Erläuterung Salafismus

Salafismus

Als Salafisten werden Angehörige einer bestimmten sunnitisch-islamistischen Strömung bezeichnet, die sich der Rückkehr zu einem als „ursprünglich“ angesehenen Islam verschrieben hat. Um der Praxis der frühen islamischen Gemeinde möglichst nahe zu kommen, berufen sich Salafisten in besonders ausgeprägter Form auf das Vorbild der so genannten "frommen Altvorderen" (as-salaf as-salih), womit die ersten drei muslimischen Generation gemeint sind. Weiterhin betonen sie die rechtlich und theologisch autoritäre Rolle der Prophetentradition und schließlich des Korans. Spätere Auslegungen, wie sie beispielsweise in den vier großen sunnitischen Rechtsschulen verbreitet sind, werden nur dann anerkannt, wenn sie dem Verständnis der Salafisten entsprechen. Die Reinigung von so genannten „unerlaubten Neuerungen“ (arab. bid´a) im Islam, stellt eine Hauptbestrebung der Salafisten dar. Zudem beharren sie auf einem äußerst strikten Monotheismus (arab. tauhid) und bekämpfen jede Form von angenommener „unerlaubter Beigesellung Gottes“ (arab. shirk), wie etwa das in der islamischen Welt weit verbreitete Gebet an den Gräbern von Toten.

Der hier beschriebene Salafismus ist hauptsächlich aus einer Vermengung von islamisch-puristischen Erneuerungsbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts (Ahl al-Hadith = Leute der Prophetenüberlieferung), dem in Saudi-Arabien entstandenen Wahhabismus sowie der Ideologie der Muslimbruderschaft entstanden.

Der Salafismus in Deutschland gilt als die zurzeit dynamischste islamistische Bewegung. Er entfaltet seine Breitenwirkung vor allem durch das Internet. Salafistische Ideologieinhalte werden durch eine Vielzahl von deutschsprachigen Webseiten sowie durch zahlreiche Kurzvideos, die zum Beispiel über Youtube abrufbar sind, vermittelt. Einfluss erlangen Salafisten auch über Infostände, die Verteilung von Broschüren und Flugblättern sowie Übersetzungen salafistischer Grundlagenwerke und durch die Abhaltung von Seminaren, an denen ein überwiegend junges Publikum teilnimmt.

Für den Verfassungsschutz sind die politische und die jihadistische Strömung innerhalb des Salafismus von Relevanz. Beide Strömungen lehnen so genannte „menschengemachte“ (d.h. weltliche) Gesetze sowie die parlamentarische Demokratie ab und streben eine göttliche Rechtsordnung an. In letzter Konsequenz soll ein Herrschaftssystem etabliert werden, in dem wesentliche, in Deutschland garantierte, Grundrechte und Verfassungspositionen keine Geltung haben sollen. Vertreter des politischen Salafismus stützen sich auf die intensive Propagandatätigkeit – die so genannte da´wa (Ruf zum Islam/Missionierung) – um ihre extremistische Ideologie zu verbreiten und gesellschaftlichen Einfluss zu gewinnen. Anhänger des Jihadismus hingegen glauben, ihre Ziele durch Gewaltanwendung oder Inkaufnahme von Gewalt realisieren zu können. Im Gegensatz zu den politischen Salafisten hängen die Jihadisten der Doktrin des globalen Jihad, wie sie hauptsächlich von al-Qaida formuliert wurde, an. Jedoch ist innerhalb des jihadistischen Salafismus zwischen Terroristen, gewaltbefürwortenden und gewaltorientierten Personen zu unterscheiden. So zeigte sich an den Auseinandersetzungen zwischen Salafisten und der Polizei in Solingen und Bonn, dass es ein gewaltorientiertes, vornehmlich jugendliches, salafistisches Milieu gibt, die zwar politische Straßengewalt ausüben, jedoch nicht in terroristische Strukturen eingebunden sind. 

Die Übergänge zwischen der politischen und jihadistischen Strömung sind – wie Auswertungen von Radikalisierungsverläufen gezeigt haben – fließend. Jihadistische wie auch politische Salafisten rezipieren viele Ideen derselben Autoritäten und Vordenker. Sowohl die ideologischen Grundlagen wie auch die angestrebten politischen und gesellschaftlichen Ziele sind bei beiden Gruppen zumeist gleich. Sie unterscheiden sich hauptsächlich in der Wahl der Mittel, mit denen ihre Ziele verwirklicht werden sollen.

Die Mehrzahl der salafistischen Einrichtungen in Deutschland ist dem Phänomenbereich des politischen Salafismus zuzuordnen. Dies bedeutet, dass die Mehrzahl der Salafisten in Deutschland nicht dem terroristischen Milieu zuzurechnen sind. Andererseits sind jedoch fast alle in Deutschland bisher identifizierten terroristischen Netzwerkstrukturen und Einzelpersonen salafistisch geprägt bzw. haben sich in einem salafistischen Umfeld entwickelt.

Es kann daher als gesichert gelten, dass das von Salafisten verbreitete Gedankengut den Nährboden für eine Radikalisierung bilden kann.

Empfehlungen