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Kriminalstatistik 2022 Kriminalitätslage auf Vor-Pandemie-Niveau stabil – Tötungsdelikte historisch niedrig

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Die Gesamtzahl der erfassten Delikte im vergangenen Jahr blieb im Vergleich zu 2019, dem Jahr vor der Pandemie, nahezu unverändert. Hier finden Sie alle Entwicklungen im Überblick.

Pressekonferenz zur Vorstellung der Kriminalstatistik am 08.02.2023

Kriminalitätslage in Hamburg auf Vor-Pandemie-Niveau stabil

Nach Ende der pandemiebedingten Einschränkungen liegt die Zahl der Straftaten in Hamburg mit 211.239 im Jahr 2022 etwa auf dem Niveau des Vor-Pandemie-Jahres 2019. Dem geringfügigen Anstieg der Kriminalität um +0,2 Prozent steht im selben Zeitraum ein Bevölkerungswachstum in Hamburg von 2,6 Prozent gegenüber. Die Zahl der Straftaten auf 100.000 Einwohner, d. h. das Risiko, in Hamburg Opfer einer Straftat zu werden, ist damit im Langzeitvergleich so gering wie seit über 40 Jahren nicht mehr.

Hamburgs Innensenator Andy Grote, Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und der Leiter des Landeskriminalamtes Jan Hieber haben am Mittwoch (8. Februar) die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2022 vorgestellt. Dabei zeigt sich, dass mit der Aufhebung der pandemiebedingten Einschränkungen im vergangenen Jahr das öffentliche Leben wieder an Fahrt aufgenommen hat und das wieder vermehrte Zusammentreffen von Menschen auch zu mehr Tatgelegenheiten und damit Straftaten führt.

Die Gesamtzahl der erfassten Delikte im vergangenen Jahr blieb im Vergleich zu 2019, dem Jahr vor der Pandemie, nahezu unverändert (+ 0,2 Prozent), stieg jedoch im Vergleich zum Corona-Jahr 2021 um 24.836 Delikte (+13 Prozent) auf 211.239 Fälle. Gleichzeitig verzeichnete Hamburg seit 2019 ein Bevölkerungswachstum von 2,6 Prozent, im letzten Jahr vor allem aufgrund der hohen Zugangszahlen von Schutzsuchenden insbesondere aus der Ukraine. Gemessen an der Gesamtzahl der Straftaten ist das Risiko, in Hamburg Opfer einer Straftat zu werden, damit im Langzeitvergleich weiterhin so gering wie seit 1979 nicht mehr. Die Aufklärungsquote lag mit 46,2 Prozent auf einem ähnlichen Niveau wie 2019 (-0,5 Prozent).

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Hamburg geht in der Langzeitbetrachtung weiter zurück, allein seit 2015 war die Zahl zuletzt um rund 75 Prozent rückläufig. Mit dem Ende der pandemiebedingten Einschränkungen kommt es zwar im Vergleich zu 2021 wieder zu mehr Tatgelegenheiten, dennoch liegt die Fallzahl mit 2.506 deutlich unter der von 2019 (-42 Prozent). Mit Ausnahme der Corona-Jahres 2021 (2.204 Fälle) handelt es sich um die niedrigste Zahl der Wohnungseinbrüche seit Beginn der Auswertung im Jahr 1971. Sie ist sogar noch niedriger als im ersten Pandemiejahr 2020 (3.442 Fälle). In rund der Hälfte der Fälle blieb es beim Versuch. Die Täter scheitern in vielen Fällen an gut gesicherten Fenstern und Türen.

Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich auch bei der Gesamtzahl der Diebstahlsdelikte, die zwar im Vergleich zum Vorjahr um 13.396 Fälle (+19 Prozent) steigt, jedoch unter dem Vor-Pandemie-Niveau bleibt (-6 Prozent im Vergleich zu 2019). Am deutlichsten ist dieser Rückgang in dem Zeitraum bei Diebstählen von und aus Autos mit einem Minus von 14,4 Prozent (+6,9 Prozent zum Vorjahr). Trotz steigender Kfz-Zulassungszahlen werden in Hamburg damit immer weniger Autos aufgebrochen und gestohlen.

Fahrräder sind dagegen weiterhin im Fokus von kriminellen Hehlerbanden. Nachdem bereits im Jahr 2020 ein deutlicher Anstieg (damals +21 Prozent) registriert wurde, stieg die Zahl der Fahrraddiebstähle zuletzt im Vergleich zu 2021 um +3 Prozent auf jetzt 14.735 Fälle. Seit Beginn der Pandemie und im Zuge des veränderten Mobilitätsverhaltens werden Fahrräder vielfach als Alternative zu anderen Verkehrsmitteln genutzt. So stieg der Radverkehrsanteil seit 2019 um 33 Prozent. Der steigende Anteil hochwertiger Räder (wie E-Bikes) macht sich dabei ebenso bemerkbar wie die Preissteigerungen bei Fahrradkomponenten aufgrund von Lieferengpässen. Die Polizei steuert verstärkt mit zielgerichteten operativen Maßnahmen gegen. Entscheidend ist jedoch auch eine erfolgreiche Prävention insbesondere durch eigene Maßnahmen zur Fahrradsicherung, worauf die Polizei mit ihren Aufklärungskampagnen kontinuierlich hinweist.

Weiterhin hohe Priorität hat aktuell auch die Bekämpfung des Taschendiebstahls. Das wieder deutlich intensivere öffentliche Leben, verbunden mit stark erhöhter Mobilität, einer hohen Frequenz im öffentlichen Raum und zahlreichen Veranstaltungen in der Stadt führte hierbei zu einer Entwicklung, die zwar immer noch unter dem Vor-Pandemie-Niveau im Jahr 2019 lag (-7 Prozent), bei der die Zahl der erfassten Delikte im Vergleich zum Corona-Jahr 2021 jedoch um 4.439 auf 10.958 Fälle stieg. Die Polizei Hamburg führt daher regelmäßig Schwerpunkteinsätze, auch unter Beteiligung der Bundespolizei, u.a. im Umfeld des Hauptbahnhofes durch.

Erfreulicherweise erreichte die Zahl der Tötungsdelikte in 2022 mit 11 vollendeten und 24 versuchten Tötungsdelikten einen historischen Tiefststand. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen in der Kriminalstatistik im Jahr 1971. Alle im Jahr 2022 in der PKS erfassten Fälle konnten durch die Polizei aufgeklärt werden.

Ebenso verzeichnete die Polizei deutlich weniger Gewalttaten, bei denen Schusswaffen eingesetzt wurden. Schusswaffen spielten 2022 in 72 Fällen der Gewaltkriminalität eine Rolle. Das sind 19 Fälle weniger als 2019 und sogar sieben Fälle weniger als 2021. Rückläufig war zudem auch der Anteil der Gewalttaten, bei denen ein Messer eingesetzt wurde – von 10 Prozent im Jahr 2019 auf nun 8 Prozent im vergangenen Jahr (629 Fälle).

Insgesamt wurden im Bereich der Gewaltkriminalität 7.583 Taten registriert. Die Zahl der Delikte in diesem Bereich ist damit im Vergleich zu 2019 (7.186 Fälle), aber auch im Vorjahresvergleich (6.799 Fälle) angestiegen. Mit dem wieder vermehrten Zusammentreffen von Menschen im öffentlichen Raum erhöhte sich auch die Zahl der Gewaltdelikte vor allem auf vielbelebten Straßen, Wegen und Plätzen wie der Reeperbahn oder im Bereich der Innenstadt, wo die verstärkte Präsenz der Polizei zuletzt zu einer Aufhellung des Dunkelfeldes geführt hat. Immer wieder sind die Betroffenen, sowohl auf der Opfer-, aber auch auf der Täterseite dem Randständigen- und Drogenmilieu zuzuordnen, wo es zu Straftaten innerhalb dieser Szene kommt. Das betrifft auch die Raubstraftaten. Die Zahl blieb mit 1.756 zwar um 4 Prozent unter 2019, stieg jedoch im Vergleich zu 2021 um 20 Prozent. Bei den Körperverletzungen registriert die Polizei sowohl einen leichten Anstieg gegenüber 2019 wie auch zum Corona-Jahr Jahr 2021 (+13 Prozent) auf 21.059 Fälle, darunter 5.555 Fälle von schwerer und gefährlicher Körperverletzung. Festzustellen war in diesem Gesamtkontext auch ein vermehrter Konsum harter Drogen (Heroin/Crack/Kokain) insbesondere im Stadtteil St. Georg, der die Entwicklung im Bereich der Aggressionsdelikte und der Beschaffungskriminalität beeinflusst. Bei den Konsumentendelikten stieg die Anzahl festgestellter harter Drogen um fast 900 Fälle im Vergleich zum Vorjahr.

Opfer von Gewalt wurden zuletzt auch immer wieder diejenigen, die im Auftrag der Gesellschaft anderen helfen sollen. Die Zahl der Opferwerdungen von Polizeivollzugsbeamten stieg im Vergleich zu 2019 um 34 Prozent und zum Vorjahr um 12 Prozent auf 2.597. Die Zahl der Betroffenen bei Feuerwehr und Rettungsdiensten sank hingegen um -24 Prozent gegenüber 2019 bzw. -12 Prozent gegenüber 2021.Die aktuellen Vorfälle rund um die Silvesternacht sind darin nicht enthalten und werden sich erst in der Kriminalstatistik für das Jahr 2023 wiederfinden.

Einen spürbaren Anstieg registrierte die Polizei auch bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Ursächlich dafür ist neben der bereits in 2021 registrierten Zunahme bekannt gewordener Fälle von Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie, eine Zunahme gemeldeter Fälle von sexueller Belästigung sowie ein Anstieg bei den Vergewaltigungen, sexuellen Nötigungen und Übergriffen in besonders schweren Fällen. Letzteres geht vor allem auf eine erhöhte Anzeigebereitschaft zu Fällen in Partnerschaften zurück. Die Zahl stieg um 5 Opfer gegenüber der Zahl von 2019 bzw. 29 Opfer gegenüber 2021 auf 63 im vergangenen Jahr. Die Polizei appelliert weiterhin, Sexualstraftaten auch in Partnerschaften konsequent anzuzeigen. Nur wenn die Polizei Kenntnis von Straftaten erhält, kann sie umgehend einschreiten und helfen.

Die Zahl der Betrugsdelikte insgesamt erreichte in 2022 mit 29.806 Taten wieder das Vor-Pandemie-Niveau. Den größten Anteil beim Betrug macht mit über 11.026 Taten der Waren- und Warenkreditbetrug aus, bei dem das Internet als bevorzugter Absatzraum aufgrund des geänderten Konsumverhaltens eine immer größere Rolle spielt. Der Anstieg ist zudem auf eine deutliche Steigerung beim Tankbetrug um 68,5 Prozent (+921 Fälle) im Vergleich zum Vorjahr zurückzuführen. Hier machen sich die Auswirkungen der Inflation und des Krieges in der Ukraine bemerkbar, die zu höheren Benzinpreisen führten. Einen deutlichen Rückgang gab es dafür im Bereich der Beförderungserschleichung. Ursächlich für diesen Rückgang dürfte neben den gesunkenen Fahrgastzahlen zu Jahresbeginn vor allem die Einführung des 9-Euro-Tickets in den Sommermonaten gewesen sein.

 

Innensenator Andy Grote: „Unsere Stadt ist auch in unruhigen Zeiten sehr sicher. Abgesehen von den beiden Jahren mit pandemiebedingt besonders niedriger Kriminalität, ist das Risiko, in Hamburg von einer Straftat betroffen zu sein, im Langzeitvergleich so gering wie zuletzt vor über 40 Jahren. Dass wir trotz deutlich gewachsener Bevölkerung auch bei der absoluten Zahl der Straftaten das niedrige Vor-Pandemie-Niveau von 2019 halten konnten, ist nicht selbstverständlich. Es ist der Erfolg einer hochmotivierten und gut aufgestellten Hamburger Polizei, die auch in diesen Zeiten mit all ihren Krisen, Veränderungen und Unsicherheiten verlässlich für die Sicherheit in unserer Stadt sorgt.

Ich danke daher allen Hamburger Polizistinnen und Polizisten, die hier Tag und Nacht auf unseren Straßen unterwegs sind, um uns zu schützen.“

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer: „Für die Kriminalität war die Pandemie quasi ein Glücksfall. Die Eindämmungsmaßnahmen und unsere veränderten Alltagsroutinen hatten große Auswirkungen auf die Kriminalitätsentwicklung. Im vergangenen Jahr hat das öffentliche Leben wieder an Fahrt aufgenommen. Es war zu erwarten, dass die Zahlen erstmalig wieder steigen würden. In vielen Deliktsbereichen bleiben sie aber auch auf dem niedrigen Vor-Pandemie-Niveau von 2019. Besonders freue ich mich über die Entwicklung der Einbruchskriminalität, deren Bekämpfung mir ein besonderes Anliegen ist. 2506 Einbrüche sind eine erfreulich niedrige Zahl.

Der Langzeitvergleich zeigt: Die Polizei Hamburg hat sich auch in diesen besonders schwierigen Zeiten als eine stabile Säule für ein sicheres Leben in unserer Stadt erwiesen. Ein großer Dank geht an meine Kolleginnen und Kollegen, die diesen Erfolg durch ihr täglich hohes Einsatzpensum erst ermöglicht haben. Jetzt gilt es weiter zu arbeiten und neue Prozesse anzustoßen, um auch in Zukunft erfolgreich sein zu können.“

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