Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Islamismus Kalifats-Jünger umwerben Hamburger Muslime

Leichte Sprache
Gebärden­sprache
Ich wünsche eine Übersetzung in:

Trotz eines Betätigungsverbots liegen Anhaltspunkte dafür vor, dass die islamistische Organisation "Hizb ut-Tahrir" (HuT, "Befreiungspartei") auch in Hamburg weiter aktiv ist. Ihre Anhänger wollen unter Verschleierung ihrer Identität neue Mitglieder an Universitäten, Schulen oder in Moscheen durch geschickte Missionierungsarbeit rekrutieren und für die Ziele der Organisation gewinnen.

Kalifats-Jünger umwerben Hamburger Muslime

Die international agierende HuT wurde 1953 von Taqiuddin AN-NABHANI in Jerusalem gegründet. Sein Buch "Die Lebensordnung des Islam" dient bis heute als wichtigstes ideologisches Fundament der Bewegung, die sich als politische Partei betrachtet. Ziel ist die Errichtung eines weltweiten islamischen Kalifats auf der Grundlage der Scharia unter der Herrschaft eines Kalifen. Die HuT bezeichnet den Islam als Ideologie, an der sich alle Völker und Gemeinschaften auszurichten hätten, selbst wenn sie davon nicht überzeugt seien. Die Organisation wendet sich gegen die "ungläubigen" Staatsformen und jede Teilnahme am politischen Leben in den "blasphemischen Systemen". Mit Israel stehe man faktisch im Krieg, es sei zu bekämpfen und zu vernichten. In zahlreichen öffentlichen Äußerungen zum israelisch-palästinensischen Konflikt wurde zur gewaltsamen Beseitigung des Staates Israel und zur Tötung von Juden aufgerufen.

Nicht der Islam sei der Realität anzupassen, sondern die Realität so zu verändern, dass sie den Regeln der Scharia entspreche.

Die in vielen Ländern Europas und zahlreichen weiteren Regionen aktive Organisation, deren Schwerpunkt derzeit im Kaukasus und in Zentralasien liegt, ist aufgrund ihrer Zielsetzung in nahezu allen arabischen Staaten verboten, weil sie deren Herrschaftsordnungen ablehnt und ihre Staatsoberhäupter als "vom Glauben Abgefallene" (Apostaten) ansieht.

Im Januar 2003 wurde die Organisation in Deutschland durch den Bundesminister des Innern mit einem Betätigungsverbot belegt; es wurde durch das Bundesverwaltungsgericht im Januar 2006 bestätigt, da sich die Aktivitäten der Vereinigung gegen den Gedanken der Völkerverständigung richteten.

Ungeachtet dessen setzen die Anhänger auch in Hamburg ihre politische Agitation fort. Sie verhalten sich dabei konspirativ, da sie keine eindeutigen Belege für einen Verstoß gegen das Betätigungsverbot liefern wollen. Es gibt jedoch Hinweise auf eine sich anbahnende Konfrontation zwischen der HuT und gemäßigteren Muslimen. Ein Hintergrund ist, dass die Hamburger HuT-Aktivisten ihre Anliegen zunehmend offensiv und öffentlich vertreten bzw. versuchen, ihren Einflussbereich zu erweitern. Auch wenn sie den Namen der Organisation dabei nicht verwenden, ist dennoch - zumindest in der Steindamm-Szene - bekannt, dass es sich um Anhänger der "Tahrir" handelt.

Gegenwärtig können der HuT in Hamburg ca. 60 Anhänger zugerechnet werden. Sie treffen sich u.a. zu wöchentlichen Versammlungen in St. Georg im Objekt Steindamm 70, in dem auch das "Islamisch Afghanische Kulturzentrum" seine Räume hat. Weitere Gesprächskreise finden in der "Ibrahim-Khalilulah-Moschee" in der Billstedter Hauptstraße 50 statt. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass HuT-Angehörige in weiteren Moscheen Fuß fassen wollen.

Einige der vorwiegend afghanischstämmigen Anhänger sind seit mehreren Jahren deutsche Staatsbürger. Das für die Einbürgerung notwendige Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung lehnen sie allerdings ab, da diese für sie in keiner Weise islamkonform ist. Ein Muslim habe sich nach ihrer Auffassung allein nach dem Schwur des Kalifen zu richten. Durchgängig wird die Teilnahme an Wahlen als unislamisch abgelehnt.

Starke Kritik übt die Bewegung auch an den Integrationsbemühungen einiger islamischer Organisationen bzw. Verbände, denn nach Ansicht der HuT bedeute Integration die Anerkennung einer Verfassung, die an sich bereits gegen die islamische Ordnung verstoße. In diesem Kontext sorgte die Verteilung von Flugblättern mit dem Titel "Die ‚Islam‘-Konferenz ist eine politische Falle!" für Unmut und Unverständnis unter der muslimischen Bevölkerung. Initiatoren der Aktion und Verteiler der Flugblätter am 29.06.07 auf dem Steindamm waren führende Aktivisten der HuT. Der Flyer ist nach wie vor im Internet abzurufen (Stand: 05.05.08).

Auf Schulungen wurde erklärt, dass es zu den Pflichten eines jeden Muslim gehöre, den Jihad (heiliger Krieg) zu befolgen, wenn ein Angriff gegen einen Muslim oder eine Muslima abzuwehren sei. Gleiches gelte für eine Attacke auf die Umma (islamische Glaubensgemeinschaft). Einige der sehr jungen HuT-Anhänger haben sich diese Sichtweise zumindest verbal zu eigen gemacht.

Das Engagement der HuT unterstreicht die Notwendigkeit, deren Bestrebungen weiterhin intensiv zu beobachten.

Stand: 05.05.08

Zurück zum Seitenanfang

Themenübersicht auf hamburg.de

Empfehlungen

Anzeige
Branchenbuch