Information Scientology versucht es noch einmal

Bergedorf: Verfassungsfeindliche Organisation plant für Sonnabend erneut einen „Anti-Drogen-Info-Stand“

Scientology versucht es noch einmal

Die verfassungsfeindliche Scientology-Organisation (SO) plant für Sonnabend, 6. August 2016, 11.30 bis 14.30 Uhr, in Hamburg-Bergedorf (Sachsentor 33) erneut einen Info-Stand unter dem Motto „Für eine drogenfreie Welt“.

Anmelderin ist eine Frau, die seit Jahren in der SO aktiv ist und sich unter anderem im Verein „Sag Nein zu Drogen – Sag Ja zum Leben engagiert“. Dieser Verein ist eine von vielen Scientology-Tarnorganisationen. Bereits für den 23. Juli hatte die SO, die seit 1997 vom Verfassungsschutz beobachtet wird (Informationen), einen Info-Stand in Bergedorf geplant. Wahrscheinlich infolge der  öffentlichen Berichterstattung führte die Organisation  den Stand nicht durch.

Fragen und Antworten zum scientologischen Anti-Drogen-„Engagement“:

Ansprechpartner

1. Warum organisiert Scientology Info-Stände zu diesem Thema?

Die SO instrumentalisiert das gesellschaftlich breit akzeptierte Engagement gegen den Drogenmissbrauch, um mit Bürgerinnen und Bürgern, aber auch mit sozialen Einrichtungen und Organisationen ins Gespräch zu kommen. Über dieses positiv besetzte Thema versucht Scientology, sein angeschlagenes Image in Deutschland  zu verbessern. Über den Kontakt zu den Menschen geht es der SO letztendlich auch immer darum, neue Unterstützer zu gewinnen.

2. Warum tritt die Scientology-Organisation nicht unter ihrem richtigen Namen auf?

Scientology genießt  in Deutschland ein nicht gerade hohes Ansehen. Es ist weithin bekannt, dass die Organisation ein Gesellschaftsmodell verfolgt, das mit den Grundwerten unserer Demokratie nicht vereinbar ist. Aus taktischen Gründen tritt die SO  unter dem wohlklingenden Slogan „Für eine drogenfreie Welt“ und der Tarnorganisation „Sag Nein zu Drogen“ auf. Würde Scientology  offen unter ihrem Label  auftreten, gäbe es vermutlich   kaum Interesse für den Info-Stand – es sei denn, von  Scientologen selbst.

3. Gibt es weiteres Anti-Drogen-„Engagement“ der SO?

Ja. Seit Jahren verteilt die SO Anti-Drogen-Broschüren, zum Beispiel in Hamburger Geschäften, die einen hohen Publikumsverkehr haben. Dazu gehört zum Beispiel ein dunkelgrünfarbener Flyer mit dem viel versprechend klingenden Titel „Fakten über Drogen“. Auch hier verschweigt die SO  ihren Namen, in den Heften gibt es keinen direkten Hinweis auf die verfassungsfeindliche Gruppierung.

4. Im Internet bei Scientology liest sich das aber alles ganz anders…

… klar, wie das bei Extremisten so ist: Sie haben ihre ganz eigene Wahrnehmung. In Internet-Darstellungen feiert sich die SO mit ihrer angeblich „lebensrettenden Aufklärungskampagne“. Mit professioneller Aufklärung und Suchthilfe haben die gedruckten Heftchen und Online-Publikationen indes wenig  zu tun. Die Aktivitäten des verfassungsfeindlichen Vereins, der sich selbst als „Kirche“ bezeichnet („Kirche“ ist eben kein geschützter Begriff), beschränken sich vorwiegend auf die Verteilung der Info-Heftchen und die Berichterstattung über die angeblich in Umlauf gebrachte Anzahl der Publikationen. Motto: Quantität statt Qualität. Zudem finden sich im Internet anonyme Rückmeldungen über den vermeintlichen Erfolg der SO-Drogen-„Aufklärung“.

5. Ist es eine spezielle SO-Taktik, positiv besetzte Themen zu instrumentalisieren?

Nein. Extremisten jeglicher Couleur und Richtung missbrauchen gesellschaftlich breit akzeptiertes Engagement, um Themen zu transportieren und mitzubestimmen, in Kontakt mit Menschen und Organisationen zu kommen, ihren ramponierten Ruf zu verbessern und neue Unterstützer zu gewinnen. Der Einsatz gegen den Drogen-Missbrauch ist im Übrigen keine Frage, welche die verfassungsfeindliche SO allein gepachtet hat. Auch Rechtsextremisten haben diese Thematik bereits für ihre Zwecke instrumentalisiert. So organisierten die rechtsextremistischen „Jungen Nationaldemokraten Sachsen“ im Sommer 2014 in mehreren Städten Ostdeutschlands Anti-Drogen-Kampagnen. (Bericht)

Im Visier haben die Extremisten dabei nicht nur gesellschaftliche Multiplikatoren, sondern insbesondere auch junge Menschen.

6. Was rät der Hamburger Verfassungsschutz den Bürgerinnen und Bürgern?

Wenn die Scientologen am Sonnabend in Bergedorf ihren Info-Stand veranstalten sollten – lassen Sie ihn einfach links liegen und schlendern gemütlich weiter. Wer Beratungsbedarf hat, sollte sich an eine der zahlreichen professionellen Hamburger Drogenberatungsstellen wenden.

Wer in einem Geschäft SO-Anti-Drogen-Flyer entdeckt, sollte den Inhaber informieren, dass es sich nicht um harmlose Info-Heftchen handelt, sondern um die Publikationen einer verfassungsfeindlichen Organisation. Letztendlicher Rat: Ab damit in die Papiertonne.

7. Welche weiteren Tarn- und Nebenorganisationen gibt es? Warum wird die SO vom Verfassungsschutz beobachtet? Wo finde ich weitere Informationen zu den Gefahren, die von der Scientology-Organisation ausgehen?

Mehr zu diesen und weiteren Fragen im aktuellen Hamburger Verfassungsschutzbericht, Seite 198 ff.

sowie

im Internetauftritt des Hamburger Verfassungsschutzes, zum Beispiel hier:

- Ein Fall für den Verfassungsschutz

- Potenziale und Aktivitäten

- Über die Scientology-Organisation

- Ideologie und Zielsetzungen

- Strukturen und Organisationseinheiten

8. Wie bekomme ich Kontakt zur Scientology-Beratungsstelle des Hamburger Verfassungsschutzes?

Scientology-Beratung beim Landesamt für Verfassungsschutz Scientology-Beratung beim Landesamt für Verfassungsschutz
Für Informationen, Beratungen und Ausstiegshilfe im Zusammenhang mit der Scientology-Organisation (SO) wenden Sie sich gern an das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV).

E-Mail: poststelle@verfassungsschutz.hamburg.de
Telefon: (040) 24 44 43

Unter dem Hinweis „Scientology“ werden Sie mit der Beratungsstelle im Landesamt für Verfassungsschutz verbunden. Alle Eingänge werden vertraulich behandelt.

Kontakt

Behörde für Inneres und Sport

Hauptgebäude und Postanschrift


Johanniswall 4
20095 Hamburg

Fax: 040 4 28 39 19 08

Tel. E-Mail-Adresse Web

Freie und Hansestadt Hamburg