grundimmunisierung nach den Kriterien des RKI ist in Abbildung 2 dargestellt.

 
Impfraten vollständig geimpfter einzuschulender Kinder in den Jahren 2012 bis 2016 bezogen auf Kinder mit vorgelegtem Impfausweis in Hamburg.
Die jährlich erhobenen Daten zeigen für den Beobachtungszeitraum 2012 bis 2016 einen kontinuierlichen Zuwachs im Erreichen eines vollständigen Impfschutzes oder den Erhalt des erreichten Niveaus für die erfassten Impfungen. Ein Anstieg der Impfquoten wird besonders bei denjenigen Impfungen deutlich, die seitens der STIKO erst seit einem relativ kurzen Zeitraum empfohlen werden (Varizellen [Windpocken] 2004, Meningokokken C und Pneumokokken 2006). Die Abbildung spiegelt den Zeitraum in Zahlen wider, in denen sich neu empfohlene Impfungen in der nachwachsenden Bevölkerung etablieren.
 

Kapitelübersicht

Beurteilung im bundesweiten Vergleich

Impfraten Hamburgs aus 2015 im Vergleich zu den aktuell vom RKI veröffentlichten Daten aus 2015.
Die für Hamburg erhobenen Zahlen liegen im Rahmen der statistischen Schwankungsbreite auf dem Niveau, wie er anhand der vom RKI veröffentlichten Zahlen für 2015 für den Bundesdurchschnitt ausgewiesen wurde (Abbildung 3). Daten für das Jahr 2016 lassen sich erst dann vergleichen, wenn das RKI die entsprechenden Zahlen ausgewiesen hat. Insgesamt zeigen die Impfraten der Schuleingangsuntersuchungen über die Jahre auch im Bundesdurchschnitt einen kontinuierlichen Anstieg beziehungsweise den Erhalt des erreichten Niveaus.

Kapitelübersicht

Bedeutung der Masernimpfung

Masern ist eine hochansteckende Erkrankung, die mit schweren Nebenwirkungen einhergehen und in einigen Fällen auch zum Tode führen kann. Eine abgeschlossene Grundimmunisierung kann dauerhaft gegen eine Maserninfektion schützen. Birgt eine Impfung schon einen Schutz gegen diese Erkrankung, empfiehlt die STIKO heute zwei Impfungen im zweiten Lebensjahr für eine abgeschlossene Grundimmunisierung. Die Masernimpfung wird heute in der Regel in Kombination mit einer Impfung gegen Mumps, Röteln und Varizellen verabreicht.

In Hamburg bewegte sich die Anzahl gemeldeter Masernerkrankungen in den letzten Jahren auf einem niedrigen Niveau. Für das Jahr 2016 wurden den Behörden zehn Masernerkrankungen gemeldet.  Bundesweit wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) für das Jahr 2016 325 Masernfälle übermittelt. Die Zahlen verdeutlichen dass es jederzeit noch überall zu Masernerkrankungen und damit verbundenen Ausbrüchen kommen kann.

Nicht nur Kinder sind von einer Maserninfektion bedroht. Von den für 2015 dem RKI übermittelten Masernfällen entfielen 29 Prozent  auf die Altersgruppe der 20- bis 39-Jährigen. Bei ca. 35 Prozent, die 20 Jahre oder älter waren, ist die Erkrankung mit einem Krankenhausaufenthalt verbunden gewesen. Schwere Krankheitsverläufe treten vor allem bei Säuglingen und Erwachsenen auf. Daher empfiehlt die STIKO seit 2010 auch die Masern-Impfung für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen, sofern sie nicht oder nur einmal geimpft sind oder der Impfstatus unklar ist. Die Impfung unterliegt für den beschriebenen Personenkreis der Erstattungspflicht durch die Gesetzliche Krankenversicherung.

Die Beseitigung der Masern durch Impfprogramme ist ein wesentliches gesundheitspolitisches Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), auf das die Regierungen der Mitgliedsländer hinarbeiten. Die Eliminierung ist aber nur mit der entsprechenden Quote an Masern-Durchimpfungsraten erreichbar. Sie setzt unter anderem eine hohe Bereitschaft zur Unterstützung in der Bevölkerung und der Ärzteschaft voraus.

Laut RKI sind die Impfquoten für die zweite Masernimpfung innerhalb der letzten zehn Jahre deutlich angestiegen (Bundesweit 92,8 Prozent ) in 2015. Die Impfquote für die erste Masernimpfung liegt bundesweit 2015 mit 96,8 Prozent  bereits jetzt über der Zielsetzung der WHO. Eine ähnliche Zahlenentwicklung zeigen die Anteile von Erst- und Zweitimpfung gegen die Masern in Hamburg während der letzten fünf Jahre (Abbildung 4). Die für das Verschwinden der Masern notwendige 95-prozentige Impfquote für die zweite Masernimpfung wurde bisher in Hamburg nicht erreicht.

Kapitelübersicht

Impfen in Hamburg

 Anzahl an erreichten Quoten von Erst- und Zweitimpfungen gegen die Masern anhand vorgelegter Impfausweise im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen von 2012 bis 2016 in Hamburg.
Es ist ein besonderes Anliegen der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, dass alle Bürgerinnen und Bürger über die Bedeutung von Schutzimpfungen für sich und andere informiert sind und Zugang zu Impfungen haben. Möglichst alle Personen sollten nach den Empfehlungen der STIKO geimpft sein.

Der überwiegende Anteil von Schutzimpfungen wird durch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte verabreicht.

Der Öffentliche Gesundheitsdienst der Freien und Hansestadt Hamburg ergänzt in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten die Anstrengungen, einen umfassenden Impfschutz in der Bevölkerung zu erreichen. Im Rahmen der schulärztlichen Untersuchungen wird der Impfstatus überprüft. Teilweise werden auch Impfungen angeboten, um die bestehenden Impflücken zu schließen. Ärztinnen und Ärzte des Zentrums für Impfmedizin und Infektionsepidemiologie des Instituts für Hygiene und Umwelt besuchen Schulen und bieten dort den Schülerinnen und Schülern der 8./9. Klassen Impfungen an. Die Fachämter Gesundheit der Bezirke haben Impfsprechstunden und nehmen Impfaufgaben im Falle von Seuchengefahren und Ausbrüchen wahr.

Mit der „Anordnung über öffentlich empfohlene Schutzimpfungen“ nach § 20 Abs. 3 IfSG (Infektionsschutzgesetz), der Erarbeitung von Informationsmaterialien und der Durchführung öffentlichkeitswirksamer Kampagnen übernimmt die Freie und Hansestadt Hamburg ihre besondere Verantwortung, aktiv für die Vornahme von Schutzimpfungen einzutreten und auf diese Weise zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung beizutragen.

Für die Erreichung des Ziels, einen umfassenden Impfschutzes der Bevölkerung Hamburgs, bedarf es auch zukünftig weiterer Anstrengungen und einer intensiven Zusammenarbeit der vielen Beteiligten im Gesundheitswesen. Insbesondere das Bewusstsein der Eltern sollte weiterhin dafür geschärft werden, dass Impfungen das Leben ihrer Kinder schützen können.

Empfehlungen