Scientology-Organisation (SO) Ideologie und Zielsetzungen

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Ideologie und Zielsetzungen

Der Absolutheitsanspruch der Scientology, die sich selbst als eine "angewandte religiöse Philosophie" bezeichnet, klingt bereits in der sinngemäßen Übersetzung ihres Namens an: "Wissen, wie man weiß". Nach Darstellung ihres "Entdeckers" L. Ron Hubbard (1911-1986) ist Scientology eine "Wissenschaft vom Wissen" und vom Leben selbst, eine axiomatische Lehre, die keiner Kritik mehr zugänglich ist, weil sie sozusagen geistige Naturgesetze beschreibt, die nur akzeptiert, aber nicht ignoriert oder gar straflos übertreten werden können. Für HUBBARD und seine Nachfolger in der Führung der "Scientology-Organisation" (SO) ist daher jeder, der sich gegen Scientology stellt, ein Krimineller.

Gegenüber der Öffentlichkeit gebraucht die SO - intensiver als im internen Sprachgebrauch - eine religiöse Terminologie, um den Schutz der verfassungsrechtlichen Garantien für Religionsgesellschaften und weitere, zum Beispiel steuerrechtliche Vorteile zu erlangen. Scientology wird zwar zu Recht der Charakter einer Religion abgesprochen, gleichwohl darf aber auch nicht übersehen werden, dass sie ungeachtet ihres Strebens nach Geld, Macht und Einfluss und trotz ihrer Ausbeutungspraxis nicht ausschließlich von materialistischen Motiven beherrscht wird, sondern ihre "Unternehmensphilosophie" auf eine metaphysische Ebene hebt. Die SO strebt weltliche Macht an, um letztlich auf dieser Basis die von ihr postulierte universelle Befreiung des menschlichen Geistes -"Thetan" genannt - mittels ihrer geistigen "Technologie", dem so genannten "Auditing", durchsetzen zu können.

Scientology ist von ihrem Ursprung her eine Mischung aus einer mit sozialdarwinistischem Gedankengut verbrämten Lehre vom "Überleben" und Elementen aus verschiedenen Philosophien, der Psychologie und Psychotherapie. Angereichert mit eigenen Erkenntnissen und Erfahrungen aus dem okkultistischen Bereich sowie seiner Vorliebe für Science Fiction kreierte Hubbard zunächst die "Dianetik", aus der später "Scientology" entstand. Mit der "Scientology" verfolgte Hubbard sowohl das Ziel, diese Lehre als Erlösungsphilosophie und Instrument der geistigen Weltbeherrschung als auch im Sinne einer totalitären Staatsdoktrin zu etablieren, nach deren Grundsätzen sich alles staatliche und gesellschaftliche Handeln zu richten hat.

Die SO will daher nicht nur alle relevanten Bereiche des Staates und der Gesellschaft infiltrieren, sondern strebt eine uneingeschränkte Machtposition an. Sie verfolgt hierbei eine Strategie, die sich nicht direkt an politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen ausrichtet. Sie will vielmehr mittels ihrer "überlegenen" Geistestechnologie "Schlüsselpersonen" der Politik, der Wirtschaft, der Medien und anderer gesellschaftlicher Bereiche beeinflussen, instrumentalisieren und letztlich kontrollieren, um so an die Schalthebel der Macht zu gelangen. Das Ziel ist die "Befreiung" des Planeten" ("Clear Planet") und die Errichtung einer "neuen Zivilisation ohne Geisteskrankheit, ohne Verbrecher und ohne Krieg".

In die Fänge der SO geraten anfänglich überwiegend eher unpolitische Menschen, die auf dem Markt unterschiedlichster Lebenshilfeangebote nach Sinnerfüllung, Daseinserklärungen und Selbstverwirklichung suchen oder direkt Ausschau halten nach konkreter Hilfe für persönliche Probleme. Auf diesem Markt operiert auch die SO. Den Interessenten bleibt die wahre Zielsetzung der angeblichen Heilsbringer zunächst verborgen, denn die Organisation betreibt mit ihrer Ideologie bzw. - wie sie es nennt - "Technologie" eine Art Geheimwissenschaft. Diese Technologie wird Scientologen nicht komplett, sondern nur stückweise eröffnet. So erfahren erst fortgeschrittene, bereits fest an die Organisation gebundene Scientologen nach und nach mehr von den wirklichen Absichten. Dann ist vielen Scientologen jedoch aufgrund ihrer psychischen Abhängigkeit selbstbestimmtes Handeln kaum noch möglich. Die SO vermittelt ihren Anhängern dafür das Gefühl, zu einer auserwählten Elite zu gehören. Scientologen bezeichnen sich u.a. als die "Goldenen Menschen" oder "Angehörige einer neuen Zivilisation", die allein dazu in der Lage seien, diesen Planeten mit scientologischer "Technologie" zu retten. Sie fühlen sich Nichtscientologen weit überlegen und betrachten diese als "rohes Fleisch", als primitive oder kranke Menschen.

Die SO verfolgt ihre Zielsetzungen anhand unveränderlicher Richtlinien ihres Gründers L. Ron Hubbard. Danach strebt die SO die Macht nicht durch unmittelbare politische Betätigung oder durch eine Revolution an, sondern durch kontinuierliche Expansion in alle gesellschaftlichen Bereiche. Das Ziel ist die totale, auch politische Kontrolle. Zahlreiche Beispiele aus der Geschichte zeigten, so Hubbard, dass durch Revolutionen und Kriege Macht meist nicht auf Dauer erlangt worden sei. Politik könne mit "aberrierten", das heißt "geistig gestörten" Menschen sowieso nicht funktionieren. Nur Scientology sei in Lage eine "vernünftige" Welt zu schaffen und "wirkliche Demokratie" zu erreichen.

Tatsächlich ist die SO aber in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern weit davon entfernt, ihre Expansionsbestrebungen verwirklichen zu können. Hier stagniert die Ausdehnung der in einem sehr schlechten Ruf stehenden Organisation. Doch trotzig werden kleinste Erfolge übertrieben dargestellt und selbst schlechte Statistiken schöngeredet. Unverkennbar ist aber auch die Anstrengung des internationalen Managements der SO, den Standort Deutschland zu halten. Niederlagen werden nicht akzeptiert. Nach scientologischem Verständnis kann ausbleibender Expansionserfolg nur mit falscher Anwendung der ansonsten unfehlbaren SO-Technologie sowie durch Gegenwehr von so genannten "Unterdrückern" erklärt werden, das heißt von Personen oder Organisationen, die der SO ablehnend gegenüberstehen, sie kritisieren und aktiv bekämpfen. Um diese Widerstände gegen die SO zu brechen, muss daher gezielt und entschlossen gegen diese "unterdrückerischen Personen" vorgegangen werden. Zuständig für den Kampf gegen Scientology-Gegner ist eine spezielle Einheit im Organisationsgefüge der SO, das "Office of Special Affairs" (OSA) mit seiner Unterabteilung in Deutschland, dem "Department of Special Affairs" (DSA). Das OSA setzt dabei nicht nur propagandistische Mittel ein, sondern bedient sich zum Teil auch nachrichtendienstlicher Methoden und setzt Privatdetektive auf SO-Kritiker an.

(Ein ausführliche Darstellung der Ideologie und der Zielsetzungen der SO sowie ihrer Aktivitäten gegen Scientology-Kritiker finden Sie in der 1998 vom Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz herausgegebene Broschüre "Der Geheimdienst der Scientology-Organisation").

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