"Weisse Wölfe Terrorcrew" Gewaltbereite rechtsextremistische Gruppierung verboten

Hintergrund-Informationen des Landesamtes für Verfassungsschutz zur „Weisse Wölfe Terrorcrew“

Weisse Wölfe Terrorcrew verboten

Das Bundesinnenministerium (BMI) hat am heutigen Mittwoch, 16. März 2016, die bundesweit agierende, gewaltorientierte rechtsextremistische Gruppierung „Weisse Wölfe Terrorcrew“ (WWT) verboten. Die Hamburger Innenbehörde (Abteilung Öffentliche Sicherheit, Polizei, Verfassungsschutz) hat das Verbotsverfahren maßgeblich unterstützt. Alle weiteren Informationen zum Verbot und zu den heute in zehn Bundesländern durchgeführten Exekutivmaßnahmen gibt es beim federführenden BMI (Kontakt: http://www.bmi.bund.de/DE/Presse/presse_node.html). Da die WWT ihre Ursprünge insbesondere in Hamburg hatte, bevor sie sich seit 2014 bundesweit ausdehnte, informiert das Landesamt für Verfassungsschutz an dieser Stelle über Hintergründe zur Entstehung und Entwicklung der Gruppierung.


Infos zur Entwicklung der Gruppierung „Weisse Wölfe Terrorcrew“


Das Banner der "Weisse Wölfe Terrorcrew Sektion Hamburg" im Internet


Die seit dem Frühjahr 2011 in Hamburg aktive Gruppierung „Weisse Wölfe Terrorcrew“ (WWT) ist ein Zusammenschluss von Neonazis und Angehörigen der Skinhead-Szene. Aufgrund ihrer neonazistischen Ausrichtung und ihres uniformierten Erscheinungsbildes, das an das Auftreten linksextremistischer, gewaltorientierter Autonomer angelehnt ist, wird die Vereinigung den „Autonomen Nationalisten“ zugerechnet. Bis 2014 nannte sie sich „Hamburger Nationalkollektiv & Weisse Wölfe Terrorcrew Sektion Hamburg“ (HNK & WWT). Im Zuge ihrer bundesweiten Ausdehnung legte die dem gewaltorientierten rechtsextremistischen Spektrum zuzurechnende Gruppierung den regionalen Namen HNK ab.

Die als Fangruppe der aus Nordrhein-Westfalen stammenden Skinhead-Band „Weisse Wölfe“ gegründete WWT wurde 2008 in Hamburg erstmals aktiv. Der Gruppe gehörten auch Rechtsextremisten aus anderen Bundesländern an (Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Berlin). Ab 2008 fielen WWT-Mitglieder in Hamburg durch rechtsextremistische Straf- und Gewalttaten auf. So musste 2010 der spätere Hamburger Sektionsleiter wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte und vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen eine 14-monatige Haftstrafe antreten.

Gewaltbereite Gruppe mit politischem Anspruch

In der Folge nahmen die WWT-Aktivitäten eine Zeitlang ab. Nach der Haftentlassung des Führungskaders wurde die WWT reaktiviert und politisch aktiver: Sie entwickelte sich, auch durch den Zulauf weiterer Rechtsextremisten, von einem Skinhead-Zusammenschluss zu einer gewaltbereiten rechtsextremistischen Aktionsgruppe mit politischem Anspruch, die nationalsozialistisches Gedankengut vertrat und verbreitete, auch durch fremdenfeindlich, rassistisch und antisemitisch motivierte Straf- und Gewalttaten.

Am 17.12.2011 marschierte eine Gruppe von Rechtsextremisten aus Hamburg und dem niedersächsischen Umland, darunter auch WWT-Mitglieder durch Hamburg-Eißendorf. Sie trugen schwarze Kapuzen und weiße Masken und führten einen Fackelmarsch nach dem  an Aufmärsche der „Sturmabteilungen“ der NS-Zeit erinnernden  Konzept der „Unsterblichen“ durch. Im Frühjahr 2012 durchsuchten  Polizeibeamte aus Hamburg und Niedersachsen mehrere Objekte in beiden Bundesländern und stellten zahlreiche Beweismittel sicher, darunter weiße Masken, und diverse NS-Devotionalien.

Bundesweite Ausdehnung seit Anfang 2014

Bis Ende 2013 war die WWT überwiegend im Raum Hamburg aktiv, ab 2014 wurden auch in anderen Bundesländern sogenannte „WWT-Sektionen“ gegründet. Sie traten seitdem bei Demonstrationen öffentlich auf und bestanden überwiegend aus bereits bekannten und zum Teil gewaltbereiten Rechtsextremisten und Neonazis.

In Hamburg indes nahmen seit 2014 die Aktivitäten der hiesigen WWT-Sektion ab; viele Mitglieder zogen sich zurück oder waren in anderen Bundesländern aktiv. Seit Anfang 2015 lag die mobilisierbare Anhängerschaft bei höchstens zehn Personen; mediale Aktivitäten, etwa im Internet, waren kaum noch festzustellen. Hauptursachen dafür waren neben internen Spannungen weitere Strafverfahren sowie sogenannte „Outing-Aktionen“ durch Linksextremisten aus der gewaltbereiten autonomen Antifa-Szene. So wurden 2013 Informationen zu einzelnen Gruppenmitgliedern mit Fotos und Angaben zum Wohnort publiziert. Daraufhin verübten mutmaßliche Angehörige der Autonomen Antifa Sachbeschädigungen, zum Beispiel mit Farbe und Steinen auf Wohnhäuser. Die wenigen Aktivisten der Hamburger Sektion verlagerten ihr politisches Engagement weitestgehend auf andere Bundesländer und nahmen dort an verschiedenen von Rechtsextremisten organisierten Veranstaltungen teil, zum Beispiel an einer am 20. April 2015 (dem Geburtsdatum Adolf Hitlers) in Berlin-Marzahn organisierten „Montagsdemonstration“ oder auch am sogenannten „Tag der deutschen Zukunft“ am 6. Juni 2015 in Neuruppin (Brandenburg).

Am 12. September 2015 kam es in Berlin-Friedrichshain zu massiven Ausschreitungen zwischen gewaltbereiten Rechts- und Linksextremisten, an denen auch WWT-Aktivisten beteiligt waren. Gegen sie und andere Beteiligte wurden Strafverfahren wegen schweren Landfriedensbruchs eingeleitet.

Als Erkennungszeichen bei öffentlichen Auftritten diente der WWT eine uniformartige Oberbekleidung, die sie bei Musikveranstaltungen, Kundgebungen und gemeinsamen Versammlungen der rechtsextremistischen Szene trugen. Zudem versuchte die WWT seit 2015 durch die Organisation von Konzerten und Musikveranstaltungen ihre verfassungsfeindliche ideologische Gesinnung und Propaganda zu verbreiten sowie  jüngere und aktionsbereite Personen für ihre Ideologie empfänglich zu machen.

Weitere Informationen zur Historie der WWT, zum Beispiel Aktivitäten, Straftaten und Verfahren, finden Sie in den Verfassungsschutzberichten (unten als Download) der vergangenen Jahre, etwa Verfassungsschutzbericht 2013, Seiten 160 bis 164, sowie Verfassungsschutzbericht 2014, Seiten 147 bis 151.

Innensenator Andy Grote zum Verbot der rechtsextremistischen „Weisse Wölfe Terrorcrew“

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