Vortragsveranstaltung im Landesamt für Verfassungsschutz Impulse für Präventionsarbeit

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Das LfV Hamburg führte am 23. Oktober 2017 eine Vortragsveranstaltung und anschließender Diskussion mit dem Forscher und Präventionsexperten Dr. Michael Kiefer vom Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück durch.

Veranstaltung mit Dr. Michael Kiefer im LfV HH Anja Domres, stellvertretende Leiterin des Hamburger Verfassungsschutzes, und Dr. Michael Kiefer

Impulse für Präventionsarbeit

Dr. Kiefer arbeitete zuletzt mit einem Forscherteam an der Auswertung eines Chat-Verlaufs einer dschihadistischen jugendlichen Gruppe. Die Ergebnisse dieser Analyse wurden einem ausgewählten Publikum, bestehend aus Praktikern und Experten aus Hamburg und anderen Bundesländern, vorgestellt.

Als Islamwissenschaftler stellte Dr. Kiefer vor allem den eklatanten Mangel an grundlegenden Religionskenntnissen der terroristischen Gruppe heraus und sprach von einem zusammengewürfelten „Lego“-Islam. Er schloss sich dabei der These des französischen Experten Olivier Roy an, der eine Islamisierung von Radikalität sieht, womit gemeint ist, dass Personen, die ohnehin schon einen Hang zur Radikalität oder zum Extremismus aufweisen, diese Neigung verstärkt im Mantel der Religion ausleben.

Im weiteren Verlauf der Diskussion wurden intensiv Fragen der Präventionsmöglichkeiten erörtert. Als grundlegend wurde zunächst herausgestellt, dass zunächst der Präventionsbegriff als solcher exakt beschrieben werden müsste, um unter den Praktikern ein einheitliches Denken hinsichtlich der zu realisierenden Ziele zu schaffen. Diese könnten in Gewaltabkehr bestehen, wofür Dr. Kiefer sich aussprach, sie könnten aber auch weitergehend gefasst werden, und etwa die ideologische Abkehr von extremistischer Ideologie beinhalten.

Auch wurde die Rolle von Sicherheitsbehörden in der Präventionsarbeit diskutiert. Prävention wird zumeist in drei Dimensionen unterteilt: Primäre, sekundäre und tertiäre Prävention. Währen die primäre Prävention die allgemeine Aufklärung der Gesellschaft über Extremismus beschreibt, beinhaltet  sekundäre Prävention Aufklärung und andere Maßnahmen für bestimmte Gruppen, etwa Schulklassen, während die tertiäre Prävention interventionistische Maßnahmen bei Einzelpersonen umschreibt (oft auch als „Deradikalisierung“ verstanden). Sicherheitsbehörden sollten  nach Auffassung von Dr. Kiefer in der Präventionsarbeit aktiv werden, wenn eine Gefährdungslage besteht oder die Radikalisierung schon sehr weit vorangeschritten ist. Nichtstaatliche Beratungsstellen sollten lediglich in einem niedrigschwelligeren Bereich der Radikalisierung aktiv sein. Die Grenze zwischen Prävention und Intervention kann dabei fließend sein, weshalb die Handelnden sich hierüber verständigen sollten.

Einen besonderen Bedarf sieht Dr. Kiefer derzeit insbesondere in der Koordinierung von Präventionsmaßnahmen. Dies spiegelt auch die Erfahrung des LfV Hamburg wider.

Insgesamt bot die Veranstaltung einen fruchtbaren Austausch über Möglichkeiten, Grenzen und Herausforderungen von Prävention unter Beteiligung verschiedener Behörden und weiterer Experten und gab gute Impulse für die Präventionsarbeit in Hamburg und anderen Ländern. 

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