Justizbehörde

Perspektivtag SothA Therapeutisches Konzept der Sozialtherapeutischen Anstalt steht auf dem Prüfstand

Justizbehörde läutet mit heutiger Fachtagung Debatte um Neuausrichtung ein.

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Therapeutisches Konzept der Sozialtherapeutischen Anstalt steht auf dem Prüfstand

Die Sozialtherapeutische Anstalt (SothA) beobachtet gesellschaftliche Veränderungen bei den Gefangenen, die dort aufgenommen werden. Oft müssen die zu Behandelnden erst therapiefähig gemacht werden. Unter anderem gibt es Sprachbarrieren oder der kulturelle Kontext erschwert die Bereitschaft zu einer Therapie. Aus diesem Anlass startet die Justizbehörde einen breit angelegten Diskussionsprozess, an dessen Ende eine Modernisierung des Therapieangebots stehen soll. Heute diskutieren Expertinnen und Experten im Rahmen eines Perspektivtages über die konzeptionelle Entwicklung. Im kommenden Jahr richtet Hamburg eine dreitägige Konferenz zu dem Thema am UKE aus.

Justizsenator Dr. Till Steffen hebt hervor: „Unser Ziel ist eine konzeptionelle Weiterentwicklung des gesamten Vollzugs. Hamburg hat sechs Haftanstalten. Alle werden nacheinander nach modernen Vollzugskriterien saniert beziehungsweise neu gebaut wie das Jugendgefängnis. Wenn dies abgeschlossen ist, wird die Sozialtherapeutische Anstalt jene Anstalt sein, die am längsten nicht berücksichtigt wurde. Als die Sozialtherapie vor zehn Jahren in ein anderes Gebäude zog, musste sie sich mit den dortigen räumlichen Voraussetzungen arrangieren. Wir wollen uns nicht erst das Konzept überlegen, wenn das Gebäude saniert werden muss. Deshalb gehen wir die inhaltlichen vor den baulichen Schritten und richten die Sanierung nach den konzeptionellen Anforderungen der Räume aus. Diese Entscheidung steht in der nächsten Wahlperiode an.“

In den Zuständigkeitsbereich der Sozialtherapie fallen Gefangene, die wegen Sexualdelikten oder sonstiger Gewaltdelikte verurteilt wurden sowie Gefangene mit angeordneter oder vorbehaltener Sicherungsverwahrung. Ziel der Sozialtherapie ist es, das Risikopotential des einzelnen Gefangenen zu verringern. So trägt diese Vollzugsform zur Sicherheit und zum Opferschutz bei. 

Die Sozialtherapie hat in Hamburg eine sehr lange Tradition. Als eine der ersten Anstalten bundes-weit wurde die sozialtherapeutische Anstalt 1969 in Hamburg gegründet. Es gab die sozialtherapeutische Anstalt in Altengamme und die Übergangsanstalt „Moritz-Liepmann-Haus“ in Hamburg. 2005 wurden diese Einrichtungen geschlossen und in einer Abteilung in der JVA Fuhlsbüttel integriert. 2009 wurde diese Abteilung wieder abgekoppelt und eine eigene Anstalt gegründet, die sich auf ihr sozialtherapeutisches Angebot konzentrieren kann.

Hamburg hat heute mit 130 Haftplätzen, das sind sechs Prozent des gesamten Haftplatzangebots, das größte Sozialtherapeutische Angebot bundesweit. Durchschnittlich werden rund 120 Menschen in der Sozialtherapie an den Standorten der SothA Fuhlsbüttel und ihrer Außenstelle Bergedorf behandelt.