Der Hamburger Verfassungsschutz informiert Wie Scientology ein populäres Thema missbraucht

Verfassungsfeindliche Organisation plant für Sonnabend einen Info-Stand in Bergedorf 

Wie Scientology ein populäres Thema missbraucht

„Für eine drogenfreie Welt“ lautet das Motto eines für den kommenden Sonnabend, 23. Juli 2016, 11.30 bis 14.30 Uhr, in Hamburg-Bergedorf (vor Sachsentor 33) angemeldeten Info-Standes. Veranstalter ist der Verein „Sag Nein zu Drogen – Sag Ja zum Leben“. Der Tenor lässt auf den ersten Blick auf ein sinnvolles Engagement schließen. Doch hinter dem Veranstalter steckt die verfassungsfeindliche Scientology-Organisation (SO): „Sag Nein zu Drogen“ ist eine der zahlreichen Scientology-Tarnorganisationen. 

Scientology versucht, an solchen Info-Ständen über das in der Gesellschaft breit akzeptierte Engagement gegen den Drogenmissbrauch mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen und letztendlich neue Anhänger zu gewinnen. Dabei tritt die SO, die seit 1997 vom Verfassungsschutz beobachtet wird nicht offen unter ihrem Namen auf, sondern unter einem wohlklingenden Slogan einer Nebenorganisation. Dabei spielen vermutlich taktische Gründe eine Rolle – da weithin bekannt ist dass die Scientology-Organisation vom Verfassungsschutz beobachtet wird, würde sich bei einem offenen Auftritt unter dem Label „SO“ voraussichtlich kein einziger Passant für den Info-Stand interessieren – es sei denn, er ist selbst Scientologe. 

Cover der Broschüre der Scientology-Organisation "Fakten über Drogen" Broschüre der Scientology-Organisation "Fakten über Drogen"
Seit Jahren verteilt die SO zudem Anti-Drogen-Broschüren, unter anderem in Hamburger Geschäften. Dazu zählt beispielsweise der dunkelgrünfarbene Flyer mit dem Titel „Fakten über Drogen“. Auch hier wird die SO nicht offen genannt, in den Heften gibt es keinen direkten Hinweis auf die verfassungsfeindliche Organisation. In einer Internet-Selbstdarstellung feiert sich die SO mit ihrer angeblich „lebensrettenden Aufklärungskampagne“. Mit professioneller Aufklärung und Suchthilfe haben diese SO-Publikationen allerdings wenig bis gar nichts zu tun, denn die Aktivitäten des Vereins umfassen vor allem die Verteilung der Info-Heftchen und Berichten über die angebliche Anzahl der in Umlauf gebrachten Publikationen. Quantität schlägt Qualität. Zudem finden sich im Internet anonyme Rückmeldungen über den vermeintlichen Erfolg der SO-Drogen-„Aufklärung“. 

Übrigens: Nicht nur Scientologen verfolgen das Ziel, über positiv besetztes Engagement einen Zugang zu verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu erhalten. Auch Rechtsextremisten haben das Thema „Anti-Drogen“ bereits für ihre Zwecke instrumentalisiert. So starteten die rechtsextremistischen „Jungen Nationaldemokraten Sachsen“ (JN) im Sommer 2014 in mehreren Städten Ostdeutschlands Anti-Drogen-Kampagnen.

Fazit des Verfassungsschutzes: Wer am Sonnabend durch Bergedorf schlendern und den SO-Info-Stand entdecken sollte – lassen Sie ihn einfach links liegen und wenden sich bei Beratungsbedarf an eine der zahlreichen in Hamburg vorhandenen professionellen Drogenberatungsstellen

Beratungsangebot

Für Informationen, Beratungen und Ausstiegshilfe im Zusammenhang mit der Scientology-Organisation (SO) wenden Sie sich gern an das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV).
E-Mail: poststelle@verfassungsschutz.hamburg.de
Telefon: (040) 24 44 43

Unter dem Hinweis „Scientology“ werden Sie mit der Beratungsstelle im LfV verbunden. Alle Eingänge werden vertraulich behandelt.

Rückfragen der Medien:

Landesamt für Verfassungsschutz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Marco Haase
Tel.: 040 – 42839-7007 oder -7264
E-Mail: Marco.Haase@verfassungsschutz.hamburg.de

Internet: www.hamburg.de/verfassungsschutz

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