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Rechtsextremismus Deutsche Rechtsextremisten wollen gute Beziehungen zu Russland

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Führungsfiguren des internationalen Rechtextremismus sehen eine gemeinsame inhaltliche Basis für eine politische Zusammenarbeit mit russischen Rechtsextremisten. Zentrale Bedeutung für diesen Annäherungsprozess hat die "Kontinent Europa Stiftung" (KES) mit Sitz in Schweden.

Deutsche Rechtsextremisten wollen gute Beziehungen zu Russland

Ziel dieser von dem schwedischen Unternehmer Patrik BRINKMANN 2004 gegründeten Stiftung ist ein Verbund und die Koordination der "Nationalen" aller Länder des europäischen Kontinents einschließlich Russlands. Er soll dazu dienen, in einem vernetzten Europa eine "großeuropäische Zivilisation" zu schaffen. So solle dem drohenden "physischen Tod" durch Einwanderung und dem "politischen Tod" durch den Amerikanismus entgegengewirkt werden.

Feindbild der angestrebten "Vernetzung identitätsbewusster Europäer" sind die USA und der Islam: "Europa kann und muss jene Vormachtstellung in der Welt zurückgewinnen, die es vor 150 Jahren noch inne hatte. Nur so können sich die weißen Völker in einer multipolaren Welt zwischen einem aggressiven Amerikanismus und einem expandierenden Islam erhalten", heißt es auf der Homepage der KES.

Sie orientiert sich am Konzept des sogenannten "Ethnopluralismus". Nicht mehr die Vorherrschaft der Deutschen sei das Ziel der - nach ihrer Auffassung - "modernen" Rechtsextremisten, sondern eine Welt, in der die "Pluralität" der Völker erhalten bleiben könne und nicht unter dem Druck des "Wirtschafts- und Kulturimperialismus" der Amerikaner im Gewande der Globalisierung zugrundegehe.

Zu diesem Zweck setzen sich sowohl das Direktorium als auch der Vorstand der KES aus internationalen "Größen" des Rechtsextremismus zusammen. Genannt seien hier die Russen Prof. Dr. W. DASCHITSCHEW, seit Jahren Referent bei der rechtsgerichteten Gesellschaft für freie Publizistik (GfP) und Autor für die "National Zeitung" der DVU, sowie Dr. Alexander KAMKIN, der amtierende Auslandsreferent der antisemitisch geprägten National-Patriotischen Front Russlands "Pamjat". Er trat wiederholt bei rechtsextremistischen Veranstaltungen in Deutschland als Referent auf, u.a. bei dem von der NPD organisierten "Fest der Völker" im September 2007 in Jena.

Im Vorstand und Direktorium der KES sind ferner mehrere Angehörige des national-konservativen bis rechtsextremistischen Spektrums vertreten, die teilweise vielfältige Beziehungen zu Russland haben.

Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Geschichtsinterpretationen - vor allem unter Berücksichtigung des unter Rechtsextremisten verbreiteten Geschichtsrevisionismus - ist die prorussische Ausrichtung der KES bemerkenswert. Sie findet sich derzeit auch in Kernbereichen des rechtsextremistischen Spektrums wieder. So hat der Hamburger NPD-Landesvorsitzende Jürgen RIEGER auf seiner Internetseite einen Artikel zum deutsch-russischen Verhältnis veröffentlicht, in dem Gemeinsamkeiten betont werden:

"....Deshalb kann es durchaus im russischen Interesse sein, auf die ‚nationale Karte‘ in Deutschland zu setzen. Ein starkes, selbstbewusstes und nationales Deutschland wäre für Russland der ideale Bündnispartner.

....Immer wenn Deutschland und Russland zusammengearbeitet haben, ist es unseren Völkern gut bekommen. Lasst uns anknüpfen an die Gemeinsamkeiten in unserer Geschichte, lasst uns wirken für eine gemeinsame Zukunft."

Darüber hinaus hat sich die NPD während der Wahlkämpfe anlässlich der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern (17.09.06) und Niedersachsen (27.01.08) - wo das KES-Vorstandsmitglied Andreas MOLAU als Spitzenkandidat fungierte – mit Flugblättern in russischer Sprache um die Stimmen aus Russland zugewanderter deutscher Staatsbürger bemüht. Hierzu wird in dem Artikel "Russlanddeutsche für die NPD" vom 29.02.08 auf der Internetseite der NPD ausgeführt: "....Auch in der NPD arbeiten Deutsche aus Russland mit. Im niedersächsischen Wahlkampf waren sie aktiv, und im letzten Sommer machten auch die zehntausend Besucher der Tagung der russlanddeutschen Landsmannschaft Bekanntschaft mit ihren Landsleuten in der NPD. Die Flugblätter und das weitere Material, zum Teil zweisprachig, wurden dankbar entgegen genommen."

Im März 2007 beteiligten sich Manfred ROEDER, Jürgen RIEGER, Thorsten HEISE neben anderen Rechtsextremisten an der Gründungsfeier einer "Deutsch-Russischen Friedensbewegung Europäischen Geistes e.V." (DRFEG) mit Sitz in Arnstadt (Thüringen).

Zum wiederholten Mal fand im Juli 2007 in Moskau auf Einladung der russischen Zeitschrift "Athenäum" eine Konferenz zur "Zukunft der weißen Welt" statt. Neben dem deutschen Rechtsextremisten Manfred ROEDER, der bereits Anfang der 90er-Jahre mit seinem "Deutsch-Russischen Gemeinschaftswerk-Förderverein Nord-Ostpreußen" ein "Regermanisierungsprogramm" in der Kaliningrader Region verfolgte, nahmen auch Vorstandsmitglieder der "Kontinent Europa Stiftung" sowie weitere international bekannte Rechtsextremisten teil. Es wurde u.a. über ein "Programm für eine Pan-Arische Weiße Wiedergeburt" sowie eine europäisch-russische Allianz diskutiert.

Führende Rechtsextremisten sind sich bewusst, dass sie das von ihnen empfundene US-Hegemonialstreben und die Globalisierung nicht allein auf nationaler Ebene bekämpfen können. Daher bemühen sie sich um internationale Verbündete, mit denen sie ein gemeinsames Feindbild verbindet. In diesem Zusammenhang ist auch die im vergangenen Jahr szeneintern geführte Debatte über Islamisten als potentielle Bündnispartner nachvollziehbar. ( Weitere Informationen: Islamismus und rechtsextremistische Szene - Gemeinsame Feindbilder, aber keine Basis für ein gemeinsames Bündnis) Hinsichtlich der Russland-Kontakte gibt es sogar eine über Bündnisfantasien hinausgehende Zusammenarbeit. Da die Bewahrung eines gefestigten Geschichtsbildes gerade für Rechtsextremisten wichtig ist, bleibt fraglich, ob ein gemeinsames Feindbild ausreicht, entgegengesetzte geschichtliche Vorstellungen dauerhaft zu überwinden.

Stand: 02. April 2008

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