Hamburg und Chicago Zwei Städte, die mehr als nur die Lage am Wasser verbindet

Bereits 1957 erfolgte der erste Vorstoß der Stadt Chicago, eine Partnerschaft mit Hamburg einzugehen. Als sich dann der Chicagoer Bürgermeister Richard M. Daley 1990 erneut mit dem Wunsch einer Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Chicago an Hamburgs damaligen Bürgermeister Henning Voscherau wandte, verwies er auf die vielen Gemeinsamkeiten der beiden Städte. Vor allem die Nähe zum Wasser prägt die beiden Städte. Aber auch als Wirtschafts-, Medien- und Kulturzentren nehmen sie eine ähnlich bedeutende Stellung ein. Und nicht zuletzt ein hoher Anteil an deutsch-stämmiger Bevölkerung in Chicago stellt eine Verbindung dar. Im Juli 1994 wurde in Chicago vor 500 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur der Partnerschaftsvertrag von den beiden Bürgermeistern unterzeichnet.

Skyline Chicago (c) City of Chicago / GRC Skyline Chicago

Zwei Städte, die mehr als nur die Lage am Wasser verbindet

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Internationale Wirtschaftszentren am Wasser

Hamburg ist wie Chicago eine sehr internationale Stadt, die sich durch hohe Lebensqualität – nicht zuletzt wegen der vielen Grünflächen – auszeichnet. Die Nähe zum Wasser – Chicago am Michigan See, Hamburg an der Elbe – prägt beide Städte, obwohl sie im Binnenland gelegen sind. Und beide Städte nehmen aufgrund ihrer Bedeutung als Wirtschafts-, Medien- und Kulturzentren eine besondere Stellung ein: Chicago als das bedeutendste Wirtschaftszentrum in der amerikanischen Mitte, insbesondere als Dienstleistungsstandort, Hamburg durch seinen Hafen als bedeutender Handels-, Messe- und Kongressplatz und große deutsche sowie europäische Industriemetropole.

1842: Brandkatastrophe als gemeinsame leidvolle Erfahrung

Auch historisch gesehen besteht eine Verbindung - einerseits durch Immigranten, die von Hamburg aus nach Amerika und oft Chicago auswanderten, andererseits durch eine ähnliche leidvolle Erfahrung, die die Städte nachhaltig geprägt hat: eine große Brandkatastrophe. 1842 verbrannte das alte Hamburg; 1871 ging Chicago in Flammen auf. Das Feuer bildet in der Geschichte beider Städte eine einschneidende Zäsur, bot aber auch Chancen für Neubeginn und Verbesserungen.

Hamburg als Brückenkopf nach Europa

Hamburg gewinnt für die Amerikaner vor allem durch seine zentrale, mitteleuropäische Lage an Attraktivität und kann damit eine europäische Brückenkopffunktion übernehmen. Geschäfte mit Nordeuropa, insbesondere aber mit den neuen Märkten in Osteuropa lassen sich optimal über Hamburg abwickeln. Hamburg seinerseits bietet eine starke Präsenz in Nordamerika die Gelegenheit, auf seine wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Bedeutung aufmerksam zu machen.

1993: Unterzeichnung der Städtepartnerschaftserklärung

Am 23. März 1993 gab der Hamburger Senat grünes Licht für die Städtepartnerschaft mit Chicago – übrigens die erste Partnerschaft mit einer nordamerikanischen Metropole, gleichzeitig die damals achte Partnerschaft für Hamburg.

Gut ein Jahr später - am 20. Juli 1994 - unterzeichneten Bürgermeister Dr. Henning Voscherau und Bürgermeister Richard M. Daley in Chicago den Partnerschaftsvertrag.

Die Zeremonie fand in Anwesenheit von 500 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur im rund hundert Jahre alten Stadtkulturzentrums Chicagos, der Preston Bradley Hall, statt. Der Hamburger Delegation wurde auf dieser Reise eine Bandbreite an Themen präsentiert: Der Kampf der Special Agents vom FBI gegen organisiertes Verbrechen und Drogenhandel waren ebenso Gesprächsthema wie die Arbeit des deutsch-amerikanischen Architekten Helmut Jahn.

Der Partnerschaftsvertrag sieht vor allem eine enge Zusammenarbeit in Fragen der bürgernahen Verwaltung von modernen Großstädten, des Städtebaus und der Denkmalpflege sowie im Umweltschutz, im Gesundheits- und Sozialwesen und in der Verbrechensbekämpfung vor. Besonders unterstützt und gefördert werden soll der Jugendaustausch, denn, so betonte Bürgermeister Voscherau: „Wer Lebensweise und Sprache kennt, versteht sich fürs Leben. Partnerschaft lebt nicht auf dem Papier, sondern erst in der Verbindung zwischen den Menschen.“

1994: Das Hamburg-Chicago-Komitee

Die Partnerschaft zweier Städte lebt von dem Engagement und dem gegenseitigen Interesse ihrer Bürger – vor allem dann, wenn diese mehr als 7.000 Flugkilometer voneinander entfernt sind. Deshalb war es nur konsequent, entsprechend der amerikanischen Praxis am 28. Juni 1994 ein Hamburg-Chicago-Komitee zu gründen, das namhafte Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur in sich vereinte.

In Chicago konstituierten sich bis heute 18 derartige Komitees, von denen jedes eine Städtepartnerschaft betreut, so auch die Partnerschaft zur deutschen Hansestadt. Betreuung heißt Konzeption und Umsetzung eines Städtepartnerschaftsprogramms, vor allem aber die Beschaffung der dafür notwendigen finanziellen Mittel. Denn anders als in Deutschland werden die städtepartnerschaftlichen Aktivitäten in den USA in erster Linie privat finanziert, so z.B. durch die Einnahmen aus dem jährlich stattfindenden „Fund Raising Dinner“.

Die Komiteemitglieder sind jeweils an der Städtepartnerschaft besonders interessierte Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Das Chicagoer Hamburg-Chicago-Komitee setzt sich deshalb vor allem aus deutschstämmigen Amerikanerinnen und Amerikanern, aber auch aus Personen, die in Deutschland studiert oder beruflich mit Deutschland oder Hamburg zu tun haben, zusammen.

Großes Interesse Hamburger Schulen

Von Anfang an rief die Städtepartnerschaft Hamburg - Chicago eine große Resonanz bei den Hamburger Schulen hervor. Neben Begegnungen durch Schüleraustausch wurden inzwischen auch gemeinsame Internetprojekte realisiert, die sich das World Wide Web als Kommunikations- und Diskussionsplattforum zunutze machten.

Noch bevor es zur eigentlichen Unterzeichnung der Städtepartnerschaftserklärung kam, meldeten Hamburger Schulen Interesse an Austauschprogrammen mit Schulen in Chicago an. Ende April 1995 fand – mit tatkräftiger Unterstützung des Goethe-Instituts in Chicago und des Amerika-Hauses in Hamburg – der erste Schüleraustausch mit der Partnerstadt Chicago statt, bei dem 19 Schülerinnen und Schüler zwei Wochen lang hautnah den American Way of Life erleben konnten. 

Heute unterhalten zahlreiche Hamburger Schulen – u.a. Wichern-Schule, Christianeum und die Gewerbeschulen G18 und W4 – einen regelmäßigen Schüleraustausch mit Chicago. Und auch Chicagoer Schülerinnen und Schüler haben inzwischen die Hansestadt besucht – allerdings ist das Interesse Hamburgs aufgrund der Sprachkenntnisse deutlich höher. 

"Hamburg meets Chicago" im World Wide Web

Das Internet bietet zudem über den klassischen Schüleraustausch hinaus neue Möglichkeiten an Formen der Begegnung. Ein gutes Beispiel war hierfür das Mitte der 1990er von der Körber-Stiftung initiierte Online-Projekt „Hamburg meets Chicago“. Im „transatlantischen Klassenzimmer“ kommunizierten Schülerinnen und Schüler in Hamburg und Chicago per E-Mail und über das Word Wide Web. Im Rahmen von Diskussionsgruppen, die jedem Interessierten offen standen, und von Themenkonferenzen, an denen jeweils ein kleiner Kreis von Schulklassen teilnahm, wurde zu Themen wie „Migration in Deutschland und in den USA“, „Sechs Jahre Deutsche Einheit“ oder „The Society of the Holocaust“ in englischer und deutscher Sprache gearbeitet. Innerhalb von Sekunden konnten so Tausende von Kilometern überwunden und eine Begegnung der ganz besonderen Art geschaffen werden.

2004: Zehn Jahre Städtepartnerschaft Hamburg - Chicago

2004 feierten Hamburg und Chicago das zehnjährige Bestehen ihrer Städtepartnerschaft. Die zentrale Festveranstaltung - die Hamburger Kulturwochen - fand in Chicago statt. Unter dem Motto „Hamburg Goes Chicago“ fanden gemeinsame Konzerte von Künstlern aus Chicago und Hamburg, Fotoausstellungen und wissenschaftliche Vorträge statt, mit denen sich Hamburg in seiner Partnerschaft präsentierte und einen Rückblick auf zehn Jahre Städtepartnerschaft gewährte.

Aber auch in Hamburg wurde das Jubiläum gefeiert - unter anderem mit "Tales of Two Cities / Stadtgeschichten", einer eigenen Veranstaltungsreihe an der Universität.

2004: Tales of Two Cities

Seit Bestehen der Städtepartnerschaft ist es zur Unterzeichnung zahlreicher Partnerschaftsvereinbarungen zwischen Hamburger und Chicagoer Hochschulen gekommen, die einen wissenschaftlichen Austausch miteinander und übereinander ermöglicht haben. Das 10-jährige Jubiläum nahm das Historische Seminar der Universität Hamburg im Herbst 2004 zum Anlass für eine breit gefächerte Vorlesungsreihe: „Tales of Two Cities / Stadtgeschichten Hamburg – Chicago“. An den unterschiedlichsten Orten – vom Hörsaal über das Metropolis-Kino bis hin zum Warburg-Haus – setzte sich diese Veranstaltung mit den unterschiedlichsten Aspekten der beiden Städte auseinander.

Das Buch zur Veranstaltungsreihe – „Tales of Two Cities / Stadtgeschichten: Hamburg & Chicago“ – ist im LIT-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich.

2014: 20-jähriges Bestehen der Städtepartnerschaft

Im Juli 2014 feierte die Partnerschaft zwischen Hamburg und Chicago ihr 20-jähriges Jubiläum. Dabei fanden in der Hansestadt verschiedene Aktionen rund um die beiden Städte und ihre Kooperation statt.

2018: "Chicago Forum on Global Cities"

Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher und Staatsrätin Dr. Annette Tabbara nahmen auf Einladung des Bürgermeisters von Chicago an der internationalen Konferenz „Chicago Forum on Global Cities“ teil. 

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