Gesundheitsrisiko Gefahr einer akuten Kohlenmonoxid-Vergiftung beim Shisha-Rauchen

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Hamburger Gesetz schützt in öffentlichen Einrichtungen

Gefahr einer akuten Kohlenmonoxid-Vergiftung beim Shisha-Rauchen

Immer mehr junge Menschen rauchen Wasserpfeife (auch Shisha, Hookah, Narghile genannt), so auch in Deutschland. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat im Jahr 2018 eine Befragung zum Rauchverhalten bei 12- bis 17-Jährigen sowie bei jungen Erwachsenen (18-25 Jahre) durchgeführt. Danach ist das Shisha-Rauchen vor allem bei jungen Erwachsenen beliebt. Im Jahr 2018 gaben 20 Prozent an, im Zeitraum von 30 Tagen vor der Umfrage Shisha geraucht zu haben. Zehn Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei 7,8 Prozent. Bei den 14- bis 17-Jährigen ging der Konsum von Wasserpfeifen leicht zurück, von 12,2 Prozent im Jahr 2008 auf 9,0 Prozent in 2018. Im Rahmen dieser und anderer Umfragen wurde zudem ein großes Wissensdefizit hinsichtlich der gesundheitlichen Risiken des Shisha-Rauchens festgestellt.

Neben den bekannten langfristigen Gesundheitsrisiken durch Tabakkonsum ist hier im Besonderen die akute Gefahr einer potenziell lebensgefährlichen Kohlenmonoxid-Vergiftung in Zusammenhang mit dem Shisha-Rauchen hervorzuheben. Shishas werden traditionell mit Kohle betrieben. Beim unvollständigen Verbrennungsprozess der Kohle sowie auch bei der Zubereitung und dem Rauchen der Shishas kommt es zur Bildung von Kohlenmonoxid, einem Atemgift, das nicht wahrnehmbar ist und im Extremfall bis zum Tode führen kann. Bundesweit traten vor allem im Winterhalbjahr – auch in Hamburg – teilweise schwere Vergiftungsfälle mit Kohlenmonoxid auf.

Nichtraucherschutz


Beispiele für Kohlenmonoxid-Vergiftungsfälle nach Shisha-Konsum (aus Pressemitteilungen der letzten Jahre)

Ein junger Mann fuhr gegen eine Laterne und wurde dabei leicht verletzt, andere Personen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden. Er habe sich nicht gut gefühlt. Durch Untersuchung und Befragung des Mannes konnte eine Kohlenmonoxid-Vergiftung nach dem Besuch einer Shisha-Bar festgestellt werden. Die entsprechende Shisha-Bar wurde daraufhin kontrolliert. Weitere 13 Gäste hatten Vergiftungen durch Kohlenmonoxid erlitten, drei Personen sowie der junge Mann wurden mit Sauerstoff behandelt.

Ein Mann „chillte“ beim Shisha-Rauchen stundenlang in einer Shisha-Bar. Erst zuhause befallen ihn Kopfschmerzen und Übelkeit und er bricht zusammen. Durch eine schwere Kohlenmonoxid-Vergiftung schwebt er in Lebensgefahr. Die Notfallversorgung mit Sauerstoff und die Behandlung in einer Druckkammer retten sein Leben.

Eine Gruppe 16-Jähriger traf sich zum Shisha-Rauchen bei einem Freund. Eine Person brach nach einer kurzen Phase mit Übelkeit und Schwächegefühl zusammen und fiel auf den Hinterkopf. Im Krankenhaus wurde eine mittelschwere Kohlenmonoxid-Vergiftung diagnostiziert, die mit Sauerstoff behandelt wurde.

Hamburger Shisha-Kohlenmonoxid-Gesetz

Hamburg hat zum Schutz der Besucherinnen und Besucher von Einrichtungen, in denen Shishas geraucht werden können, im Mai 2019 ein Gesetz beschlossen. Betreiberinnen und Betreiber solcher Einrichtungen sind danach verpflichtet, technische Maßnahmen zu ergreifen, damit der Kohlenmonoxid-Gehalt in der Raumluft, der insbesondere durch die (unvollständige) Verbrennung der Shisha-Kohle entsteht, den im Gesetz festgelegten Grenzwert für Shisha-Einrichtungen in Höhe von 35 mg/m3 (30 ppm) nicht überschreitet.

Hamburgisches Gesetz zum Schutz vor gesundheitlichen Gefahren durch Kohlenstoffmonoxid in Shisha-Einrichtungen – Vom 28. Mai 2019

Worauf sollten Sie bei einem Besuch einer Shisha-Einrichtung achten?

Gäste von Shisha-Einrichtungen (Shisha-Bars, -Lounges, -Cafés, Shisha-Shops mit Probier-Angebot, Discotheken, kulturelle Begegnungsstätten u. a. m.), die Kohle-betriebene Shishas anbieten, sollten sich vergewissern, ob sich die Betreiberin oder der Betreiber an die gesetzlichen Vorgaben hält:

  • Im Eingangsbereich hängt ein Hinweisschild, das über die Gesundheitsgefahren durch Kohlenmonoxid, insbesondere für Schwangere und Personen mit Herz-Kreislauf- oder Lungen-Vorerkrankungen, informiert.
  • An den Wänden befinden sich gut sichtbar Kohlenmonoxid-Warngeräte (sie ähneln Rauchmeldern), auf deren Display der ungefähre aktuelle Kohlenmonoxid-Wert abgelesen werden kann. Der Grenzwert für Shisha-Einrichtungen beträgt 30 ppm. Spätestens bei Alarm der Warngeräte (50 ppm) sollte die Einrichtung verlassen und der schnellste Weg an die frische Luft gesucht werden. Die Betreiberin oder der Betreiber ist verpflichtet, den Shisha-Betrieb zu stoppen, die Gäste zu evakuieren, die Shishas zu löschen und gut durchzulüften. Der Betrieb der Shishas kann erst wieder aufgenommen werden, wenn sichergestellt ist, dass der Kohlenmonoxid-Grenzwert zuverlässig unterschritten wird.
  • In der Einrichtung gibt es eine Lüftungsanlage, eventuell erkennbar über sichtbare Rohrführungen und Öffnungseinlässe in Decken- beziehungsweise Wandbereichen.

Wenn Shishas über einen elektrischen Glühkopf beheizt werden, entfällt die Kohlenmonoxidbildung durch die glühende Kohle. Daher fallen Shisha-Einrichtungen, die elektrisch betriebene Shishas anbieten, nicht unter das hamburgische Shisha-Kohlenmonoxid-Gesetz.

Worauf sollten Sie bei Shisha-Rauchen im privaten Bereich achten?

Mit dem Gesetz werden öffentlich zugängliche Einrichtungen, in denen Kohle-betriebene Shishas hergerichtet oder geraucht werden, erreicht. Beim Shisha-Rauchen im privaten Bereich sind entsprechende Vorsichtsmaßnahmen gleichermaßen (lebens-)wichtig. Wenn überhaupt geraucht werden muss (Rauchen ist immer gesundheitsschädlich!), sollte dies im Freien geschehen, ohne dabei andere Personen durch den Rauch oder glühende Restkohlen zu gefährden. Aber Vorsicht, selbst im Freien kann es zu einer Kohlenmonoxid-Vergiftung kommen, wenn „falsch“ geraucht wird, beispielsweise keine Pausen eingelegt werden, in denen frische Luft eingeatmet werden kann. Nicht zu empfehlen ist das Rauchen im Innenraum, zum Beispiel im Wohn-, Hobby- oder Kellerraum, denn die Anforderungen an eine ausreichend gute Belüftung sind hoch. Ein schlecht belüfteter Partykeller als Ort zum Shisha-Rauchen ist ein absolutes Tabu.

Fragen und Antworten zum Shisha-Rauchen

... zu Kohlenmonoxid

Wobei entsteht Kohlenmonoxid?
Wenn die Shisha traditionell mit Kohle, meist einer speziellen Wasserpfeifenkohle, betrieben wird, entsteht Kohlenstoffmonoxid, auch Kohlenmonoxid genannt oder in chemischer Kurzform CO.
Die Kohlestückchen werden vorgeglüht und möglicherweise zwischengelagert. Bei der Zubereitung einer Shisha werden circa drei glühende Kohlestückchen auf den Kopf der Wasserpfeife über der Rauchware (zum Beispiel Tabak, Kräuter, Früchte, Gele oder Shiazo-Steine) gelegt, getrennt durch ein Sieb oder eine perforierte Aluminiumfolie. Bei Zubereitung, Lagerung und Verwendung der Kohle in der Shisha bildet sich im Zuge des unvollständigen Verbrennungsprozesses Kohlenmonoxid.
Werden Shishas in Innenräumen geraucht, können sich bei schlechter Raumbelüftung hohe CO-Konzentrationen aufbauen.
Wie wirkt Kohlenmonoxid?
Im menschlichen Organismus bindet CO im Vergleich zu Sauerstoff bis zu 300-fach stärker Hämoglobin, den Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen. Beim Fötus beträgt die höhere Affinität des CO zum embryonalen Hämoglobin sogar das bis zu 600-fache. Damit blockiert es die Bindungsstellen, so dass es zu einer verminderten Aufnahme von Sauerstoff kommt, die letztlich zu einer Sauerstoffunterversorgung des Gewebes (Hypoxie) führt. Organe mit hohem Sauerstoffbedarf, wie das zentrale Nervensystem oder auch der Herzmuskel, reagieren besonders empfindlich. Akute Wirkungen zeigen sich daher im Herz-Kreislauf- und im zentralen Nervensystem. Zudem wird die Lungenfunktion beeinträchtigt, akute entzündliche Reaktionen der Atemwege treten auf sowie Entwicklungsstörungen beim Fötus. Das Ausmaß der Effekte ist durch die Dauer der Hypoxie und durch bestehende Vorschädigungen bestimmt. Zu den Risikogruppen gehören neben Schwangeren und ungeborenen Kindern vor allem Personen mit Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen. Als Spätfolgen mittelschwerer und schwerer Vergiftungen können sich insbesondere neurologische Schäden bis hin zu Parkinson-ähnlichen Symptomen einstellen, die zur Einschränkung der Lebensqualität führen.
Wie macht sich eine Kohlenmonoxid-Vergiftung bemerkbar?

Als Symptome einer CO-Vergiftung können Kopfschmerzen, Schwindel, Verwirrtheit, Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit auftreten. Schwerere Vergiftungen können bis zur Bewusstlosigkeit und auch zum Tod führen. Da die Symptome einer CO-Vergiftung recht unspezifisch sind, schätzen Betroffene sie meist nicht als Folge einer CO-Vergiftung ein, sondern vermuten allgemein im Rauchen oder im eventuell begleitenden Alkoholkonsum die Ursache für ihr Unwohlsein.

Die individuellen Symptome sowie die Toleranzgrenze variieren stark.

Wer ist gefährdet?

Hohe CO-Konzentrationen in der Raumluft gefährden alle, die diese Luft einatmen, also rauchende sowie nichtrauchende Personen, insbesondere Schwangere und deren ungeborene Kinder sowie Personen mit Vorerkrankungen am Herz-Kreislauf-System oder der Lunge.

Diejenigen, die selbst rauchen, sind vor allem gefährdet. Sie atmen mit dem aromatisierten Rauch-Dampf-Gemisch aus der Rauchware auch die Verbrennungsabgase aus der Kohle ein. Damit nehmen sie hohe Mengen an CO auf. Blutmessungen zeigen deutlich die starke Zunahme an CO-beladenem Hämoglobin nach dem Konsum von nur einer Shisha.

Sind nur schwere Vergiftungen, die zur Bewusstlosigkeit führen, wirklich gefährlich?

Nach Vergiftungen mit Kohlenmonoxid, insbesondere schwereren und solchen, die nicht erkannt und behandelt wurden, können Spätfolgen auftreten, wie zum Beispiel geringe bis schwerwiegende Beeinträchtigungen der körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit, Lethargie, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, Gedächtnisverlust, Wesensänderungen, Depressionen, Parkinson-ähnliche Symptome wie Zittern im Ruhezustand, Verlangsamung der Bewegungen, Muskelsteifheit, starre Mimik u. a. m.

Aber auch leichtere Vergiftungen führen bedingt durch die Sauerstoffunterversorgung dazu, dass die Denkfähigkeit und das Reaktionsvermögen beeinträchtigt sind. Diese Einschränkungen können, wie bereits beobachtet, zum Beispiel zu Auto- und anderen Unfällen führen.

... zu langfristigen Risiken

Ist Shisha-Rauchen gesundheitsschädlich?
Eindeutig ja! Es entstehen wie beim Zigarette-Rauchen durch die thermische Zersetzung so genannte Pyrolyseprodukte, die teilweise sehr gesundheitsschädlich sind. Die beim Rauchen von Tabak gebildeten Schadstoffe sind hinlänglich bekannt und untersucht. Sie werden auch im Haupt- und Nebenstrom (das ist der nicht inhalierte Rauch) von Wasserpfeifen nachgewiesen, zum Beispiel Kohlenmonoxid, Benzol, Nikotin, Teer, Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) einschließlich Benzo[a]pyren, Tabakspezifische Nitrosamine (TSNA), Primäre Aromatische Amine (PAA), Fein- und Ultrafeinstaub, Acetaldehyd, Formaldehyd, Brenzcatechin, Hydrochinon, 2-Furanaldehyd, 5-(Hydroxymethyl)-2-furanaldehyd, Glycerin, 1,2-Propandiol.

Das Wasser hat keine ausreichende Filterwirkung! Es hält nur wenige wasserlösliche Stoffe zurück.

Zu den langfristigen Gesundheitsschäden durch das Tabakrauchen gehören beispielsweise die  Schädigung des Herz-Kreislaufsystems, Beeinträchtigung der Lungenfunktion, Krebserkrankungen von Lunge, Speiseröhre und Kopf-Hals-Bereich.

Auch das Rauchen von nicht tabakhaltigen Shishas birgt gesundheitliche Gefahren, die auf den Seiten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) beschrieben sind.

Macht Shisha-Rauchen süchtig?

Ja. Das gilt grundsätzlich für den Konsum von Tabak – auch in Shishas. Nikotin ist ein sehr potenter Suchtstoff, der sehr schnell abhängig macht.


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