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Islamismus Das Onlineportal „Ansarul Aseer“ – Gefangenenhilfe in der jihadistischen Szene

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Das Onlineportal „Ansarul Aseer“ – Gefangenenhilfe in der jihadistischen Szene

Mit dem Onlineportal „Ansarul Aseer“ (Die Unterstützer der Gefangenen) hat die deutschsprachige jihadistische Szene einen ersten Schritt zur organisierten Gefangenenhilfe unternommen. Bislang waren derartige Strukturen nur aus anderen extremistischen Phänomenbereichen bekannt. So besteht in der linken Szene die „Rote Hilfe“ und im rechten Bereich existierte bis vor kurzem die nunmehr verbotene „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V.“. Vor der Gründung von „Ansarul Aseer“ gab es bereits immer wieder einzelne – im Internet verbreitete – Aufrufe, inhaftierte „Schwestern“ oder „Brüder“ zu unterstützen. Diese Aufrufe waren allerdings Einzelfälle und nicht kampagnenartig organisiert. Das neue Internetportal ist dagegen ein strukturiertes Projekt und stellt insofern ein Novum dar, das eine neue Qualitätsstufe auf diesem Gebiet markieren könnte.

Die von „Ansarul Aseer“ vertretene Ideologie lässt sich als salafistisch-jihadistisch bezeichnen. So lehnen die Betreiber der Seite weltliche, so genannte „menschengemachte“, Gesetze ab und treten für die Etablierung einer „göttlichen“ Gesetzgebung ein. Auf der Seite heißt es hierzu: „Wir sagen uns von euren (verlogenen, falschen, heuchlerischen) Kufr- (= Unglaube) Gesetzen los, euren widerwertigen Regierungen, Gerichten, politischen Einrichtungen und Institutionen, euren unaufrichtigen, lügenhaften und heuchlerischen Charaktereigenschaften, euren Medien und Propagandamaschinerien, euren Illusionen und Träumen, Hoffnungen und Täuschungen, Falschheiten und Lügen.“

„Ansarul Aseer“ hat drei Hauptfunktionen. Zunächst finden sich Informationen über Personen, die entweder aufgrund islamistisch motivierter Straftaten verurteilt wurden oder aber im Gefängnis zu einer radikalen Auslegung der Religion gefunden haben und nun von den Jihadisten als unterstützenswerte Gefangene betrachtet werden. Die gegebenen Informationen beinhalten Grunddaten zur Person und Gründe für die Verurteilung, zum Teil unter Nennung der konkreten Rechtsgrundlage. Neben „prominenten“ Gefangenen, wie den Mitgliedern der „Sauerland-Gruppe“, finden sich auch viele Inhaftierte, die der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt sind.

Besucher der Seite haben des Weiteren die Möglichkeit, den Gefangenen Briefe zu schreiben, die über die Administratoren der Seite an den jeweiligen Adressaten weitergeleitet werden. Das Ziel dieser Aktion besteht laut den Betreibern von „Ansarul Aseer“ darin, den Inhaftierten seelischen Beistand zu leisten. Vermutlich wird auch die Gefahr gesehen, dass die Betreffenden während der Haftzeit ihre radikalen Einstellungen überdenken könnten. So steht auf der Selbstbeschreibung der Seite:

„Und so bemühen wir uns, seien es nur Worte, die wir an unsere Geschwister richten, dass wir ihnen beistehen, unterstützen und zur Gerechtigkeit und Wahrheit rufen. Worte, die ihre Herzen erreichen, durchdringen und bewegen, zum Guten führen und sie zur Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Wahrheit animieren, sie stärken, festigen, die Prüfungen, die ihnen widerfahren zu bestehen, auf dass sie – und auch wir – standhaft auf Seinem Weg verharren, nicht von der Wahrheit abkommen, (…).“

Darüber hinaus verfolgt „Ansarul Aseer“ aber auch eine Strategie, die über die Gefangenenbetreuung im engeren Sinn hinausgeht. Die Betreiber sind der Meinung, dass die Inhaftierten zu Unrecht eine Haftstrafe verbüßen. Daher wollen sie über angenommene „Ungerechtigkeiten, Überschreitungen und Unterdrückungen innerhalb der Gefängnisse“ berichten. Dies soll letztlich dem Zweck dienen, dieses „korrupte und zerstörerische Strafsystem [zu] entblößen.“

Neben dem Internetportal bedienen sich die Betreiber auch der Möglichkeiten, die von sozialen Netzwerken eröffnet werden. In einem hat die Gruppe „Ansarul Aseer“ knapp 1000 „Freunde“. Auf den Fotos der Gruppe sind inhaftierte radikale Ideologen, wie Abu Hamza al-Masri, zu sehen, für deren Freilassung gebetet wird.

Da in letzter Zeit eine steigende Zahl von jihadistischen Straftätern verurteilt wurde, ist die Gründung der Seite „Ansarul Aseer“ auch als Reaktion auf diese Situation zu sehen. Die Seite unterscheidet sich von der rechten und linken Gefangenenhilfe zumindest bisher darin, dass keine juristische Hilfestellung, sondern lediglich moralischer Beistand geleistet wird.

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