Der Verfassungsschutz informiert: Scientology-Ableger propagiert angeblichen Kinderklau durch Behörden

Die „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte“ (KVPM), eine sogenannte „Frontgroup“ der „Scientology-Organisation“ (SO), die sich selbst als „Menschenrechtsverein“ bezeichnet, schreibt regelmäßig bundesweit Behörden, auch in Hamburg, an und kritisiert die Tätigkeit von Beschäftigten in der staatlichen Kinder- und Jugendhilfe. Die SO wird seit 1997 vom Verfassungsschutz beobachtet.

Scientology-Ableger propagiert angeblichen Kinderklau durch Behörden

trauriges Kind und Text "Scientology wirft Behörden staatlichen Kinderklau vor"

 

Die KVPM, fester Bestandteil der Scientology-Organisation, kritisiert in ihren Schreiben insbesondere Kinder- und familienpsychologische und -psychiatrische Gutachter sowie die Arbeit der Jugendhilfe. Die Rede ist von angeblichem „staatlichem Kindesentzug“ und „Kinderklau“. Der Hauptvorwurf richtet sich insofern nicht etwa gegen eine Untätigkeit der jeweiligen Institutionen mit Blick auf das Kindeswohl, sondern deren angeblich ungerechtfertigtes Einschreiten. Das notwendige Handeln von Behörden, betroffene Kinder, aufgrund von akuter Kindeswohlgefährdung aus ihren Familien herauszulösen, ist unabdingbar, um eben diese zu schützen. Das Zusammenspiel von Psychologen, Gutachtern und Pädagogen bilden hier eine wichtige Grundlage zum Schutz der Kinder und ist mit dem von der SO entworfenen Begriffs des „Kinderklaus“ nicht ansatzweise zu rechtfertigen.

Die SO versucht seit Jahren verstärkt neue Anhänger zu werben und sich öffentlichkeitswirksam zu positionieren. Dabei geht die SO häufig verdeckt und mit sogenannten „Frontgroups“ vor, wie die SO Untergruppierungen und Tarnorganisationen selbst bezeichnet, die eine soziale Agenda vortäuschen. KVPM nutzt häufig aktuelle Debatten, um die kritische Stimmung in Teilen der Bevölkerung auszunutzen, denn Ziel des scientologischen Vereins sei „der verbesserte Schutz von betroffenen Psychiatriepatienten und der Allgemeinheit durch Aufklärung und Reform.“ Der Verein instrumentalisiert für seine Argumentationen unter anderem die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen“ sowie das Grundgesetz und lässt vermuten, vorgeblich für Menschenrechte einzutreten. So positioniert sich die verfassungsfeindliche SO vermeintlich als Fürsprecherin der Bürgerrechte. Tatsächlich lehnt die SO die Psychiatrie kategorisch ab und reklamiert für sich ein Monopol auf jegliche psychologische Behandlung. Langfristig will die SO Psychiatrie und Psychologie in Verruf bringen und ihre eigene scientologische Ideologie verbreiten. Weiterhin wird die notwendige medizinische und zum Teil lebensnotwendige Versorgung und Behandlung von Erkrankten verunglimpft.

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Über die „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte“ (KVPM):

Gegründet wurde KVPM 1972 von Scientology-Mitgliedern. Der Verein unterhält mehrere Anlaufstellen, darunter in München, Düsseldorf und Hamburg und ist ein eigenständiger, eingetragener Verein, der sich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert.

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Über die Scientology-Organisation (SO):

Die SO wird seit 1997 vom Verfassungsschutz beobachtet. Seit Jahren ist sie weiterhin bestrebt, neue Mitglieder zu gewinnen, ihre Einnahmen zu erhöhen und ihr politisches Fernziel einer scientologischen Gesellschaft zu erreichen. In einer solchen Gesellschaft wären zentrale demokratische Grundwerte außer Kraft gesetzt. Die Vereinigung bezeichnet sich selbst als Religionsgemeinschaft. Dachverband der deutschen SO ist die „Scientology Kirche Deutschland e.V.“ mit Sitz in München. Die Zahl der Anhänger der SO in Deutschland stagniert bei 3.500 Personen. Diese Entwicklung zeichnet sich auch in Hamburg ab. Das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Hamburg rechnet der SO etwa 300 Anhänger zu, von denen rund 150 bis 200 Personen zum harten, aktiven Kern der Hamburger Scientologen zählen.

Weitere Informationen über die Scientology-Organisation finden Sie im Verfassungsschutzbericht 2017

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Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an das Landesamt für Verfassungsschutz Hamburg mit dem Stichwort: „Scientology“ per E-Mail: poststelle@verfassungsschutz.hamburg.de  oder telefonisch unter Telefon: 040 244443.

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