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Der Verfassungsschutz informiert: Digitalisierung in der Maritimen Industrie eröffnet Angriffsvektoren für Spionage und Sabotage durch fremde Staaten

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Moderne maritime Navigationssysteme sind auch für ausländische Nachrichtendienste von hohem Interesse. Über aktuelle Risiken hat das Landesamt für Verfassungsschutz Hamburg am Montag, den 22. Juni 2020, gemeinsam mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz und der Hamburg Port Authority (HPA) im Rahmen einer Fachtagung Unternehmen und Einrichtungen des maritimen Sektors in Hamburg informiert.

Digitalisierung in der Maritimen Industrie eröffnet Angriffsvektoren für Spionage und Sabotage durch fremde Staaten

Drehende Radaranlagen


Moderne Navigationssysteme auf Schiffen kombinieren oftmals GPS-Navigation, Radar, Automatische Identifikationssysteme (AIS), elektronische Seekarten und die Darstellung weiterer optionaler Daten in einem einzigen System. Ein solches System ist häufig mit weiteren Sensoren im Schiff und dem Autopiloten verbunden. Im Wege der Vernetzung können diese sogenannten ECDIS (Electronic Chart Display and Information System) auch Navigations-Informationen wie Position und Geschwindigkeit sowie weitere zusammenhängende Daten mit anderen Stellen, etwa im Betrieb eines Smart Ports, austauschen.

Diese modernen Technologien sind auch für fremde Nachrichtendienste von Interesse – insbesondere für die Dienste solcher Länder, die Wirtschaftsspionage explizit als gesetzlichen Auftrag haben.

So könnte zum Beispiel bei einem Cyberangriff auf zentrale technische Steuerungsanlagen folgendes Szenario eintreten: Schadsoftware kann unter anderem Authentizität, Vertraulichkeit und Integrität der Daten beeinflussen, verfälschen und sensible Daten unbemerkt ausleiten. Sie kann, unter Umständen mittels Fernzugriff, die Funktionsweise des betroffenen Systems manipulieren – im schlimmsten Fall bis zum vollständigen Verlust der Funktionsfähigkeit.

Entsprechende Schadsoftware kann nicht nur bei der Übergabe der Software bereits vorhanden sein, sondern auch im Update-Prozess oder per Fernsteuerung gezielt eingespielt werden. Das Risiko erhöht sich, wenn die Updates durch fremde Hand und unkontrolliert erfolgen. In diesem Fall ist auch mit dem Datenabfluss mittels des zum Update genutzten USB-Sticks zu rechnen. Denkbar ist auch die Ausleitung der relevanten Daten auf die jeweiligen Firmenserver der Hersteller mit der Gefahr eines weitergehenden unkontrollierten Abflusses.

Risiken bei Smart Ports

Die geschilderten Risiken bestehen auch bei Smart Ports. Mit entsprechender Software können solche vollständig funktionsunfähig gemacht werden.

Die dargestellte Gefahr betrifft nicht nur die Betreiber Kritischer Infrastrukturen (KRITIS), sondern die gesamte derartige Navigationssysteme nutzende Seefahrt. Ein Ausfall der KRITIS von Häfen oder eine Sabotage des internationalen Seeverkehrs durch staatliche Akteure hätte schwerwiegende Folgen, beispielsweise für den internationalen Warenverkehr.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat die Unternehmen der maritimen Wirtschaft mit einem Sensibilisierungsschreiben über die oben genannten Gefahren informiert.

Der Verfassungsschutz rät den Unternehmen und Einrichtungen:

  • Die eingesetzte oder zu beschaffende Software sollte gezielt auf ungewollte Funktionen hin untersucht werden.
  • Die Verfahrensweisen beim Aufspielen und Aktualisieren der Software sollten kritisch überprüft werden.


Weitere Informationen finden Sie auch unter folgendem Link: 
Sicherheitshinweis für Unternehmen der Maritimen Wirtschaft in Deutschland


Bei Auffälligkeiten steht der Verfassungsschutz als vertrauensvoller Ansprechpartner zur Verfügung:

Landesamt für Verfassungsschutz
- Wirtschaftsschutz -
Telefon: (040) 24 44 43
E-Mail: wirtschaftsschutz@verfassungsschutz.hamburg.de

Bundesamt für Verfassungsschutz
Referat „Prävention in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung“
Dr. Dan Bastian Trapp
Tel. 0221-792-3322
wirtschaftsschutz@bfv.bund.de

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