Feierlichkeit Älteste Stiftung für Resozialisierung feiert Jubiläum

Die gemeinnützige David-Jonas-Stiftung - benannt nach dem jüdischen Kaufmann David Jonas - ist mittlerweile 130 Jahre alt. Das Besondere der Stiftung: Resozialisierung wird hier seit Stiftungsgründung praktiziert.

David-Jonas-Stiftung - Älteste Stiftung für Resozialisierung feiert Jubiläum

Justizsenator Dr. Till Steffen würdigt die Arbeit der Stiftung, die damals ihrer Zeit weit voraus war: „Gegründet im Jahr 1889 handelte es sich um die allererste Stiftung deutschlandweit, die sich die Resozialisierung von Strafgefangenen und ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft zum Ziel gesetzt hat. Sie begleiten. Sie beraten. Sie unterstützen. Sie wissen – gerade aufgrund Ihrer engen Zusammenarbeit mit den Anstalten – wo und bei wem es noch zusätzlichen Förderungsbedarf gibt. Organisieren Alphabetisierungskurse, helfen bei der Wohnungsausstattung, finanzieren Windeln und Kindernahrung.“

Es war ein langer Weg vom ersten Entwurf bis zur Verabschiedung des Hamburgischen Resozialisierungs- und Opferhilfegesetzes (HmbResOG). Dass Resozialisierung aber bereits lange Zeit vorher gedacht und praktiziert wurde, sehen wir an der David-Jonas-Stiftung. Noch weit vor der Jahrtausendwende war der Gedanke fest mit Hamburg verbunden. Hamburg ist daher nicht nur deutschlandweiter Vorreiter beim HmbResOG, sondern ist es in Bezug auf Resozialisierung und Wiedereingliederung überhaupt.

„Niemanden aufgeben“ ist das Motto der Stiftung – damals wie heute. Damit dies auch die Strafgefangenen spüren, setzt die David-Jonas-Stiftung auf den Faktor Familie: Sie organisiert Sommerfeste und Weihnachtsfeiern für die Gefangenen und ihre Kinder sowie Spielgruppen und Kulturangebote. Die Gefangenen und deren Familien sollen auch während der Haft beieinander bleiben. Das schützt nicht nur die Gefangenen vor dem Rückfall in die Kriminalität, sondern auch ihre Kinder vor dem Abdriften in diese.

Rechtsanspruch auf einen Eingliederungsplan

In Hamburg startete mit der David-Jonas-Stiftung die Idee der Resozialisierung. 130 Jahre später, am 1. Januar 2019, ist das HmbResOG in Kraft getreten und die Idee wird zum Gesetz. Hamburg führt ein eigen finanziertes und gesetzlich verankertes Übergangsmanagement ein. Sechs Monate vor und nach der Haftentlassung werden die Hilfsangebote durch dieses Übergangsmanagement koordiniert. Kurz gesagt: Strafgefangene in Hamburg haben jetzt einen Rechtsanspruch auf einen Eingliederungsplan.

Besonders in den ersten sechs Monaten zurück in Freiheit ist statistisch gesehen die Gefahr einer erneuten Straffälligkeit am höchsten. Die Strafgefangenen werden daher nach der Entlassung nicht alleine gelassen, um dem sogenannten „Entlassungsloch“ entgegenzuwirken und die Rückfallquote zu senken. Justizsenator Dr. Till Steffen weiß: „Man sieht sich immer zweimal im Leben! Bei der Resozialisierung ist es genau andersherum: Der größte Erfolg ist es, wenn wir die Menschen in den Haftanstalten nicht noch einmal zu Gesicht bekommen. Dazu leistet die David-Jonas-Stiftung einen ganz wichtigen Beitrag!“

Hintergrundinformationen zur Stiftungsgründung

Die David-Jonas-Stiftung geht zurück auf den Hamburger David Jonas. Die Biografie von David Jonas ist nur zum Teil überliefert. Er ist 1823 geboren und war ein jüdischer Kaufmann. 1888 verstarb David Jonas in Hamburg. Vier Jahre vor seinem Tod, also 1884, hat er ein Testament errichtet, das die Gründung einer Stiftung zur Fürsorge für Strafgefangene vorsah. David Jonas hatte ausdrücklich bestimmt, dass seine Stiftung für alle Hamburgerinnen und Hamburger zur Verfügung stehen sollte, ungeachtet der Religion oder Herkunft. Den Bezug zur Familie und der Idee, insbesondere die Kinder der Gefangenen davor zu bewahren, ebenfalls Straftaten zu begehen, setzte er bereits in seinem Testament auf.

Kontakt

Dr. Marayke Frantzen

Pressesprecherin