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Rechtsextremismus Burschenschaftler hält Vorträge vor Neonazis und bei der Hamburger NPD

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In ihrem Mitteilungsblatt vom Dezember 2008 berichtete die „Pennale Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg“ (PB! Chattia), dass ihr „AH Tirpitz“ Autor des Buches „Blutzeugen“ ist (AH steht bei den Burschenschaften für „Alter Herr“ in Abgrenzung zu den „Aktiven Burschenschaftlern“). Recherchen im Internet ergaben, dass das Buch im „Nordland-Verlag“ des NPD-Bundesvorstandsmitgliedes Thorsten Heise erschienen ist und der Autor Andre Busch es auf rechtsextremistischen Veranstaltungen vorgestellt hat.

Burschenschaftler hält Vorträge vor Neonazis und bei der Hamburger NPD

Andre Busch, der seinen Verbindungsnamen „Tirpitz“ offensichtlich in Anlehnung an den ehemaligen Großadmiral Alfred von Tirpitz gewählt hat, nach dem das gleichnamige größte deutsche Schlachtschiff während des Zweiten Weltkrieges benannt war, veröffentlichte sein Buch „Blutzeugen - Beiträge zur Praxis des politischen Kampfes in der Weimarer Republik“ im Jahr 2008 mit dem Ziel „...anhand von Personendaten und Einzelschicksalen die bürgerkriegsähnlichen Zustände der ausgehenden Weimarer Republik aufzuzeigen.“ Laut Busch sei sein Werk „...das erste Buch, welches sich seit dem Jahr 1939 mit den in politischen Kämpfen getöteten Aktivisten der NSDAP bis 1933 in ihrer Gesamtheit befaßt.“ 

Auf 569 Seiten beschäftigt sich das Werk mit über 220 „Blutzeugen der NS-Bewegung“. Busch bezieht sich in seiner Darstellung nicht nur auf Presse- und Polizeimeldungen der Zeit, sondern hat auch Angehörige der Opfer befragt. Das grundsätzlich wissenschaftlich aufgebaute Buch wird in rechtsextremistischen Publikationen und Internetplattformen beworben. 

Es beginnt mit einem Beitrag über die „Gedanken des letzten noch lebenden Teilnehmers des Marsches auf die Feldherrenhalle am 9. November 1923 in München“, in dem ein „Feuerüberfall der Bayerischen Landespolizei“ beschrieben wird, „die ohne Warnung die Spitze des Zuges mit Adolf Hitler, Ulrich Graf und Erich Ludendorff beschoß, ... 16 Männer waren erschossen - tot. Die Hitlerbewegung hatte ihre ersten toten SA-Männer. Sie fielen für Deutschland.“ Solche Berichte interessieren insbesondere auch viele jüngere Rechtsextremisten, sodass weiterhin Vortragsveranstaltungen mit Referenten der sogenannten Erlebnisgeneration durchgeführt werden. 

Am 15.12.08 stellte Andre Busch sein Werk auf einer Veranstaltung des NPD- Kreisverbands Hamburg Mitte-Nord vor. Die Einladung erfolgte laut NPD auch im „Hinblick auf die Gewalttaten, die heute von Links oder Ausländern gegen nationale Deutsche verübt werden“. In einem Beitrag auf ihrer „Heimatseite“ bezeichnet die Hamburger NPD das Buch als „einzigartiges Werk“, vergleicht gewalttätige Übergriffe  auf Mitglieder und Sympathisanten der NPD - auch in Hamburg - mit Angriffen auf die NSDAP und misst NPD und NSDAP Opferrollen zu: „Eine andere politische Partei, die in den unruhigen Zeiten von 1923 - 1933 noch viel mehr Opfer durch Angriffe, beispielsweise vom Rotfrontkämpferbund oder SPD-Reichsbanner, zu verzeichnen hatte, war die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei mit ihren Untergliederungen wie Sturmabteilung, Schutzstaffel und Hitlerjugend, Hunderte Parteianhänger sind bis zum 30. Januar 1933 dem politischen Terror zum Opfer gefallen.“ 

Anfang Februar 2009 stellte Busch sein Buch vor norddeutschen Neonazis „nach einer kämpferischen Einleitungsansprache vom Kameraden ‚Steiner‘“ (Thomas Wulff) vor. Im Internet berichten „Nationale Sozialisten Vorderpfalz“, dass auf einer Veranstaltung am 01.03.09 in der Vorderpfalz vor über 70 Teilnehmern das Buch ebenfalls präsentiert wurde. Der Vortrag habe „für nachhaltiges Interesse gesorgt und wird mit Sicherheit noch in vielen Aktivistengruppen vertieft“. 

Die Vortragstätigkeit von Andre Busch und die positive Resonanz sind weitere Anhaltspunkte für Verbindungen zwischen der PB! Chattia und dem Rechtsextremismus. 

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