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Linksextremismus Autonome - Anarchisten - Antiimperialisten

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Autonome - Anarchisten - Antiimperialisten

Nachfolgend werden die unterschiedlichen linksextremistischen Strukturen dargestellt. Die Grenzen zwischen den Teilspektren sind fließend. Im Verlauf ihrer politischen Aktivitäten arbeiten Angehörige dieser linksextremistischen Szene auch mit anderen Linksextremisten und mit nicht extremistischen politischen Strömungen und Organisationen zusammen.

Autonome

Das Phänomen der Autonomen trat erstmals zu Beginn der 80er Jahre auf. Sie gingen z.T. aus der "Sponti-Szene" der 70er hervor. Autonome sind Linksextremisten ohne geschlossene Ideologie. Viele eint der Hass auf Staat und Gesellschaftsform. Sie wollen durch Zerschlagung des "imperialistischen Repressionsstaates" und seiner Einrichtungen eine "ausbeutungs- und herrschaftsfreie" Gesellschaft errichten, ohne hierzu genauere Vorstellungen zu entwickeln. Aufgrund ihrer Organisationsfeindlichkeit arbeiten sie zumeist in eher kurzlebigen kleineren Gruppen zusammen. Die Bandbreite ihrer Aktivitäten reicht vom Antifaschismus, Antirassismus (Asyl- und Abschiebeproblematik) über militanten Widerstand gegen Stadtentwicklung / Umstrukturierung bis hin zur autonomen "Stadtteilarbeit". Zielsetzungen und Praxis überschneiden oder verzahnen sich vielfach mit anarchistischen Ansätzen.  

Militanz ist für Autonome eine unverzichtbare Form politischer Auseinandersetzung. Sie lehnen das Gewaltmonopol des Staates ab und reklamieren für sich ein Recht auf „Widerstand gegen staatliche Repression“. Autonome Agitation reicht vom Plakatieren über Brandanschläge bis hin zu körperverletzenden "Bestrafungsaktionen".In Hamburg konzentriert sich ein wesentlicher Teil der autonomen Szene im Schanzenviertel um das Kommunikationszentrum "Rote Flora".

Anarchisten

Anarchisten lehnen jede Art von Autorität als Form der Herrschaft von Menschen über Menschen (und damit jegliche Staatsform) ab. Sie wollen das menschliche Zusammenleben auf der Basis unbeschränkter Freiheit des Individuums nach den Grundsätzen von Gerechtigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit verwirklichen. Mit dieser Wunschvorstellung endet aber auch schon die ideologische Gemeinsamkeit der Anarchisten. Ihre Auffassungen reichen von der Verneinung jeglichen ordnenden Systems bis hin zur Forderung nach einer (vorübergehenden) "revolutionären Diktatur des Proletariats". Auch hinsichtlich der Anwendung von Gewalt sind sich Anarchisten uneins. Gegen Personen wird sie allgemein abgelehnt. Gewalt gegen Sachen (z.B. Fahrzeuge, Schienenanlagen) gilt hingegen nicht als Gewalt, weil Gegenstände keine „Gewalt empfinden" könnten.

Aufgrund ihrer ideologischen Differenzen organisieren sich Anarchisten vorwiegend in miteinander konkurrierenden Kleingruppen. In Hamburg trifft sich die anarchistische Szene überwiegend im "Libertären Zentrum" (LIZ) und im "Libertären Kultur- und Aktionszentrum" (LKA).

Während im LIZ überwiegend unorganisierte Anarchisten und Autonome verkehren, hat im LKA die "Freie Arbeiterinnen und Arbeiter Union" (FAU/IAA) ihren Sitz. Diese bundesweit agierende Gruppierung verfügt über festere und verbindlichere Strukturen. Sie versteht sich als "anarchistische Organisation mit gewerkschaftlichem Anspruch". Durch Mittel der "direkten Aktion" wie Besetzungen, Boykotts, Streiks und Sabotage soll eine "herrschaftsfreie Gesellschaft" begründet werden. Diese Spielart des Anarchismus ist auch unter dem Begriff "Anarchosyndikalismus" bekannt, der die Gesellschaft in revolutionären, selbstverwalteten Berufsverbänden (Syndikaten) organisieren will.

Antiimperialisten

Antiimperialisten (Szenejargon: Antiimps) betonen noch stärker als autonome oder anarchistische Gruppen die internationalen Zusammenhänge ihres Kampfes gegen den Staat. Sie orientieren sich dabei häufig an "Befreiungsbewegungen" in der Dritten Welt. Antiimps machen den Kapitalismus für alle negativen Zustände in der Welt verantwortlich und richten ihren Kampf vornehmlich gegen den Staat und internationale Konzerne.

Auch für Antiimperialisten ist Gewalt ein notwendiger Bestandteil ihres Kampfes gegen das System. Während Autonome zu spontaner Gewalt (z.B. bei Demonstrationen) neigen, planen Antiimperialisten ihre Taten längerfristig und mit strategischem Kalkül. In der aktiven Phase der terroristischen "Rote Armee Fraktion" (RAF) wurde diese zum Teil von Antiimperialisten unterstützt, die sich mit ihren Aktionen selbst an der Grenze des Terrorismus bewegten und sie mitunter überschritten.

Wenngleich die RAF 1998 ihr Scheitern eingestand und sich auflöste, hängen auch heute noch Antiimperialisten deren Grundgedanken nach. Seit 2009 verzeichnet die antiimperialistische Szene in Hamburg nach jahrelanger Stagnation wieder einen Potenzialzuwachs. Dieser ist insbesondere auf die Gruppen „Sozialistische Linke“ (SoL) und „Rote Szene Hamburg“ (RSH) zurückzuführen, durch deren Mitglieder die Szene deutlich verjüngt wurde. Seit 2010 sind Antiimperialisten aus den genannten Gruppierungen maßgeblich für die Durchführung der „Revolutionären 1.Mai-Demonstration“ verantwortlich, bei der es regelmäßig zu Ausschreitungen kommt. Diese Militanz auf der Straße wird von den beteiligten Gruppen durch im Internet veröffentlichte, „revolutionäre Gewalt“ verherrlichende Texte und aggressive Mobilisierungsvideos flankiert. Im Gegensatz zu Autonomen berufen sich Antiimperialisten bei ihrer Agitation auf die klassischen Vordenker des Kommunismus. Neben Marx und Lenin haben hier zuletzt vor allem Versatzstücke maoistischer Schriften Einzug gehalten.

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