Neonazis und neonazistische Skinheads

Symbol für Leichte Sprache
Leichte Sprache
Symbol für Gebärdensprache
Gebärdensprache
Vorlesen
Symbol für Drucken
Drucken
Artikel teilen
Danke für Ihr Interesse!

Ich wünsche eine Übersetzung in:

Neonazis und neonazistische Skinheads

Anhänger, Strukturen und Aktivitäten der Neonazi-Szene

Hamburger Neonazis 1999 in Köln: Der - Hamburger Sturm - wurde 2000 verboten Hamburger Neonazis 1999 in Köln: Der "Hamburger Sturm" wurde 2000 verboten

Neonazis streben in der Tradition des historischen Nationalsozialismus einen rassistischen, nach dem Führerprinzip ausgerichteten und von einer totalitären Einheitspartei beherrschten Staat an. Zur neonazistischen Szene in Deutschland gehören neben den "klassischen" Neonazis auch Angehörige des subkulturellen Spektrums, insbesondere neonazistische Skinheads. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer rechtsextremistischer Skinheads, die zwar nicht primär ideologisch geprägt sind und über keine gefestigte weltanschauliche Orientierung verfügen, bei denen jedoch ebenfalls insbesondere fremdenfeindliche und antisemitische Einstellungen erkennbar sind.

CD-Cover (Ausschnitt): PLAY HARDCOERE OR DIE

Die meisten Neonazis sind nach wie vor HITLER-Anhänger, obwohl bei der heutigen Generation häufig - trotz gelegentlicher Schulungen - nur noch oberflächliche Kenntnisse über den Nationalsozialismus vorhanden sind. Neonazistische Skinheads sind zwar ebenfalls weltanschaulich geprägt, aber gleichzeitig durch ihre Zugehörigkeit zur Skinhead- Szene und deren durch Alkohol, Gewalt und Skinheadmusik geprägte Lebensform subkulturell beeinflusst. Beiden Gruppen gemeinsam ist die Benutzung nationalsozialistischer Symbole, die Verehrung nationalsozialistischer Führungspersonen sowie die Verwendung nationalsozialistischer Schlagworte (z.B. Propagieren eines "Nationalen Sozialismus" und der "Volksgemeinschaft").

Neonazis und neonazistische Skinheads lehnen den demokratischen Verfassungsstaat radikal ab. Aufgrund ihrer aggressiv-kämpferischen Haltung stellen sie eine besondere Gefahr für die freiheitliche demokratische Grundordnung dar. Seit Anfang der 90er-Jahre wurden daher fast alle neonazistischen Vereinigungen verboten. Als Reaktion darauf und infolge weiterer staatlicher Repressionsmaßnahmen setzte Mitte der 90er-Jahre im neonazistischen Spektrum ein Umstrukturierungs- und Neuformierungsprozess ein. An die Stelle von Kleinparteien und anderen Vereinigungen mit organisatorischem Unterbau traten kleinere, überwiegend lokal aktive Personenzusammenschlüsse, sogenannte "Kameradschaften" und Gruppierungen ohne jegliche Strukturen, die sich teilweise in überregionalen "Aktionsbündnissen" zusammenschlossen. Anhänger dieser Szene bezeichnen sich selbst als "Freie Nationalisten" ("frei - sozial - national"). Mit diesem Konzept, d.h. dem Verzicht auf feste Strukturen, sollen staatliche Verbotsmaßnahmen unterlaufen werden.

Neonazis mit Banner - frei-sozial-national - - Stoppt die Repression gegen die letzte Opposition! - Neonazis mit Banner "frei-sozial-national" "Stoppt die Repression gegen die letzte Opposition!"

Über "Aktionsbüros", Koordinierungstreffen und vor allem das Internet sind die einzelnen Gruppen miteinander vernetzt und werden so über aktuelle Ereignisse und Themen informiert und mobilisiert. In Norddeutschland, wo die Umsetzung dieses Konzepts zuerst erfolgte, traten die "Freien Nationalisten" ursprünglich unter der Bezeichnung "Nationales und Soziales Aktionsbündnis Norddeutschland" (NSAN) auf. In dessen Tradition stehen regelmäßige Treffen norddeutscher Kameradschaftsführer. Bei Kampagnen treten "Freie Nationalisten" im Sinne des mit der NPD vereinbarten "Volksfront-Konzeptes" z.T. unter Beteiligung von NPD-Angehörigen als vermeintliche lokale Bürgerinitiative wie z.B. "Bürgerinitiative für ein sicheres Bergedorf" oder "Bürgerinitiative für unsere Zukunft" auf.

Die Auflösung festgefügter Organisationsstrukturen hat wesentlich zu der teilweisen Vermischung von Neonazi- und Skinhead-Szene beigetragen. Skinhead-Subkultur und neonazistische Ideologie bilden mittlerweile vielerorts eine Einheit. Neben Kameradschaften, die sich fast ausschließlich aus "klassischen" Neonazis oder neonazistisch orientierten Skinheads zusammensetzen, gibt es eine Vielzahl von Gruppen, deren Mitglieder aus beiden Lagern stammen oder sich beiden zugehörig fühlen. Darüber hinaus versuchen neonazistische Aktivisten, auch den Teil der rechtsextremistischen Skinhead-Szene in politische Aktivitäten einzubinden, der sich außerhalb der Kameradschaften bewegt - insbesondere um das Mobilisierungspotential bei Demonstrationen zu erhöhen. Um öffentliche Kundgebungen für Skinheads attraktiver zu gestalten, werden diese verschiedentlich mit dem Auftritt von rechtsextremistischen Skinhead-Bands oder anderen musikalischen Darbietungen kombiniert (s.u.).

Rechtsextremistischer Demonstrationszug mit brennenden Barrikaden am 01. Mai 2008 Rechtsextremistischer Demonstrationszug mit brennenden Barrikaden am 01. Mai 2008

 Neonazis und neonazistische Skinheads sehen sich in erster Linie - in Anlehnung an das historische Vorbild der SA - als politische Straßenkämpfer und damit als Speerspitze des "Nationalen Widerstands". Provokative Aufmärsche in der Öffentlichkeit sind neben dem gemeinsamen Bekenntnis zum Nationalsozialismus für das Zusammengehörigkeitsgefühl und die politische Identität von großer Bedeutung. Die Themen sind dagegen eher nachrangig, für die neonazistische Szene ist der Auftritt selbst wichtig. Dabei passt sie sich taktisch an polizeiliche oder gerichtliche Auflagen an, um keine Verbotsgründe zu provozieren. Neonazis greifen aktuelle Themen wie beispielsweise Sozialreformen oder Arbeitsplatzabbau auf, um sich so in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen und neonazistische Positionen darzustellen. Sie solidarisieren sich auch öffentlich mit Staaten wie beispielsweise Iran, dessen gegen den sogenannten "Oneworld-Terror" bzw. den "amerikanischen Imperialismus" gerichtete Politik sie befürworten. Darüber hinaus nehmen Neonazis Bezug auf antiisraelische Äußerungen des iranischen Präsidenten, um indirekt antisemitische Positionen zu artikulieren. Von anhaltender Bedeutung sind auch Protestaktionen und Kampagnen gegen staatliche Repressionsmaßnahmen.

Christian Worch (November 2007) Christian Worch (November 2007)

Der Hamburger Neonazi Christian WORCH ist seit Jahren bundesweit als Anmelder rechtsextremistischer Demonstrationen bekannt. Wegen einer Vielzahl von ihm initiierter Demonstrationen wurde ihm auch in der Neonazi-Szene "Demotourismus" vorgeworfen. Andere Neonazis befürchteten ein Nachlassen der Protestwirkung durch zu häufiges Demonstrieren. Außerdem gilt WORCH szeneintern als egozentrisch und geltungssüchtig. Vor diesem Hintergrund findet er bei Rechtsextremisten in Hamburg nur noch geringen Rückhalt. Unbestritten sind hingegen seine juristischen Erfolge: Weil er höchstrichterliche Entscheidungen zugunsten rechtsextremistischer Demonstrationen erwirkte, sorgte er vielfach für eine gewisse Rechts- und Planungssicherheit für die Veranstalter.

Seit 2004 bemüht sich die NPD um eine Zusammenarbeit mit Neonazis und weiteren partei- und organisationsunabhängigen Rechtsextremisten. Die ausgerufene „Volksfront von Rechts“ beinhaltet auch die bis 2009 vereinbarten Wahlabsprachen zwischen NPD und DVU im Rahmen des "Deutschland-Paktes". Bundesweit traten Neonazis in die NPD ein, um diese "Volksfrontbewegung" zu unterstützen, so auch der bekannte norddeutsche Neonazi Thomas WULFF, der auf Seiten der "Freien Nationalisten" federführend Bündnisbestrebungen mit der NPD voranzutreiben versucht. Doch die Neonaziszene reagiert darauf nicht einheitlich. Ein Teil wirbt weiter für eine Bündnisarbeit im Sinne der "Volksfront" und bemüht sich um Einfluss in der NPD. Diese Protagonisten nutzen die Möglichkeiten der Partei für ihre Agitation. Andere Angehörige der Neonaziszene betonen dagegen noch immer die Parteifreiheit als "Freie Nationalisten". Sie bemühen sich darum, "auf Augenhöhe" mit der NPD wahrgenommen zu werden. Gleichzeitig sind sie kaum bereit, Kompromisse mit dem nationalkonservativ geprägten Teil der NPD einzugehen, der parlamentsorientiert arbeitet und potentielle Wähler nicht durch revolutionäre Agitation verschrecken will.

In Hamburg ist eine zunehmend reibungslose Zusammenarbeit zu verzeichnen, da die Übernahme des NPD-Landesvorsitzes durch den neonazistisch geprägten Rechtsanwalt Jürgen RIEGER zu einer weiteren Annäherung zwischen parteifreien Rechtsextremisten und dem Hamburger Landesverband der NPD geführt hat. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt der Bedeutungsverlust des parlamentsorientierten Flügels in der Hamburger NPD. RIEGER unterstützt die Bestrebungen der NPD für die Bildung einer "Volksfront von Rechts".

Neben seinem Engagement in der Partei und mehreren rechtsextremistischen Vereinen tritt er häufig als Redner bei verschiedenen - auch von Neonazis organisierten oder frequentierten - Demonstrationen auf. Bereits seit Jahren fungiert er als Anmelder des seit 2005 verbotenen "Rudolf-Heß-Gedenkmarsches" in Wunsiedel/Bayern. Die Demonstration in Wunsiedel war einer der jährlichen Höhepunkte für breite Teile des Rechtsextremismus. Nachdem RIEGER mit seiner Klage gegen das Verbot vor dem Bundesverwaltungsgericht gescheitert ist, bemüht er sich um eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Verfassungsmäßigkeit der dem Verbot zugrundeliegenden strafrechtlichen Vorschrift.

Die einzige verbliebene bundesweite neonazistische Organisation ist die "Hilfsgemeinschaft für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V." (HNG). Sie gibt monatlich die Publikation "Nachrichten der HNG" heraus. Zum neonazistischen Spektrum gehören in Hamburg und Umgebung u.a. der "Kameradenkreis Neonazis in Hamburg", das aus diesem Kreis maßgeblich betriebene "Aktionsbüro Norddeutschland" sowie die NPD-nahe Kameradschaft "Neonazi- und Skinheadszene in Bramfeld".

Neonazistische Skinhead-Organisationen

- Blood & Honour - Gründer Ian Stuart Donaldson "Blood & Honour"-Gründer Ian Stuart Donaldson

Im neonazistischen Spektrum der Skinhead-Szene gibt es auch einige international aktive Organisationen, die Anhänger oder Ableger in Deutschland haben oder hatten. Die bekannteste von ihnen ist "Blood & Honour" (B & H), deren deutsche "Division" im Herbst 2000 verboten wurde. B & H hatte sich vor allem im Aufbau von autonomen Strukturen in der rechtsextremistischen Musikszene und in der Organisation von Konzerten hervorgetan.

Eine weitere Bewegung, die sich an der Ideologie der "weißen arischen Rasse" orientiert und z.T. militant agiert, ist die englische Neonazi-Gruppe "Combat 18" (C 18) (die 18 steht für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet und meint die Initialen von Adolf HITLER). C 18 bezeichnet sich selbst als militanter Arm von B & H. Nach mehreren Polizeiaktionen in Großbritannien im Jahr 1999 gibt es jedoch kaum noch Aktivitäten. Straftaten dieser Gruppe sind den britischen Behörden in den letzten Jahren nicht mehr bekannt geworden. Aufgrund ihres militanten Ansehens hat C 18 für Teile der gewaltbereiten rechtsextremistischen Szene in Deutschland aber weiterhin Vorbildcharakter. In Einzelfällen wird die Bezeichnung C18 von deutschen Skinheads verwendet, obwohl die Organisation in Deutschland bisher keine Strukturen gebildet hat.

Eine weitere ideologische Sammlungsbewegung sind die aus den USA stammenden "Hammerskins". Ihr Symbol, zwei gekreuzte Hämmer, soll die Kraft und Stärke der "weißen Arbeiterbewegung" darstellen. Sie haben ein rassistisches und zum Teil nationalsozialistisches Weltbild und wollen alle Skinheads in einer "Hammerskin-Nation" vereinigen. Verfestigte Strukturen der "Hammerskins" sind in Norddeutschland nicht erkennbar.

Auch die rassistische Einstellung und die geheimbündlerischen Rituale des us-amerikanischen "Ku-Klux-Klan" (KKK) stoßen in der rechtsextremistischen Skinhead-Szene auf Sympathie.

Zum Seitenanfang 

Danke für Ihr Interesse!

Ich wünsche eine Übersetzung in:

Empfehlungen